FeedBulgarin (Thaddäus)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bulgarin (Thaddäus), russ. Schriftsteller, geb. 1789 in Litauen, wurde seit 1798 im Kadetten-Laaen zu Petersburg erzogen, da die bedrängte age seiner Mutter 100h dem unglücklichen Aus-Vater des Kampfes in Polen, an welchem sein ater unter Kosciuszko teilgenommen, dieselbe veranlaßt hatte, dorthin ihre Zuflucht zu nehmen; 1805 kam er zu dem Ulanenregimente des Großfürsten Konstantin, — den Feldzug in Preußen mit und beteiligte sich dann an dem Kriege gegen Schweden in Finland, verließ hierauf den russ. Kriegsdienst und trat zu Warschau in die poln. Armee ein, mit der er den Feldzügen in Spanien, Deutschland und Frankreich bamohnte Nach Napoleons Fall kehrte er nach Warschau zurück, wo er verschiedene e schreb und poetische Arbeiten in — Sprache schrieb. Eine Reise nach Petersurg veranlaßte ihn einige Zeit darauf zu dem Entschlusse, in Rußland zu bleiben; er studierte die russ. Sprache und begann 1823 das Nordis e Ar4 das anfangs ausschließend der Geschichte, eographie und Ausst gewidmet war, nachher auch unterhaltende Aufsätze aufnahm. Seine humoristischen und satirischen Darstellungen machten ihn bald zu einem der beliebtesten russ. Schriftsteller. In Verbindung mit Gretsch begründete er 1825 die Nordische Biener, bei der er seitdem eine Reihe von — hindurch als Feuilletonist thätig war, sich als Gegner Puschkins und der Romantischen Schule und als blinder Verehrer des absolutistischen Systems indessen viele Gegner zuzog. V der Ausgabe seiner «„Sämtlichen Schriftend (Petersb. 1827; deutsch, 4 Bde., Lpz. 1828) vereinigte er die besten seiner früher in Zeitschriften erstreuten Aufsätze und Erzählungen. Die in denladen enthaltenen Skizzen sind zwar oft glücklich aus dem Leben gegriffen, entbehren aber jeder tieern künstlerischen wan Wur und jedes idealen oments. Mit „Iwan Wuishigin, oder der russ. Gilblaso (Petersb. 1829; deutsch, 4 Bde., Lpz. 1830) und in der Fortsetzung desselben: Peter Iwanowitsch Wuishigino (Petersb. 1830; deutsch, 3 Bde., Lpz. 1834), betrat er ein weiteres Gebiet, wo er sein Talent in umfassendern Gemälden des Charakters und der Sitten des russ. Volks zeigen konnte; höhere Ansprüche befriedigen sie ebenso wenig als die histor. Romane Demetriuso (1830) und Mazeppav (1832), und auch das russ. Lesepublikum wandte sich nach und nach entschieden von B. ab. Ein größeres, nur zum Teil von ihm selbst verfaßtes Werk: Rußland in histor, statist., geogr. und litterarischer Hinsichte (6 Bde., Petersb. 1836), das unter seiner Mitwirkung von Brackel ins Deutsche übertragen wurde (Bd. 1—3, Riga 1839 —41), trug zur Vermehrung seines Rufs nicht bei. Seit dem Tode des Kaisers Nikolaus, dessen System er nach Kräften unterstützt hatte, zog er si allmählich aus der Offentlichkeit zurück und star vergessen in Dorpat 13. Sept. 1859. Obwohl das Verdienst nicht abzusprechen ist, durch seine Versuche in den verschiedenen Zweigen zur äußern örderung der russ. Litteratur beigetragen zu haen, steht er bei den russ. Litterarhistorikern als Förderer der Gesinnungslosigkeit, des Servilismus und des schlechten Geschmacks in übelm Gedächtnis. Seine Erinnerungeno (Wospominaniav, 6 Bde., Petersb. 1844—49; deutsch von Reinthal und Clemenz, 6 Bde., Jena 1858—61) sind das Beste, was B. hinterlassen hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 713Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6