FeedShukowskij (Wassilij Andrejewitsch)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Shukowskij (Wassilij Andrejewitsch), einer der berühmtesten russ. Dichter, wurde 1783 aus einer adeligen Familie (doch von einer türk. Mutter, die als Gefangene nach Rußland gebracht wurde) in Tula geboren, wo er auch seine erste Schulbildung genoß. Er begab sich dann nach Moskau, um seine Studien auf der dortigen Universität zu vollenden, und erregte schon 1802 durch eine treffliche übersetzung von Grays Ländlichem Kirchhofe Aufmerksamkeit. S. widmete sich jetzt ganz der Litteratur und ward 1808 Redacteur des von Karamsin gegründeten Journals «Viestnik Evropyo. Für dieses Blatt lieferte er nicht nur zahlreiche Übersetzungen aus dem Deutschen, Französischen und Englischen, sondern auch Originalaufsätze, Erzählungen und Gedichte, die zu den besten gehören, die die russ. Sprache H. hat. Als 1812 der Krieg gegen Napoleon ausbrach, nahm er an dem Feldzuge eifrig teil und focht unter dem moskauer Landsturm in verschiedenen Schlachten. Seiner Begeisterung verdankt Rußland eine Reihe herrlicher Kriegsgesänge, die den Titel Der Sänger im Lager der russ. Krieger» führen und zahlreiche Auflagen erlebt haben. Nach dem Frieden lebte er eine Zeit lang in Dorpat, wurde aber 1817 nach Petersburg berufen, um der Gemahlin des spätern Zaren Nikolaus russ. Litteratur vorzutragen. Im J. 1824 ward er Erzieher des Großfürsten-Thronfolgers Alexander; seine letzten Lebensjahre brachte er in Deutschland zu und starb 24. April 1852 zu Baden-Baden. S. zeigt sich sowohl in seinen übersetzungen wie in seinen eigenen Werken als ein Dichter, der die vollkommenste Herrschaft über die Sprache übt und dessen Geist eines freien und kühnen Schwungs fähig ist. Überall ist sein Ausdruck kräftig, feurig und edel, bei aller Kunst nie gesucht, vielmehr stets wahr und natürlich. Seine „Liudmilar gibt den Russen Bürgers Leonorer mit aller Schönheit des Originals wieder. Ebenso meisterhaft sind seine übertragungen von Schillers „Jungfrau von Orléanso, Byrons «Gefangenem von Chillond und mehrern Goetheschen und Uhlandschen Balladen. Trotz seiner Neigung zur Romantik blieb ihm doch das Verständnis der klassischen Poesie keineswegs verschlossen, wie seine metrische übersetzung der Odyssee beweist. Von seinen Originalgedichten verdienen noch Svötlana- und das russ. Nationallied Boze, Carja chraniv Erwähnung. Eine Gesamtausgabe von S.s Schriften erschien 1849—50 (10 Bde.) in Petersburg (7. vollständige Ausg., nebst Briefwechsel, 6 Bde., 1878). Vgl. Seidlitz, Wassilis Andrejewitsch S. Ein russ. Dichterleben» (deutsch, Mitau 1870; die Originalausgabe des russisch geschriebenen Werks, Petersb. 1883). Snv. oder 8½²o., bei naturhistor. Namen Abkürzung für George Shaw, geb. 1751, gest. als Konservator des Britischen Museums 1815. I, chem. Zeichen oder Symbol für Silicium.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 766Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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