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ErdkundeBrockhaus 1882

Sevres, Stadt im Arrondissement Versailles des franz. Depart. Seine-et-Oise, am linken Ufer der Seine und an beiden von Paris nach Versailles führenden Linien der Westbahn, südwestlich von Paris, 8 km ostnordöstlich von Versailles, zählt (1881) 6834 E. und ist besonders bekannt durch die große Porzellanmanufaktur, welche 1745 in Vincennes von Privatunternehmern gegründet, 1756 nach S. verlegt, 1759 auf Verwendung der Pompadour von Ludwig XV. angekauft und seitdem auf Rechnung des Staats unterhalten wurde. Das zu damaliger Zeit hier fabrizierte eweiche Porzellamo (. Porzellan) ist gegenwärtig von reichen Liebhabern sehr 900 chätzt, und die Wohlerhaltenen Stücke dieses sog. Kalten Sovresy (Vieux Sèvres) werden im Kunsthandel und in öffentlichen Versteigerungen mit übermäßig hohen Preisen bezahlt. Das heutige Porzellan von S. ist ausgezeichnet in Gleich-Glasur, der Masse, in Reinheit und Weiße der Glasur, hat aber sonst vor gleichartigen Fabrikaten an andern Orten nichts voraus. Der in dieser Anstalt verbrauchte Kaolin kommt aus den Thongruben von St.⸗Yrieir bei Limoges. Man beschäftigt daselbst gewöhnlich 150 Personen. Seit 1875 besteht hier auch ein Atelier für Glasmosaik. Einzig in ihrer Art ist das hiesige, 1800 von Alexandre Brongniart angelegte und von Rivereux erweiterte Musée céramique, die reichste Sammlung von irdenem und porzellanenem Geschirr aus allen Ländern und Zeiten, von den ältesten griech. und etrusk. Thonvasen bis auf die neuesten Erzeugnisse der Töpferei von allen europ. Nationen, wie auch von den Chinesen, Japanesen, Ostindiern und verschiedenen amerik. Völkerschaften. Nebenbei besteht noch die Sammlung von Modellen, gebildet aus Gruppen und Statuetten von gebrannter Erde und Gips, aus Formen von Gips und Wachs oder erwärmter Porzellanmasse. Das nach dem Kriege von 1870—71 umgebaute alte Schloß, in dem sich bis 1876 die Porzellanmanufaktur befand, enthält jetzt eine Normalschule für Lehrerinnen. Im Deutsch-Französischen Kriege wurde S. 19. Sept. 1870 von Truppen der Dritten deutschen Armee besetzt; die hier über die Seine führende Brücke, vorher auf dem rechten Ufer abgebrochen, diente während der Belagerung der Hauptstadt als Stelle für die Unterhandlungen zwischen den aus Paris und Versailles zum Parlamentieren gegenseitig abgeschickten Personen. Im Verlauf der Belagerung wurde die Stadt von den franz. Batterien des Mont-Valérien und den Kanonenbooten auf der Seine stark beschossen und an manchen Stellen zerstört.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 740Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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