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ReligionBrockhaus 1882

Targum (chald., Plur. Targumim) nennt man die aramäischen oder chaldäischen Übersetzungen der Bücher des Alten Testaments. Diese begnügen sich nicht mit der einfach wörtlichen Übersetzung, sondern sie entwickeln den gesetzlichen und erweitern den erzählenden Inhalt der Stelle, und die Übersetzung wurde zur Paraphrase. Von den durch ihr Idiom sich kenntlich machenden babylonischen Targumim sind die zum Pentateuch und den Propheten erhalten; dem erstern wurde später der Name Onkelos (was nur eine andere Schreibung für den Namen des griech. übersetzers Aquila ist), diesem derjenige des Jonatan ben-Usiel beigelegt. Beide schließen sich mit Ausnahme der poetischen Stücke und anthropomorphistischer Stellen in der Regel eng dem Texte an; ihre Redaction erhielten sie nicht vor dem 4. Jahrh. Neben diesem recipierten babylonischen I. erhielt sich das palästinische zum Pentateuch bis in das 8. Jahrh. fort und nahm dort Zusätze und Umgestaltungen an. Auch dieses liegt als jerusalemisches vor, und zwar vollständig, und ist fälschlich auch mit dem Namen Jonathan belegt worden. Gewöhnlich wird es als Pseudo-Jonathan bezeichnet. Dann liegt es aber auch vor in einer etwas abweichenden, wie es scheint, revidierten Gestalt, doch nur als Fragment, welches den Namen Jeruschalmi bewahrt hat. Zu den Propheten sind nur wenige Bruchstücke des palästinischen T. aufbewahrt; hingegen ist das T. zu den Hagiographen (s. Hagiographa) das palästinische mit Mischungen und lberarbeitungen. Während die fünf kleinen Schriften (Megilloth), welche zu zeiten öffentlich verlesen wurden, in dem T. sehr erweitert und legendenhaft ausgeschmückters cheinen, sind die zu den andern Büchern weit nüchterner, und es ist besonders das T. zu den „Sprücheno in merkwürdiger Übereinstimmung mit der griech. Übersetzung der 70 Dolmetscher und der syrischen. Die Bücher Daniel und Esraĩ-Nehemia haben überhaupt kein T. Das T. ist von sehr ergiebigem und noch nicht erschöpftem Werte für die Geschichte des Bibeltextes und der Exegese. Gedruckt finden sich die T. in großen Bibelausgaben. Das des Onkelosist kritisch behandelt von Luzzatto (Philoxenuso, Wien 1830); für einen korrekten Text der andern T. ist noch wenig geschehen. Sprachlich sind sie mit den andern chaldäischen Dialekten behandelt, lexikalisch gewöhnlich in Verbindung mit dem Talmud, insbesondere von J. Levy (Chaldäisches Wörterbuch über die Targumime», Lpz. 1866 —68; 2. Aufl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 478Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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