Serbische Sprache, d. h. die Sprache der Slawen im Fürstentum Serbien, in Bosnien, der Herzegowina, Montenegro, Altserbien, Dalmatien, bildet einen Teil eines größern Sprachganzen, das man jetzt meistens als serbokroatisch (früher häufig illyrisch) bezeichnet. In diese Bezeichnung ist dann einbegriffen die Sprache der Slawen im Königreich Kroatien (d. h. dem Lande zwischen Kulpa und Velebitgebirge), aber nicht die des sog. Provinzialkroatien (um Agram und Warasdin), da diese zum Slowenischen gehört. Das Serbo-Kroatische wird je nach der verschiedenen Umbildung des altslaw. Vokals ê (Jat) in drei Hauptdialekte geteilt: den östlichen (im östl. Teil des Fürstentums Serbien), & wird wie e gesprochen; den südlichen (in Teilen des Fürstentums und Bosniens, der Herzegowina, Montenegro, einem Teile Dalmatiens), é wie je oder ije; den westlichen (in Kroatien), swie i. Das Serbo-Kroatische bildet mit dem ihm nächstverwandten Slowenischen und Bulgarischen die sog. südslawische Völker- und Sprachgruppe und gehört mit diesen der südöstl. Abteilung der Slawischen Sprachen (s. d.) an. Die der orient. Kirche angehörigen Serben brauchen das cyrillische Alphabet in einer vortrefflichen, von Vuk Karadzie verbesserten, der wirklichen Aussprache angepaßten Orthographie, die der römischen angehörigen Serben und Kroaten die lat. Schrift mit Erweiterungen und Anpassungen, wie sie die Sprache erfordert. Die Zahl der serb.⸗kroat. Sprechenden beträgt gegen 6 Mill. Die erste wissenschaftliche Bearbeitung des Serbischen geschah durch Wuk Stephanowitsch Karadschitschs«Grammatike (Wien 1818, als Einleitung seines Wörterbuchs, übersetzt von J. Grimm, Berl. 1824), später namentlich durch die Werke von Danicic (f. d.); vortrefflich ist auch Budmani, 4Grammatica della lingua serbocroata (Wien 1867). Zum praktischen Erlernen der Sprache existieren Grammatiken und Hilfsbücher von Berlié, Fröhlich, Paréié, Boskovic, Vymazal u. a. Das bedeutendste Wörterbuch ist das von W. St. Karadschitsch (4Serb.⸗deutschlat. Wörterbucho, Wien 1818; 2. Aufl., Lexicon serbico-germanico-latinum »„Wien 1852), dazu „Deutsch-serb. Wörterbuch» (Wien 1872). Seit 1880 gibt die Agramer Akademie ein sehr groß angelegtes serbo-kroat. Wörterbuch heraus (Rjeënik hryatskoga ili srpskoga jezikao, bis 1884 6 Hefte), anfangs bis zu seinem Tode von Danicié bearbeitet. Brauchbar ist Filipovies Neues Wörterbuch der kroat. und deutschen Sprache » (2 Bde., Agram 1875): Popovié, «Wörterbuch der serb. und deutschen Sprachen (2. Aufl., Panesova 1886). Von ältern (kroat.) Wörterbüchern sind die wichtigsten Della Bella, « Dizionario italiano-latinos-illiricop (Vened. 1728; 2, Ausg., Ragusa 1785); Stulli, „Bjecsosloxje v(2 Bde., Ragusa 1806); derselbe 1810). (S. auch Kroatische Sprache.)