Sicyon (grch. Sikyon oder Sekyon, d. i. (Gurkenlande, in mythischer Zeit angeblich Mekone, d. i. Mohnlando genannt), eine sehr alte Stadt an der Nordküste des Peloponnes, die ihr eigenes, dem Umfange nach beschränktes, aber zum Teil sehr fruchtbares Gebiet zwischen dem von Korinth im Osten und der Landschaft Achaja im Westen besaß. Ursprünglich von Mander bewohnt, wurde es nach der sog. dorischen Wanderung von Argos aus dorisiert; allein das ion. Element, das sich in der Phyle der Ägialeer konzentriert hatte, erlangte über das dorische das übergewicht durch die Tyrannen (Alleinherrscher) aus dem Geschlecht des Orthagoras (Orthagoriden), die 100 Jahre lang (etwa 666 —566 v. Chr.) an der Spitze des kleinen Staats standen und von denen namentlich Kleisthenes ihn zu hohem Ansehen brachte. Nach dem Sturze dieser Dynastie durch Sparta verlor S. zwar fast alle polit. Bedeutung, aber es blieb angesehen und blühend durch seine eifrige Pflege der bildenden Kunst und Malerei, seine bedeutende Industrie und seinen Handel. Demetrius Poliorketes eroberte die Stadt 303 v. Chr. und nötigte die Bewohner, die bisherige untere Stadt, die sich bis ans Meer ausdehnte, zu verlassen und auf der umfänglichen Hochfläche, die bis dahin als Akropolis (Burg) gedient hatte, eine neue, regelmäßig gebaute Stadt anzulegen. Die neue Stadt gelangte durch ihren Mitbürger Aratus (s. d.) wieder zu großer polit. Bedeutung als Mitglied des Achäischen Bundes und wurde auch nach der Zerstörung Korinths (146 v. Chr.) anfangs von den neuen Herren Griechenlands, den Römern, begünstigt, später aber durch M. Amilius Scaurus ihrer besten Kunstschätze beraubt und im Beginn der röm. Kaiserzeit durch ein heftiges Erdbeben heimgesucht; trotzdem fand Pausanias noch zahlreiche erwähnenswerte Tempel und sonstige öffentliche Gebäude, und noch jetzt sind ausgedehnte, wenn auch nicht eben ansehnliche Ruinen von ihr bei dem Dorfe Vasilika erhalten. Vgl. E. Curtius, «Peloponnesoso (Bd. 2, Gotha 1852).