Griesbach (Joh. Jak.), hervorragender evang. Theolog, besonders verdient um die Kritik des neutestamentlichen Textes, geb. 4. Jan. 1745 zu Butzbach im Großherzogtum Hessen, studierte in Tübingen, Halle und Leipzig Theologie und begab sich 1769 auf eine mehrjährige Reise nach Holland, England und Frankreich. Ostern 1771 habilitierte sich G. in Halle, ward 1773 außerord. Professor und folgte 1775 einem Ruf als ord. Professor der Theologie nach Jena, wo er 24. März 1812 starb. Um den Text der Schriften des Neuen Testaments hat er sich mit Erfolg bemüht, indem er zuerst die Handschriften nicht bloß zählte, als wären alle gleichwertig, sondern sie nach ihrer Verwandts chaft in mehrere Familien von verschiedenem Werte einteilte. Er unterschied die oecident., die orient. und die byzunt. Familie oder Recension. G. veranstaltete eine Ausgabe des nach diesen Grundsätzen verbesserten Textes, zunächst der Evangelien, «Synopsis evangeliorumo (2 Bde., Halle 1774—75; 3. Aufl. 1809), alsdann des ganzen Neuen Testaments (2 Bde., Halle 1775—77; 3. Aufl. von D. Schütz, Berl. 1827). Demselben Zweck dienten Symbolae criticae ad supplendas et corrigendas varias lectiones N. T.v (2 Bde., Halle 1785—93) und „Commentarius criticus in textum N. T.» (2 Bde., Jena 1798—1811). Seine 4«Populäre Dogmatikv (Jena 1779; 4. Aufl. 1789) gibt einen klaren Abriß der religiösen Anschauungen der gemäßigten Aufklärung. Seine Opuscula academicap gab Gabler heraus (2 Bde., Jena 1824—25). Lebensbeschreibungen lieferten Köthe (Jena 1812), Augusti (Berl. 1812) und Eichstädt (Jena 1815).