FeedSinnestäuschungen
HeilkundeBrockhaus 1882

Sinnestäuschungen (Sinnesdelirien, Phantasmen) sind solche Sinnesempfindungen, die auf einer der Wirklichkeit nicht entsprechenden Wahrnehmung beruhen. Sie zerfallen in Illusionen und Hallucinationen: bei den erstern werden wirklich vorhandene äußere Obiekte wahrgenommen, aber falsch gedeutet, während die letztern Wahnvorstellungen sind, welche, ohne daß ihnen ein äußeres wirklich vorhandenes Objekt entspricht, für direkte Sinneswahrnehmungen gehalten werden. Sämtliche Sinne können zu S. Veranlassung geben, doch sind Phantasmen des Gesichts (s. Gesichtstäuschungen) und des Gehörs ungleich häufiger als Geruchs-, Geschmacks⸗ und Gefühlstäuschungen. S. kommen gelegentlich auch bei geistig Gesunden vor (Luther, Spinoza, Goethe, Künstler mit lebhafter Phantasie), werden aber von diesen leicht als subjektiv entstanden erkannt und berichtigt; sehr Veraistune sind sie bei hohem Fieber, bei gewissen zergiftungen Opium, Belladonna, Haschisch, Chinin, Alkohol u. a.), bei den Krankheiten des Gehirns und seiner Häute, sowie bei allen Zuständen, welche mit mangelhafter Ernährung und abnormer Erregung des Gehirns verbunden sind. Als besonders wichtiges Symptom begleiten S. die verschiedenen Formen der Geisteskrankheiten. (S. Hallucinationen, Illusion.) Siuneswahrnehmungen, s. unter Sinn und Sinne.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 842Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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