FeedSpitzbergen
ErdkundeBrockhaus 1882

Spitzbergen, von den Grönlandsfahrern lange Zeit auch Ostgrönland genannt, eine aus drei größern und mehrern kleinern Inseln bestehende Inselgruppe mit einem Flächenraum von etwa 70000 km, liegt zwischen 76½ und 80˙ 48 nördl. Br. und 10² und 33 östl. L. (von Greenwich), im Nordosten von der Ostküste Grönlands (König Wilhelms-Land) und im Südwesten von Franz-Josephs-Land und ist eins der nördlichsten Länder der Erde. Durch Nordenskiöld (s. d.) wurde 1868 festgestellt, daß S. mit Europa durch eine unterseeische Brücke in Verbindung stehe, also gewissermaßen als Fortsetzung von Skandinavien anzusehen sei und geographisch zu Europa gehöre. Sämtliche Inseln sind von vielen jorden und Buchten durchschnitten, felsig und mit ebirgen und Gletschern bedeckt, die sich im Horn-Sund-Pic bis zu 1390 meerheben. Das Klima ist durchaus arktisch und selbst im Sommer, wo die Wärme bei den langen Tagen, in denen die Sonne gar nicht untergeht, sehr bedeutend, im Schatten doch so rauh, daß in demselben weder Eis noch Schnee schmilzt. Die Vegetation ist deshalb auf eine geringe Zahl von Pflanzen, besonders Moose und Flechten beschränkt, die Inseln sämtlich unbewohnt, aber reich an See-und Pelztieren, an Renntieren und im Sommer an Seevögeln. An einzelnen Punkten hat man neuerdings auch Steinkohlen gefunden. Nächst der Hauptinsel Westspitzbergen (mit den dazugehörigen Inseln, außer Juse Karls-Vorland, 39535 ꝗkm groß) sind die Insel Nordostland, im Nordosten jener gelegen und durch die Hinlopenstraße von ihr getrennt (10462 akm), und Stans-Foreland oder Edgeland (6332 qkm) im Südosten die bedeutendsten. Entdeckt wurde S. 1596 von den Holländern Jakob von Heemskerck, Jan Corneliszoon Ripp und Willem Barents, welche es jedoch für einen Teil von Grönland hielten und Nieuwland (Neues Land) nannten. Das Meer von S. wurde wegen seiner Menge von Walfischen und Walrossen und andern Seetieren alsbald der Schauplatz einer außerordentlichen Thätigkeit der Seeleute. Engländer, Franzosen, Dänen, Hamburger, Russen wetteiferten miteinander. Das übergewicht behielten jedoch die Niederländer, welche sogar eine feste Station gründeten, Smeerenberg, wo der Thran ausgesotten wurde. Mit der Abnahme der Walfische hat jedoch der Verkehr aufgehört und Smeerenberg ist verschwunden. Näher belannt wurde S. durch Scoresby (1817— 18), Parry (1827), besonders aber seit 1861 durch die schwed. Forscher Nordenskiöld und Torell, dann durch die deutsche Expedition unter Koldewey (1868), durch Th. von Ain un (1870), Weyprecht und Payer (1871), Smith und Ulve (1871), Graf Wilczek (1872) u. a. Vgl. Petermann, 4&S. und die arkt. Centralregiono (Gotha 1865); Duner, Malmgren, Nordenskiöld und Quennerstadt, (Svenska expeditioner till S. (Stockh. 1868); Koldewey, „Die erste deutsche Nordpolarexpeditions (Gotha 1871); Heuglin, Reisen nach dem Nordpolarmeerv (3 Bde., Braunschw. 1872—74).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 93Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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