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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Soma heißt im Sanskrit eine Pflanze, welche im Ursitze des indoiranischen Volks heimisch gewesen zu sein scheint, jetzt aber nicht mehr mit Sicherheit bestimmt werden kann. Die alten Arier glaubten, daß der aus dieser Pflanze gepreßte Saft, an dem sie sich selbst berauschten, den Göttern als Opfer besonders wohlgefällig sei, und gingen in ihrer Verehrung derselben so weit, daß sie ihn als einen ihrer höchsten Götter (im altbaktrischen Haoma) personifizierten. Der indische S. ist der Erzeuger und Ernährer der übrigen Götter, der auch dem Menschen Segen spendet und dem Frommen Unsterblichkeit verleiht; im Rigveda ist ihm ein ganzes Buch (das neunte) gewidmet. In der spätern ind. Mythologie tritt S. als Gott immer mehr zurück, doch wird der Mond häufig mit diesem Namen bezeichnet. Das Somaopfer wird noch heute in Indien dargebracht; wahrscheinlich aber ist die dazu angewandte Pflanze (eine Sarcostemma⸗-Art) nicht die ursprüngliche.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 917Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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