FeedSophienkirche
BaukunstBrockhaus 1882

Sophienkirche, Hagia Sophia, von den Osmanen Aja Sofia genannt, liegt auf dem ersten Hügel Stambuls (s. Konstantinopel), an dem Platze Augustaion, und östlich vom At-meidan (Hippodrom). Schon Konstantin d. Gr. hatte 326 der göttlichen Weisheit ( &ννα αονια) eine Basilika mit Holzdecke erbaut, die sein Sohn Constantius vergrößerte. Im J. 404 bei einem Volksaufstande wegen der Vertreibung des Patriarchen Joh. Chrysostomus teilweise durch Feuer zerstört und 415 durch Theodosius II. hergestellt, wurde sie bei dem Nika-Aufstande 532 ein Raub der Flammen. Nun unternahm Kaiser Justinian einen glänzenden Neubau, der selbst den Tempel Salomos überstrahlen sollte. Die berühmtesten Architekten seiner Milet Anthemios von Tralles und Isidoros von Milet wurden als Baumeister berufen. Alle verfügbaren Einkünfte des Reichs wurden zum Bau verwendet. Die antiken Tempel im Reiche mußten ihre Säulen zum Schmuck der Kirche hergeben. Am 26. Dez. 537 el infolge eines Erdbebens ein, wurde jedo dur sidoros aufs neue, noch 8 mhöher, als die frühere, erbaut und durch Widerlager gestützt. Am 6. Jan. 564 fand die zweite Einweihung statt. Als 26. Okt. 987 abermals ein Teil der Kuppel zusammenbrach, ließ ihn Basilios II., der Bulgarentöter, wiederherstellen. Im J. 1204 wurde die Kirche durch die lat. Kreuzfahrer unter Enrico Dandolo geplündert. Da abermals eine Senkung der Kuppel zu befürchten war, ließ Andronikos II. 1317 im Osten zwei mächtige Strebepfeiler anbauen. Nach der Eroberung 1453 von Sultan Mehemed II. in eine Moschee (Dschami) verwandelt, und an Stelle des Kreuzes mit einem Halbmond geschmückt, wurde sie das Vorbild für alle Moscheenbauten der Osmanen. Seitdem ist ihr Außeres durch den Anbau von vier Minarets und plumpen Strebepfeilern verändert. Das südl. Minaret errichtete Mehemed II., das östliche Sultan Selim II. (1564—74), die beiden im Norden und Westen Sultan Murad. Im Auftrag Abd-ul-Medschids wurde die Moschee von 1847 bis 1849 durch die Gebrüder Mosait restauriert. Die damals offen Den donnte osaikbilder an Wänden und Wölbungen konnten durch Salzenberg veröffentlicht werden. Darauf mußten sie, abgesehen von dem lediglich ornamentalen Schmuck, wieder verdeckt werden. Der innere Raum fast ein Quadrat, ist einschließlich der Apsis 75 m lang und 70 mbreit. Über der Mitte wölbt sich, auf vier kolossalen Pfeilern und Gurtbogen ruhend. die mächtige, flache Kuppel, 32 mweit und im Scheitel 50 m uber dem Fußboden. An diese schließen sich im Osten und Westen zwei mit Halbkuppeln bedeckte, halbkreisförmige Räume an, unter denen sich wieder je drei Nischen öffnen. Zwischen diesem Centralschiff (dem Nas) und den Um assungsmauern im Norden und Süden ziehen sich zwei zweistöckige Seitenschiffe hin, deren oberer Stock das Frauenchor (Gynaikonitis) einnimmt. Die Gewölbe und Bogen werden im ganzen von 100 Säulen kostbaxen Marmors getragen. Die Wände sind bis zum Fries mit glänzender Marmortäfelung bedeckt. Die Hauptkuppel wird durch 40 Fenster beleuchtet. Der Eindruck des Innern ist ein gewaltiger und erhabener, besonders in den Nächten des Ramasan, wenn die Moschee bis zur Kuppel erleuchtet wird. Störend wirkt nur die schiefe Stellung der Gehetsnische (des Mihrab), welche in der Apsis in der Richtung nach Mekka angebracht ist. Vgl. Salzenberg, KAltchristliche Baudenkmale Konstantinopels vom 5. bis 12. Jahrh.» (Berl. 1854), worin 27 Tafeln der S. gewidmet sind; Aya Sofia of Constantinopleo (Cond. 1852); Kortüm, „Des Paulus Silentiarius Beschreibung der Hagia Sophia und des Ambonv, Berl. 1854); Paspati, Byzantinai Meletaio (Konstantinopel 1877; neugr.); Pulgher, Les anciennes églises byzantines de Constantinople Wien 1878); Adamy, „Architektonik der altchristl. eith (Tl. 1, Hann. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 937Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6