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ErdkundeBrockhaus 1882

Sidon, die älteste und neben Tyrus wichtigste Stadt Phöniziens, in einer schmalen Ebene am Mittelmeer, 33 34 nördl. Br., etwas östlicher als das heutige Saida (s. d.), war schon zu Homers Zeit wegen ihrer Kunstarbeiten berühmt und wurde die Mutterstadt vieler phöniz. Anlagen in und außer dem Lande, namentlich auch von Tyrus (s. d.). Die Stadt blieb von großer Bedeutung, bis sich Tyrus erhob und seine übermacht geltend zu machen wußte. Vor 722 v. Chr. ergab sich S. dem assyr. König Salmanassar. Später kam es an das babylon. Reich, hatte aber während dieser, wie während der assyr. und pers. Herrschaft eigene Unterkönige. In der pers. Zeit war es sogar wieder mächtiger als Tyrus, bis es sich an die Spitze der Empörung gegen Artaxerxes III. stellte, aber durch die Verräterei seines eigenen Königs Tennes in die Hände der Perser fiel und deshalb um 350 v. Chr. von den Einwohnern selbst angezündet wurde. Nochmals hergestellt, unterwarf es sich 333 v. Chr. Alexander d. Gr. und erhielt von diesem einen neuen König. Nach Alexanders Tode kam es zuerst an die ägypt., dann an die syr. Könige, und zuletzt fiel es den Römern zu. Eusebius und Hieronymus kennen S. noch als eine bedeutende Stadt; auch war sie der Sitz eines Bischofs. Im J. 1111 wurde sie durch König Balduin I. der mohammed. Herrschaft entrissen, aber 1187 von Saladin wiedergenommen. Später mehrmals zerstört und wieder aufgebaut, war S. im 17. und 18. Jahrh. längere Zeit ein bedeutender Punkt für den franz. Handel, der erst von Dschezzar Pascha 1791 vernichtet wurde. Besonders wichtig war im Altertum S.s Handel mit Purpurfärbereien, Bernstein und Glas, dessen Erfindung ihnen zugeschrieben wird. Die dortigen Altertümer wurden 1860 durch eine franz. Expedition unter E. Renans Leitung genauer untersucht. Schon 1855 wurde eins der bedeutendsten Monumente, der mit phöniz. Inschrift versehene Sarkophag des Königs Esmunazar gefunden, der jetzt im Louvre aufgestellt ist. (S. Phönizien.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 788Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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