FeedSkoda (Jos.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Skoda (Jos.), der Begründer der neuen deutschen diagnostischen Schule in der Medizin, geb. 10. Dez. 1805 zu Pilsen in Böhmen, studierte seit Herbst 1825 Medizin zu Wien, wo er auch 1831 zum Doktor promoviert wurde. Darauf übernahm er die Stelle eines Cholerabezirksarztes in Böhmen und ward 1833 Sekundärarzt am Allgemeinen Krankenhause zu Wien, wo er durch Joseph Heine und Gutbrod den Gebrauch des Stethoskops erlernte und in stetem wissenschaftlichen Verkehr mit Rokitansky und Kolletschka die pathol. Anatomie und die Anwendung der Perkussion und Auskultation auf Erkenntnis der pathol.-anatom. Zustände studierte. Seit 1835 begann er über diese Fächer praktische übungen (sog. Kurse) am Krankenbett zu erteilen. Im März 1840 erhielt er die Stelle als ordinierender Arzt auf der neugeschaffenen Abteilung für Brustkranke, wurde 1841 Primärarzt und 1846 Professor der Klinik, 1848 Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Wien. Er starb daselbst 13. Juni 1881. S.s Bedeutung in der Medizin ist eine wissenschaftliche und praktische. In ersterer Hinsicht stellte er bei seinen Untersuchungen (zunächst über Brustkrankheiten) das Prinzip an die Spitze, daß die am Kranken beobachteten (physikalischen) Zeichen zunächst nur bestimmte physik. Zustände in dessen Organismus anzeigen und erkennbar machen, worauf es dann Sache des rationellen Arztes sei, besonders mit Hilfe der pathol.-anatom. Erfahrungen, durch Schlußfolgerungen die wirklich vorhandenen innern Krankheiten zu erraten. In der Durchführung dieses Grundsatzes trat S.s Abhandlung über Auskultation und Perkussiono (Wien 1839; 6. Aufl. 1864) den bis dahin allgemein und auch in Deutschland geltenden Lehren der franz. diagnostischen Schule (von Laennec, Corvisart, Piorry u. s. w.) entgegen, von welcher die physik., am Kranken ermittelten Symptome sofort als Zeichen eines bestimmten Krankheitsprozesses gedeutet werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 870Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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