FeedSeptuaginta
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Septuaginta oder die Siebzig (LXX) nennt man die bei Juden und Christen zu öffentlichem Ansehen gelangte griech. Übersetzung des Alten Testaments. Nach der Sage bei Josephus soll der König von Agypten, Ptolemäus Philadelphus, von seinem Bibliothekar Demetrius Philaretes veranlaßt worden sein, den Juden Aristeas nach Jerusalem zu schicken und sich vom Hohenpriester einen hebr. Codex und zur übersetzung desselben 72 Schriftgelehrte (die sog. Siebzig Dolmetsch er) zu erbitten, die dann dem Demetrius die übersetzung diktiert hätten. Noch wunderbarer klingt die Sage in dem angeblichen Briefe des Aristeas, wonach die 72 übersetzer auf der Insel Pharos jeder für sich eine übersetzung angefertigt haben, welche sämtlich, als man sie nach ihrer Beendigung verglich, Wort für Wort übereingestimmt haben sollen. Der wirkliche Ursprung erklärt sich einfach aus dem Bedürfnisse der in Alexandria und Agypten lebenden Juden, deren Muttersprache das Griechische war. Die verschiedenen Teile der Übersetzung stammen von verschiedenen Verfassern und aus verschiedenen Zeiten. Zuerst wurde, wohl schon vor Mitte des 3. Jahrh. v. Chr., der Pentateuch übersetzt, danach die übrigen Bücher des Alten Testaments in längern oder kürzern Zwischenräumen. Der Wert der üübersetzung der verschiedenen Bücher ist sehr verschieden; teilweise ist sie ziemlich willkürlich und frei, nicht selten geradezu fehlerhaft. Dies hinderte jedoch nicht, daß die S. ein sehr hohes Ansehen erlangte. Schon vor Christus betrachteten die Juden sie als inspiriert, und die neutestamentlichen Schriftsteller bedienen sich ihrer unbelümmert um ihre Abweichungen vom Grundtext zur theol. Beweisführung. In der griech. Rirche trat sie geradezu an die Stelle des hebr. Textes und blieb bis zum heutigen Tage im ausschließlichen kirchlichen Gebrauch. Doch wurden später von Juden und Judenchristen noch andere Üübersetzungen angefertigt, von denen meist nur noch Fragmente übrig sind. Am berühmtesten sind geworden: 1) die übersetzung von Aquila; 2) von Theodotion aus Ephesus; 3) von Symmachus. Um den echten Bibeltext gegen die angeblich von den Juden begangenen Verfälschungen des hebr. Textes zu schützen, verglich Origenes zahlreiche Handschriften der von ihm für göttlich eingegebenen LXX und veranstaltete zu demselben Zbwecke die noch in zahlreichen Fragmenten und einer syr. Übersetzung erhaltene Hexapla, welche auf sechs nebeneinander stehenden Kolumnen den hebr. Text in hebr. und griech. Schrift, die LXX (nebst kritischen Zeichen zur Andeutung dessen, was hinzugefügt oder weggelassen werden sollte) und die lbersetzungen des Aquila, Symmachus und Theodotion, sowie Stücke einer fünften, sechsten und siebenten Übersetzung enthielt. Später haben sich Lucian, Hesychius, Basilius u. a. wiederholt mit der Verbesserung der LXX beschäftigt. Die wichtigsten Handschriften der S. sind der Codex Vaticanus, Codex Sinaiticus und Codex Alexandrinus. Die bekannteste neuere Ausgabe ist die von Tischendorf (6. Aufl., Lpz. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 707Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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