FeedSmithsonian Institution
NaturlehreBrockhaus 1882

Smithsonian Institution, der Name eines großartigen wissenschaftlichen Instituts zu Washington in Nordamerika, den es nach seinem Begründer, dem Engländer James Smithson, erhielt. Letzterer war ein natürlicher Sohn des Herzogs von Northumberland, wurde zu Orford erzogen und 1787 zum Mitglied der Royal Society erwählt. Namentlich beschäftigten ihn chem. Untersuchungen, deren Resultate er in acht Abhandlungen in den Philosophical transactionsv mitteilte. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er meist auf dem Kontinent, wo er 27. Juni 1829 zu Genua starb. Er war nie verheiratet und hinterließ bei seinem Tode ein Vermögen von 120000 Pfd. St., das er, mit Ausnahme einiger Legate, seinem Neffen Henry James Hungerford vermachte, jedoch mit der Weisung, daß die Summe, falls der Genannte ohne machkommenschaft sterbe, an die Vereinigten Staaten zur Gründung eines Instituts für Förderung der Wissenschaft fallen solle. Mit dem Tode Hungerfords zu Pisa 5. Juni 1835 trat dieser Fall ein. Aber erst nach einem Prozeß mit dem Court of Chancery zu London, den die Amerikaner gewannen, wurde im Sept. 1838 das Geld in Sovereigns in den amerik. Staatsschatz eingezahlt. Die Summe betrug damals 515169 Doll., welche der Staatsschatz mit 6 Proz. jährlich verzinst. Bis zur eigentlichen Begründung des Instituts, welche durch die Akte vom 10. Aug. 1846 erfolgte, war die Summe der Zinsen bereits zu 242 129 Doll. angewachsen. Konstituiert wird diese Smithsonian Iustitution for the Increase and Diffusion of Knowledge among Menv durch den Präsidenten und Vizepräsidenten, die Mitglieder des Kabinetts, den Oberrichter des obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, den Mayor von Washington, den Kommissar des Patentamts und die von diesen zu Chrenmitgliedern ernannten Personen. Den Vorstand, genannt Regents of the Smithsonian Institutiono, bilden drei der amtlichen (Vizepräsident, Oberrichter und Mayor) und zwölf andere Mitglieder (drei Senatoren, drei Repräsentanten, sechs durch gemeinschaftliche Resolution beider Häuser bestimmte Männer, von denen zwei in Washington und die vier andern in den Vereinigten Staaten wohnen müssen). Dem Zwecke des Stifters gemäß (der übrigens nie selbst in Amerika war und nur aus „reiner Liebe zur Wissenschaft die Stiftung dorthin verlegte) sucht das Institut einerseits zu neuen Forschungen anzuregen, andererseits das Wissen zu verallgemeinern durch eine Reihe von Berichten über die neuen Entdeckungen in den verschiedenen Zweigen des Wissens, durch Drucklegung von Spezialuntersuchungen über Gegenstände von allgemeinem Interesse, durch öffentliche Vorlesungen, endlich durch Gründung einer Bibliothek, eines naturhistor. Museums und einer Kunstgalerie. Man schritt sofort zur Errichtung eines geeigneten Gebäudes, welches im normann. Stil aufgeführt wurde und bei einer größten Breite von 44 meine Länge von 149mbesitzt. Die Bibliothek und Bildergalerie sind neuerdings der Kongreßbibliothek und dem Corcoranischen Museum überwiesen; die Museen sind zwar noch im Entstehen begriffen, vermehren sich aber rasch durch Ankauf und Geschenke. Auch hat die Herausgabe der Smithsonian Contributions to Knowledger in schöner Ausstattung 1848 begonnen, welche, wie die übrigen kleinern Publikationen, an alle Universitäten der Welt, zahlreiche gelehrte Gesellschaften und wissenschaftliche Institute unentgeltlich verteilt werden. Dem Operationsplane des Instituts gemäß richtet dasselbe ausschließlich seine Aufmerksamkeit auf solche wissenschaftliche Gegenstände und Unternehmungen, weiche von andern Gesellschaften oder öffentlichen Instituten nicht oder nicht genügend gefördert werden können, entweder wegen beschränkter Geldmittel oder wegen Mangel an unmittelbarem praktischen Interesse. Das Institut entwickelt seine Thätigleit namentlich in vierfacher Weise: 1) durch Forschungen (Researches), insbesondere in Ethnologie, Astronomie und Erdmagnetismus (Prof. Baches Küstenvermessung und Kapitän Kanes Nordpolexpedition wurden wesentlich vom Institut unterstützt, und es unterhält dasselbe 500 feste magnetische Beobachtungsstationen über den ganzen nordamerik. Kontinent); 2) durch Veröffentlichung von Schriften (Publications), und zwar a) die Smithsonian Contributionsv, bis 1885 25 große Quartbände, b) die Annual Reports o an die Vorsteher (seit 1846), c) die Miscellaneous Collectionso, bis 188⁵ 27 Bde.; 3) durch Austausch interessanter und seltener wissenschaftlicher, antiquarischer und sonst merkwürdiger Gegenstände (Exchauges, in dieser der Konn ist das Institut fast zum Mittelpunkt der Kommunikation aller gelehrten Gesellschaften der Erde geworden); 4) durch wissenschaftliche Korrespondenz mit Gelehrten, Forschern und Schwesterinstituten (Scientifie Correspondence). Das Kapital des Instituts hatte sich bis 1884 durch weise Verwaltung seiner Fonds auf 703000 Doll. vermehrt. Erster Grundsatz der Verwaltung ist, daß die Vorsteher des Instituts bei Verfolgung seiner Zwecke niemals den Kapitalstock, sondern nur die Zinsen angreifen durften. Unter der energischen und umsichtigen Leitung des Professors Spencer F. Baird haben sich aus der Smithsonian Institution das Department of Antiquities, das National Museum und das Bureau of Ethnology entwickelt. Ersteres befindet sich im

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 890Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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