Mans (Le), Hauptstadt des franz. Depart. Sarthe wie der ehemaligen Provinz Maine, an der hier dreifach überbrückten Sarthe, nahe oberhalb der Mündung der Huisne gelegen, Station der Linien Paris-Brest, M.⸗Angers und M.⸗Mézidon der Westbahn, sowie der Linie Tours-M. der Orléansbahn, ist der Sitz der Departementsbehörden, eines Bischofs, eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Handels⸗ und dreier Friedensgerichte, einer Handels⸗ und einer Ackerbaukammer. Die Stadt ist in ihrem alten, am Flußufer gelegenen Teil schlecht gebaut, mit engen, gewundenen, unfahrbaren Gassen und niedrigen Häusern, in dem höher gelegenen aber regelmäßig und geräumig. Die bedeutendsten Gebäude sind die prächtige got. Kathedrale St.⸗ Julien mit herrlichem Chor, fünf andere stattliche Kirchen aus dem Mittelalter und die Kirche Notre-Dame, der bischöfl. Palast, das 1757 an der Stelle des alten Münzgebäudes und des Schlosses der Grafen von Maine erbaute Stadthaus, die Präfektur, die Kavalleriekaserne, die Kornhalle, das 1839—42 erbaute neue Theater, eins der schönsten Frankreichs, und der 164 melange Eisenbahnviadukt aus Granit und Marmor. Die Stadt hat ein Priester-und ein Lehrerseminar, ein Lyceum, eine Zeichen- und eine höhere Elementarschule, Kurse für Lehrerinnen, sowie für Handel und Industrie, Gesellschaften für Medizin, Künste und Wissenschaften, Ackerbau und Gartenbau. Auch gibt es hier eine öffentliche Bibliothek von 50000 Bänden, ein ausgezeichnetes Archiv, eins der besten franz. naturwissenschaftlichen Museen, ein Museum für Altertümer, eine Gemäldegalerie u. s. w. Die Einwohner (1881: 49 155) fertigen Flaggen⸗ und Segeltuch, Hanfleinwand im großen, außerdem Wachstuch, Musselin, Spitzen, Strumpfwaren, in ganz Frankreich berühmte Wachskerzen, sowie Chemikalien. Auch unterhält man Kupfer⸗ und Eisengießereien mit Maschinenfabriken, Leinwand-und Wachsbleichen, Schneidemühlen u. s. w. Sehr bedeutend ist der Handel mit den genannten und mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, besonders mit Schlachtvieh, Geflügel, Getreide und Hanf. Geschichtliches. M. war unter den Römern (Vindinum), nach den aufgefundenen Altertümern (Amphitheater, Wasserleitungen etc.) zu schließen, ein beträchtlicher Ort. Unter Karl d. Gr. gehörte M. (mittellat. Cenomannis, Cenomani, Cenomanum) zu den größten Städten des Reichs, litt aber später sehr durch Kriege, zuletzt in dem Vendéer⸗ und dem Kriege der Chouans 1793 und 1799. Im Deutsch— Französischen Kriege von 1870 und 1871 fand hier 11. und 12. Jan. 1871 eine Schlacht statt, in welcher die franz. Loire-Armee unter General Chanzy von dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen geschlagen und fast gänzlich vernichtet wurde. Nach den Kämpfen bei Orléans und Beaugency reorganisierte General Chanzy bei M., welches seit Okt. 1870 Hauptquartier der franz. Westarmee war, die zweite Loire-Armee seit Mitte Dezember und vereinigte dort gegen 150000 Mann, mit denen er auf Paris vorzurücken gedachte. Prinz Friedrich Karl zog in den ersten Tagen des Januar mit 3½ Armeekorps und 4 Kavalleriedivisionen von Orléans an den Loir und von diesem Abschnitt auf drei Straßen von Bonneval, Vendöme und St.⸗Amand gegen M. Das Gelände begünstigte in hohem Maße die Verteidigung und ließ fast niemals die ausgiebige Verwendung der Kavallerie zu; zudem waren die Wege durch Frost für Geschütz und Fahrzeuge fast ungangbar. Unter fast ununterbrochenen siebentägigen Einzelgefechten und außerordentlichen Anstrengungenerreichte die mittlere Kolonne 10.Jan. die feindliche Hauptmacht und schlug dieselbe an diesem und dem folgenden Tage bei Parigné, Changs und am Plateau von Auvours, östlich von M., während der linke Flügel 11. Jan. La Tuilerie besetzte und dadurch eine Panik im franz. Heere veranlaßte, welche jeden weitern Widerstand unmöglich machte. In der folgenden Nacht befahl General Chanzy den Rückzug hinter die Sarthe und nach Alencon; doch wurde derselbe erst gegen Mittag 12. Jan. wahrgenommen und darauf die Stadt M. nach kurzem Gefecht besetzt. Das feindliche Heer wurde bis Alengon und Laval verfolgt und das Lager von Conlie (s. d.) besetzt. Der Sieg bei M. entschied über den Ausgang der Belagerung von Paris und beendete damit im wesentlichen den ganzen Feldzug, denn der Westen und Süden Frankreichs war nunmehr dem weitern Vormarsch der Zweiten Armee unter Prinz Friedrich Karl geöffnet. Vgl. von der Goltz, «Die sieben Tage von Le M.y (Berl. 1874); Chanzy, La deuxième armée de la Loires (Par. 1873; deutsch von Busse, Hannov. 1873); von Twardowski, «Die Gefechte des 3. Armeekorps bei Le M.» (Berl. 1873).