FeedSkutäri
ErdkundeBrockhaus 1882

Skutäri (slaw. Skadar, türk. Ischkodra oder Uschkodra), das Scodra der Alten, Hauptstadt des gleichnamigen, einen Teil von Albanien umfassen Vilajets und Sitz eines Valy, liegt nahe der südöstl. Spitze des Skadarsees, zwischen diesem, dessen Abfluß, der 22 kem weiter unterhalb in das Adriatische Meer einmündenden schiffbaren Bojana, dem auf deren rechten Ufer in sie eimmündenden Hauptarm des Drin, der Drinasa und einem rechtsästigen Zufluß der letztern, dem Kiri, am südl. Endpunkt einer sich von da ab dem nordöstl. Ufer des Sees entlang ziehenden fruchtbaren Ebene. Die Stadt ist teils in dieser, teils am Hange einer den innersten Winkel zwischen Bojana und Drinasa ausfüllenden Hügelgruppe gelegen, deren höchsten Punkt eine verfallene Citadelle einnimmt, welche die über letztern durchführende steinerne Brücke beherrscht. S. ist außerordentlich weitläufig, vorwiegend aus Holz gebaut und besteht aus 13 miteinander verbundenen Dörfern oder Gehöftkomplexen, die einen Flächenraum von 9 qkm bedecken, mit 10000 E., welche namentlich als geschickte Waffenschmiede Ruf gewonnen haben und außerdem verschiedene Gewerbe, auch Wollweberei, Schiffbau und Handel treiben. Ausgeführt werden Wolle, Seide, Ol, Bau⸗, Brenn⸗ und Färbeholz, Mais, Weizen, Leinsamen, Blutegel, Hasenfelle, Leder, gesalzene Fische (Scoranzen) aus dem See, Fischrogen, Schildkröten, Wachs, Kastanien, Nüsse u. s. w. Das antike Scodra, am See Labeatis und dem Fluß Barbana, war die feste Residenz des Königs Gentius von Illyrien, fiel nach dessen Besiegung durch den Prätor L. Anicius 168 v. Chr. in die Hände der Römer und erhielt später röm. Bevölkerung als Kolonie Claudia Augusta. Bei der Teilung des Römischen Reichs 395 wurde sie zu Ostrom geschlagen als Hauptstadt der Provinz IIVria Praevalitiana. Im Mittelalter war S. wichtig als Festung. Längere Zeit im Besitz der Venetianer, wurde es 26. Jan. 1479 vom Sultan Mohammed II. nach schwerer Belagerung erobert und mit dem Umlande dem Osmanischen Reiche einverleibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 875Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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