FeedSituationszeichnen
Sport & SpielBrockhaus 1882

Situationszeichnen oder Planzeichnen nennt man die Kunst, Teile der Erdoberfläche in Form einer Karte so genau durch Zeichnung darzustellen, daß man beim Vergleichen nicht allein sofort eine Kopie der Gegend erkennt, sondern auch im Stande ist, sich sicher und schnell danach zu orientieren. Zu diesem Zwecke müssen alle diejenigen Merkmale, welche in der Natur ins Auge fallen, als die Baulichkeiten, das Wegenetz, die Gewässer, die verschiedenen Kulturen, die Unebenheiten des Erdbodens u. s. w. durch die Situationszeichnung nach Möglichkeit zum Ausdruck gelangen. Karte (ob Stadt⸗ oder Festungsplan, Situationsplan, Spezial⸗ oder Generalkarte) ist auch der Maßstab verschieden; er schwankt im allgemeinen zwischen 1:10000 und 1: 150000 der natürlichen Länge. Die Karten größern Maßstabes gehören zumeist in die Kategorie der Forstkarten und ökonomischen Pläne behufs Feststellung der Besitz⸗ und Steuerverhältnisse, oder sind Baupläne für Eisenbahnen, Straßen, Fortifikationen u. s. w. Der Planzeichner darf nicht gleichmäßig und mechanisch verkleinern, wie es z. B. auf photographischem Wege geschieht; er muß auch solche Gegenstände zur Darstellung bringen, deren Raum in der Verkleinerung gar nicht oder nur ungenügend abgebildet werden kann, falls dieselben für den Zweck der Zeichnung wichtig sind; andererseits sind manche Details im Interesse der Deutlichkeit fortzulassen. Wichtige Obiekte werden über das ihnen zustehende Maß vergrößert, durch konventionelle Zeichen,‚ Signaturen, ausgedrückt, so z. B. Straßen, Häuser, Einfriedigungen, einzelne Bäume. Andere konventionelle Oe dienen für die Darstellung der Grenzen, Orte, Bodenbewachsung (Wald, Ackerland, Gärten, Wiese, Sumpf), des Wassers u. s. w. Die verschiedenen Regierungen haben hierfür eigene Musterblätter Für die Darstellung der Unebenheiten des Erdbodens kommen hauptsächlich zwei Manieren in Betracht, von denen die eine auf Wiedergabe der durch die Beleuchtungsstärke veranschaulichten Böschungsverhältnisse, die andere auf einer Zerlegung der Terrainunebenheiten in Schichten gleicher Höhe beruht. Für die Darstellung des Böschungswinkels (des Steilheitsverhältnisses der Unebenheiten des Terrains) hat der sächs. Major Lehmann (s. d.) zu Ende des 18. Jahrh. eine wissenschaftliche Grundlage geschaffen. Lehmanns System beruht auf dem Prinzip, eine geneigte Fläche desto dunkler in der Zeichnung zu halten, je weniger Licht sie bei senkrechter Beleuchtung erhält, d. h. also, je steiler sie ist. Eine horizontal liegende Fläche empfängt bei senkrechter Beleuchtung alles Licht und bleibt demnach weiß; eine lothrecht stehende empfängt gar kein Licht und würde daher schwarz zu färben sein. Jedoch ist dies Prinzip in der Praxis nicht völlig durchführbar; denn die Neigungswinkel der Abhänge, die unter 45 betragen, also in dem für technische, militärische und viele andere Zwecke wichtigsten Teile der Terrainunebenheiten, würden dann nicht deutlich genug unterschieden werden können. Deshalb hat man für das Dunkelverhältnis der Terrainunebenheiten eine willkürliche Skala zu Grunde gelegt; Lehmann nahm als völlig schwarz die gegen den Horizont um 45 geneigte Fläche an, da bei den Terrainverhältnissen seiner Heimat Sachsen die 45 übertreffenden Böschungen keine militärische Bedeutung mehr haben; mit Ausnahme Bayerns hat man überall im Deutschen Reiche diese Skala beibehalten, in Bayern dagegen wegen der Darstellung des Alpenlandes die Grenze des Schwarzen bei 60* Böschung angenommen; Ssterreich nahm 1869 eine Schraffenskala mit der Beleuchtungsgrenze von 80“ an. Lehmann teilt die Böschungen von O bis 45 in 9 Stufen von 5 zu 5 und erreicht die betreffende Schattenabstimmung durch eine zu verschieden wirkenden Zonen abgestufte Schraffierung; in den Böschungen von 0 bis 5² enthält der Raum neun weiße Neuntel, d. h. er bleibt weiß, bei 45 werden alle Neuntel, also der ganze Raum, schwarz. Die Schraffen der Lehmannschen Methode sind dem Wasserlaufe folgendey, sog. senkrechte, stehen also überall auf jeder gedachten horizontalen Linie gleicher Höhe über dem Meere senkrecht. Neben der Lehmannschen Darstellungsweise kommt eigentlich nur noch die sog. altfranzösische in Betracht. Sie fußt auf der Annahme schräger oder einseitiger Beleuchtung, ohne jedoch in ihrer Ausführung wissenschaftlich begründet zu sein. Einige Ahnlichkeit dieser Methode mit der Landschaftszeichnung läßt sich nicht absprechen, und daß sie mehr Effekt hervorbringt, wie diejenige der senkrechten Beleuchtung, ist zweifellos. Sie eignet sich indessen nur für Terrainformen, welche Alpencharakter haben. Bei Mittelgebirge treten ihre Übelstände schon sehr entschieden zu Tage, und für lachland ist sie gar nicht anwendbar, ohne geradezu alsche Anschauungen hervorzurufen. Ihren Haupttypus hat die —— —— Methode der schrägen Beleuchtung in der Eidgenössischen Vermessungskarte gefunden, der berühmten Dufour-Kartes, deren Maßstab wie 1: 100 000. Außerdem findet sich gegenwärtig schiefe Beleuchtung bei offiziellen Aufnahmeproduktionen nur noch im ital. Generalstabe und der franz. Marine. Um auch die Terrainunebenheiten, deren Böschung unter 5e beträgt, darzustellen, hat man Schraffierung durch unterbrochene Linien eingeführt. Größere Variationen der sächs. oder Lehmannschen Skala haben sich jedoch nicht zu behaupten vermocht. So ist die preuß. oder Müfflingsche Skala fast überall wieder aufgegeben; sie behält das Tonverhältnis der sächs. Skala bei, gibt aber der Schraffierung, um ein bestimmtes Ablesen der Böschungsgrade zu erleichtern, verschiedene, den Gradationsstufen entsprechende, rein konventionelle, willkürliche Formen, indem sie verschiedene Stricharten nach Bedürfnis mischt und verstärkt. In Preußen selbst wird diese Skala nur noch für die Terrainunebenheiten gebraucht, deren Böschungen weniger als 10“ betragen. Während Lehmann das Tonverhältnis der geringern Beleuchtung, also der größern Steile, durch senkrechte Schraffen darzustellen strebt, suchen andere dasselbe durch horizontale Schraffen zu erreichen, sog. Querschraffen, d. h. Schraffen, deren Richtung senkrecht auf dem Wasserlaufe steht. Man findet sie auf norweg., span. und russ. Generalstabskarten; in Spanien sind die Querschraffen gleich stark, werden aber nach dem Böschungsgrade weiter oder dichter gezogen; in Rußland gibt man ein und derselben Schraffe verschiedene Stärkegrade; in Schweden kombiniert man beide Schraffengattungen, indem Querschraffen für Kuppen und Rückenflächen der dort häufigen flach gerundeten Felsenhügel und Felsenberge dienen, senkrechte für die Abhänge. Bei den Aufnahmen der westl. Gebiete der Vereinigten Staaten waren viele große Hochflächen darzustellen, wozu man feine Parallelstriche verwendet, deren Zahl (also deren Tonwirkung) nach der Höhenlage jener Hochflächen variiert, wogegen die Berge in senkrechten Schraffen skizziert sind. Die Darstellung der Höhenverhältnisse geschieht durch sog. Schichtenpläne. Schon 1738 entwarf der Franzose Buache den Plan, die Unebenheiten des Meeresbodens durch Linien gleicher Tiefe, Isobathen, zu bezeichnen; Dupain-Triels 1791 erschienene Karte von Frankreich war der erste praktische Versuch einer Schichtenzeichnung. Im J. 1818 begann die Regierung die Bearbeitung einer großen Karte Frankreichs mit Isohypsen, 1826 bestimmte sie, daß alle Aufnahmen in großen Maßstäben mit Horizontalschichten zu versehen seien. Unter den deutschen Regierungen veranstaltete zuerst Hannover 1829 Schichtenaufnahmen, Preußen erst 1847. Bereits 1830 publizierten die Dänen Alsen und Bredstorff eine Isohypsenkarte von Europa, in demselben Jahre der hannov. Hauptmann Papen eine folche vom Harze. Der letztere veröffentlichte dann 1844 eine derartige Übersichtskarte von Hannover und 1857 seine epochemachende Höhenschichtenkarte von Centraleuropa. Werden die Terrainunebenheiten nur durch Schichtenlinien dargestellt, so treten verschiedene Mängel ein; einmal gibt eine solche Zeichnung kein plastisches Bild; ferner fehlen da, wo die Schichten weiter auseinander liegen, natürlich alle Formendetails. Man suchte diesem Mangel dadurch abzuhelfen, daß man lähnlich der russ. Behandlung der Querschraffen) derselben Schichtenlinie verschiedene Stärkegrade gab, um so einen miere Shten Ton für verschiedene Böschungswinkel zu erhalten. Enen seht wesentlichen Fortschritt bezeichnet die Kolorierung der von den Isohypsen einges chlossenen Höhenschichten, wodurch das Bild, bei genügender Nähe der Isohypsen und geschickter Farbenwahl, außerordentlich an plastischem Ausdruck gewinnt; man unterscheidet dabei zwei Hauptmethoden, die Sonklarsche, welche nach dem Grundsatze: Je tiefer, desto dunklerv, die Erhöhungen beim Ansteigen immer heller werden läßt, und die Hauslabsche mit dem Grundsatze: Je höher, desto dunkler.v Sehr viel kommt auf die Wahl der Farben an; sie müssen Schrift und Gerippe deutlich erkennen lassen. Um die durch Isohypsen und durch Teranmerail der Schichten nicht ausgedrückten erraindetails zur Anschauung zu bringen, hat man auf der Isohypsengrundlage noch die Terrainzeichnung durch Schraffierung oder Schummerung (Wiedergabe der verschiedenen Beleuchtungsstärken durch einen durch Verwischung heller und dunkler werdenden Farbenton) eingetragen. Diese Schraffierung darf dann aber nicht einfach eine mechan. Ausfüllung der Schichten sein, da sie ja vielmehr eben das Detail zwischen den Isohypsen wiedergeben soll. Bei den meisten Aufnahmen werden indessen die Schichtenentwürfe nach der Natur gemacht, die Schraffur wird nachträglich hinzugefügt und gibt darum nur die Hauptformen, nicht die Details. Dagegen erfolgt bei den neuern österr. Spezialkarten die Terrainzeichnung auf dem Felde nach wirklich sichtbaren Formenlinien, während die Schichtenlinien nachträglich ausgezogen werden, kontrolliert durch zahlreiche in jeder Sektion eingetragene Höhepunkte. Streffleur benutzte verschieden gefärbte Isohypsen zur Unterscheidung der Kulturregionen. Als die mach dem gegenwärtigen Stande des S. höchste Leistung erscheint die Verbindung der Schraffierung mit Isohypsen, Flächenkolorit der Höhenschichten und eingetragenen Höhenzahlen; die Terrainunebenheiten werden dabei am besten mit allen Formendetails durch skizzierte Schraffierung ausgedrückt und mit bunten Schichtenflächen überlegt, die innerhalb der Schichte nach dem Verhältnis des Böschungswinkels lichter oder dunkler gehalten sind. Diese Zeichnung vereinigt Darstellung der allgemeinen überhöhung der Massen, Wiedergabe der Böschungsverhältnisse und der Formendetails mit exaktem Ausdruck der charakteristischen Höhen⸗ und Tiefenpunkte. Vgl. Plehwe, «Leitfaden für den theoretischen Unterricht im Planzeichneno (7. Aufl., Berl. 1874); Burchardt, «Leitfaden für den Unterricht in der Terrainlehre, im militärischen Planzeichnen u. s. (Berl. 1878); Wichura, Das militärische Plan. zeichneno (Berl. 1878); Streffleur und Neuber. „Die Oberflächengestaltung und die Darstellungs weisen des Terrainso (Wien 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 850Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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