Simon (Richard), einer der gelehrtesten und freimütigsten Theologen seiner Zeit, geb. zu Dieppe 13. Mai 1638, machte daselbst seine Studien, trat auf Anraten des Pater Fournier in die Kongregation der Väter des Oratoriums, verließ diese aber wieder und studierte in Paris. Er ging 1679 nach Bolleville als Priester, wo er bis 1682 blieb, lebte dann abwechselnd in Dieppe und Paris und starb 11. April 1712 zu Dieppe. Er bekämpfte als Kritiker die Autorität der kirchlichen Tradition über den Ursprung, die Integrität und die Auslegung der Heiligen Schrift, bahnte in dieser Beziehung für die Protestanten den Weg der freien Forschung an, zog sich aber auch dadurch heftige Angriffe zu. Aus Furcht vor den Jesuiten verbrannte er noch zuletzt seine Handschriften. Sein Hauptwerk ist die „IIistoire eritique du Vieux Testamento (Amsterd. 1679), dem sich in drei Abteilungen die 4&Histoire critique du Nouveau Testamento anschloß (Rotterd. 1689 — 93). Ein Verzeichnis sämtlicher Schriften findet sich bei Bernus, MNotice bibliographique sur Richard S.5 (Basel 1882). S.s wichtigste kritische Schriften über die Bibel, vornehmlich über das Neue Testament, wurden von Cramer übersetzt (3 Bde., Halle 1776-80). Vgl. Bernus, Richard S.v» (Lausanne 1869).