Shetlandinseln oder Zetlandinseln, eine nordöstlich von Schottland und den Orkneys gelegene Inselgruppe, besteht aus 117 Inseln, von denen nur 30 bewohnt sind, die übrigen, Holms und Skerries genannt, bloß zur Viehweide benutzt werden. Man schätzt die gesamte Fläche auf 1590qkm, 1881 mit 29 709 E. Viele Meereseinschnitte, hier Voes geheißen, erstrecken sich bei den meisten Inseln tief ins Land hinein, das im allgemeinen einen düstern, nordischen Charakter trägt. Die S. sind im ganzen nur hügelig; am höchsten, bis zu 450 m, erhebt sich der Roveneß oder Rona-Hill auf Mainland. Die im W. gelegene Insel Foul ist 420 m hoch. Die Küsten zeigen schroffe, dunkelgraue Felsbildungen, in welche das Wasser Höhlungen ausgewaschen hat, die oft merkwürdige Grotten und Felsbogen bilden. Flüsse fehlen den S. In den gegen N. geschützten Thälern bieten die Inseln hohen Graswuchs, Kartoffel-, Gerste- und Haferfelder und Gemüsegärten. Im ganzen zeigen sich jedoch steiniger Boden, sumpfige Ländereien und unfruchtbare, mit Heide und Torfgrund überzogene Hügel. Bäume gedeihen auf den S. gar nicht, und die aus niedrigen Kräutern, Moosen und Flechten bestehende Pflanzenwelt trägt einen alpinen Charakter. Reicher ist das Tierleben entwickelt. Die Haustiere, Schafe, Rinder und Pferde (Shelties Hreich vert nehmen hier fast zwerghafte Formen an. eich vertreten ist die nordische Vogelwelt, namentlich mit Möven, Alken, Sturmvögeln und Tauchern. Vor allem belebt ist aber das Meer mit Robben, Walen, Dorschen, Kabeljaus und namentlich mit Heringen. Das Klima, durch die See gemildert, ist kein sehr rauhes. Der Winter ist weniger durch Schnee und Kälte als durch Düsterheit, Nebel und Regen ausgezeichnet. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 46 R., die des Winters T3,2 und die des Sommers .9,5° R. Auf den größern Inseln Mainland (83,6 km lang), Bressa, Yell und Unst liegen eine Menge vorhistor. Altertümer zerstreut, die den Kelten zugeschrieben werden. Dahin gehören stehende Steine und die merkwürdigen, nur aus zusammengelegten Steinen errichteten „Pictischen Burgeno. Die Einwohner sind norweg. Ursprungs und zeigen den skandinav. Charakter, wenn sie auch jetzt einen besondern engl., stark mit Norwegisch versetzten Dialekt reden. Auch viele altskandinav. Sitten, Sagen, Lieder und Feste haben sich erhalten. Haupterwerbszweig der Bewohner ist die Fischerei; Ackerbau wird wenig, dagegen mehr Schafzucht, Kalkfabrikation und Torfgräberei betrieben. Aus der feinen Wolle der kleinen Schafe wissen die Frauen sehr gesuchte Shawls, Strümpfe und Decken zu weben. Lerwick an der Ostseite von Mainland, Hauptstadt und einzige Stadt der S., nördlichste Stadt Großbritanniens, ist erst zu Anfang des 17. Jahrh. entstanden. Der Ort zählt 3516 E. und besteht aus einer einzigen Straße, an welcher die aus Schiefer erbauten Häuser liegen. In der Nähe befindet sich das unter Cromwell erbaute Fort Charlotte, jetzt Gerichtsaus und Gefängnis. Der Hafen ist gut und sicher. 80 erwähnen ist noch die alte Hauptstadt Skalloway, mit dem jetzt in Ruinen liegenden, um das J. 1000 als Zwingburg erbauten Schlosse des Carl Patrik Stewart. Die S. werden vielfach als die Thule des Pytheas von Massilia angesehen. Sie wurden von Norwegern besiedelt, von letztern Hjaltland genannt, und empfingen das Christentum zu Ende des 10. Jahrh. durch Siegmund Bresterson und König Olaf Tryggneson. Bis 1196 waren sie mit den Orkneys vereinigt, wurden 1271 zu den Färöer geschlagen und kamen 1474 an Schottland. Jetzt bilden sie mit den Orkneys zusammen eine Grafschaft. Vgl. Ziegler, «Meine Reisen im Nordeno (Lpz. 1860); derselbe, Die Reise des Pytheas nach Thulen (Dresd. 1861); Cowin, «Shetlando (Edinb. 1874); Tudor, The Orkneys and Shetlando (Lond. 1883).