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GeschichteBrockhaus 1882

Sofia, Hauptstadt des Fürstentums Inel ach auf der großen Straße von Konstantinopel nach Belgrad, an mehrern linksseitigen Zuflüssen des Skerflusses gelegen, die Kiresena, Vladajska und Doiane heißen und durch Gräben miteinander verbunden sind, auf weiter und fruchtbarer Hochebene, welche im Süden vom Witoschgebirge und im Norden vom Sumughu-⸗ und Etropol-Balkan begrenzt wird. Die Stadt ist auf einem der äußersten niedrigen Ausläufer des Witoschgebirges erbaut und von mäßigem Umfange. S. ist Sitz eines Cassationsgerichtshofs, eines Appellations⸗ und eines Kreisgerichts, sowie eines bulgar. Metropoliten, hat eine Kriegsschule für Offiziere, eine Landmesserschule, eine Ackerbauschule, ein Gymnasium, eine Nationalbibliothek und eine Staatsdruckerei. Im April 1877 belief sich die Einwohnerzahl auf 13— 14000 Seelen, 1881 auf 20541 E., davon sind etwa 5500 Türken und 5000 Juden (Spaniolen). Die Hauptmoschee, welche vordem eine christl. Kirche war und Hagia-Sosia hieß, wovon der seit dem 14. Jahrh. üblich werdende Name des Ortes hergeleitet wird, ist wiederum dem christl. Kultus zurückgegeben worden. Es gibt außerdem in S. mehrere andere Dschamien und christl. Kirchen. Die Bewohner beschäftigen sich mit Woll- und Seidenweberei, Tuchfabrikation, Gerberei, Acker⸗, Obst- und Tabaksbau. Die Lage an einem der bedeutendsten Straßenknotenpunkte, in welchem fünf Hauptrouten zusammentreffen, wie Überhaupt seine centrale Position innerhalb der Balkanhalbinsel versprechen S. eine gedeihliche Zukunft als Mitte des Binnenverkehrs. Dieselbe dürfte namentlich mit dem Ausbau der auf der östl. Seite bereits bis Bellowa (bei Tatar-Basardschik), auf der westlichen bis Nisch reichenden Eisenbahnlinie von Konstantinopel nach Belgrad anheben. Die Stadt ist Sitz des deutschen Generalkonsulats für Bulgarien. S. ist die alte, nach dem thrazischen Gebirgsvolk der Serder benannte Römerstadt Serdica (auch Sardica), schon im Altertum eine wichtige Verkehrs- und Militärstation, zuerst zur Provinz Thrazien gehörig, seit Aurelian als Ulpia Sardica Hauptstadt der von diesem Kaiser errichteten neuen Provinz Dacien (rechts von der Donau), seit der neuen administrativen Einteilung des Reichs unter Diocletian und Konstantin d. Gr. Hauptstadt von Dacia mediterranea, wo 344 ein berühmtes Konzil abgehalten ward. Im J. 441 wurde S. durch die Hunnen verwüstet. Im J. 809 von den Bulgaren erobert, ward die Stadt von diesen Sredetz, von den Byzantinern Triaditza, von den Kreuzfahrern aber Stralicia, Listriz und Hesternit genannt. Sie fiel 1382 in die Hände der Türken. Im Sommer 1443 wurde S. von dem Kreuzheer des Königs Wladislaw III. von Polen und Ungarn geplündert und in Brand gesteckt. Am 3. Jan. 1878 wurde sie von den Russen eingenommen. Der Distrikt Sofig zählt 159566 E., das Arrondissement Sofia 47869 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 900Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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