Slowenen (Slovenci, Sing. Slovenec) heißt der in Steiermark, Kärnten, Krain wohnende Slawenstamm. Die Sprachgrenzen sind: im Norden gegen das Deutsche eine ungefähre Linie von Tarvis über Klagenfurt und Völkermarkt nach Radkersburg an der Mur; als Ostgrenze rechnet man gewöhnlich die polit. Grenze Steiermarks gegen Ungarn, doch gehört die Sprache des sog. Provinzialkroatien (f. Kroatische Sprache) mehr zu den slowenischen als zu den serbo-kroat. Dialekten; die Südgrenze gegen das Kroatische wird gebildet durch eine Linie von Möttling bis Capodistria; die Westgrenze gegen das Italienische (Furö lanische) durch eine ungefähre Linie von Capodistria über Monfalcone, Cividale nach Tarvis. In dieses „Sprachaebiet fällt also ein schmaler südl. Rand von Kärnten, das südl. Steiermark, ganz Krain (mit Ausnahme der großen deutschen Sprachinsel um Gottschee), der größte Teil von Görz und Gradiska, ein kleiner Teil von Istrien. In der Gegend von Radkersburg reicht ein Zipfel slowen. Sprachgebiets nach Ungarn, in der von Cividale nach Italien hinein. Die Gesamtzahl der S. beträgt eirca 1½ Mill. Die Sprache gehört zu den sog. südslawischen und steht dem Serbo-Kroatischen am nächsten. Grammat. Bearbeitungen der Sprache: von Kopitar (Grammatik der slaw. Sprache in Krain, Kärnten und Steiermarko, Laibach 1808), Metelko (Laibach 1825), Murko (2. Aufl., —— 1850), Janezié (seit 1850 in slowen. und deutscher Sprache, in Uid rern Aufl.), Lewstik (e Die slowen. Sprachey, Laib. 1866), Suman (Slovenska slovnica, Klagenf. 1884), Sket (Slowen. Sprach- und Übungsbucho, Klagenf. 1885); Wörterbücher: von Murko (2 Tle., Graz 1833), Janezie (seit 1850 in mehrern Aufl.). Das älteste Sprachdenkmal sind die sog. Freisinger Denkmälero, liturgischen Inhalts, erhalten in einer Handschrift des 10. Jahrh. (herausg. von Kopitar im «„Glagolita Clozianuso, Wien 1836); von da an fehlen Sprachdenkmäler so gut wie ganz bis zur Reformation. Durch die Thätigkeit des krain. Reformators Primus Truber (1508 —86) und seiner Genossen wurden die Bibel (erste vollständige Ausg. 1584) und andere geistliche und kirchliche Bücher übersetzt und verfaßt. Diese Litteratur wurde indes durch die Gegenreformation wieder unterdrückt, sodaß die litterarische Thätigkeit bis gegen Ende des 18. Jahrh. fast ganz ruht. Eine vollständige Bibelübersetzung von kath. Seite (Hauptmitarbeiter waren Japel und Kumerdey) erschien von 1791 bis 1802. Ansätze zu einer Litteratur im weitern Sinne gingen namentlich von dem Dichter Vodnik (1758—1819) aus; der eigentliche Schöpfer einer slowen. Poesie ist aber Franz Preschern (Preseren, Presiren) 1800 — 49 (Gesamtausgabe seiner Dichtungen Pesni Franceta Presirna, Laib. 1866). Seit der Mitte des 19. Jahrh. wird im Zusammenhange mit dem lebhaftern nationalen Leben der kleinern slaw. Völker auch die litterarische Bewegung kräftiger und mannigfaltiger. Als Dichter verdienen genannt zu werden: Levstik, Valjaves, Stritter. Als Einigungspunkt der Erzeugnisse dient namentlich die Zeitschrift Lijubljanski zvonv. Die größte Sammlung slowen. Volkslieder ist KSlovenske pesmi krajnsliga narodas (5 Hefte, Laib. 1839 — 44). Eine übersicht über die Litteratur gibt Kleinmayr, Lgodovina slovenskega slovstvas (Klagenf. 1881). Das Geschichtliche s. unter Kärnten, Krain, Steiermark. Vgl. Suman, «Die Slowenen» (Teschen 188).