Sömmerda, Fabrikstadt im Kreise Weißensee des preuß. Regierungsbezirks Erfurt, liegt 6 Kxm südöstlich der Kreisstadt und 22 km nördlich von Erfurt an der Unstrut, Station der Linie Sangerhausen-Erfurt der Preußischen Staatsbahnen und der Linie Straußfurt-Großheringen der Nordhausen-Erfurter Bahn, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat zwei prot. und eine kath. Kirche und zählt (1885) 4796 E. Weltberühmt ist die große, von Nikolaus von Dreyse (s. d.), dem Erfinder des Zündnadelewehrs, begründete und von seinem Nachfolger Franz von Dreyse vergrößerte Gewehr⸗ und Gewehrmunitionsfabrik, welche die berühmten Zündnadelgewehre lieferte und auch bei der Anfertigung der 1872—75 neu eingeführten Gewehre sich bedeutend beteiligte. Zu der Luxuswaffenfabrik kam in neuerer Zeit eine Metallpatronenhülsenfabrik und eine Maschinenfabrik und Eisengießerei. Neben der Gewehrfabrik besteht (seit 1816) noch eine berühmte Zündhütchenfabrik (Firma Dreyse u. Collenbusch), welche gegenwärtig jährlich über 200 Mill. Zündhütchen und die Schlagröhren für die gesamte deutsche Marine produziert. Mit derselben verbunden ist unter gleicher Firma (ebenfalls seit 1816) eine Fabrik von Nieten, Fensterbeschlägen, Striegeln u. s. w.; auch hat S. bedeutende Ziegeleien. S. hieß früher Großsömmer da, kam im 18. Jahrh. an das Kurfürstentum Mainz (unächst an Erfurt) und wurde 1802 an Preußen abgetreten. Seit 1806 war die Stadt von den Franzosen besetzt, bis sie 1813 wieder an Preußen kam.