Spanischer Erbfolgekrieg. Als das habsburgische Königshaus in Spanien mit dem kinderlosen Karl II. (1665—-1700) am Aussterben war, wurde die Frage der span. Erbschaft ein Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit für die europ. Diplomatie. Von drei Seiten erhob man Erbansprüche. Sowohl König Ludwig XIV. von Frankreich wie auch der deutsche Kaiser Leopold I. waren Söhne von span. Infantinnen, Töchtern Philipps III., und zwar Ludwig von der ältern Schwester Anna von Osterreich, Leopold von der jüngern Schwester Maria Anna. Beide waren überdies mit zwei Schwestern Karls II. vermählt gewesen, Ludwig mit der ältern, Maria Theresia, die ihm den Dauphin Ludwig (gest. 1711) gebar, Leopold mit der jüngern Schwester Margarete Theresia, welcher Ehe nur eine einzige Tochter, Maria Antonig, entsproß, die den Kurfürsten Maximilian II. von Bayern geheiratet hatte. Nach dem Verwandtschaftsgrade stand also das franz. Königshaus näher. Die nach Frankreich vermählten Infantinnen hatten zwar ausdrücklich allen span. Erbansprüchen entsagt, während der nach Ssterreich verheirateten ihre Rechte gewahrt blieben; Ludwig XIV. hatte s ogar den Verzicht seiner Gemahlin ausdrücklich genehmigt und beschworen; aber er hatte nichtsdestoweniger den sog. Devolutionstrieg 1667—68 geführt und machte jetzt geltend, daß die Entsagungsalte nicht von den span. Cortes sanktioniert und daher nicht rechtskräftig sei. Auf alle Fälle erschien es mit dem europ. Gleichgewicht unvereinbar, daß zwei so mächtige Herrscher noch die span. Monarchie, die außer dem Hauptlande und den Kolonien die span. Niederlande (Belgien), Mailand, Reapel, Sicilien und Sardinien umfaßte, mit ihren Erbstaaten vereinigten. Deshalb dachte Ludwig XIV. die franz. Ansprüche auf den zweiten Sohn des Dauphins, Herzog Philipp von Anjou, nachmals König Philipp V., zu übertragen, und Leopold I. bestimmte die span. Erbschaft seinem zweiten Sohne, dem Erzherzog Karl, nachmals Raiser Karl VI. Doch vermochte Ludwig die Engländer nicht zur Einwilligung in seinen Plan zu bewegen x und so ergab er sich nach langem Sträuben endlich in den Haager Vertrag vom 11. Okt. 1698. Danach sollte Erzherzog Karl mit dem Herzogtum Mailand, der Dauphin mit Neapel, Sicilien und der baskischen Provinz Guipuzcoa abgefunden werden, während die übrige span. Monarchie ur den bayr. Kronprinzen bestimmt ward. Diese Entscheidung stimmte insofern mit den Wünschen Spaniens überein, als auch Karl II., ohne eine Ahnung von jenem Vertrage zu haben, den 6 r 0 Teier ch, daß er demselben das ie Situation verwickelte sich noch me r, als Kurprinz 6. Febr. 1699 an den Vocen sarb. 050. land und Frankreich schlossen undlaa des frühern einen neuen Vertrag 2. März 1700: Erzherzog Karl sollte die für den Kurprinzen von Bayern bestimmten Provinzen bekommen, Mailand aber an das von Frankreich ganz abhängige Lothringen abtreten. Der Kaiser, dem die Aufstellung Frankreichs in Oberitalien unleidlich erschien, versagte seinen Beitritt, den jene Mächte dringend verlangten. Unterdes ward in Madrid selbst eine Entscheidung getroffen, die alles umwandelte. König Karl, der in übereinstimmung mit dem Volkswillen alles eher wollte, als die Zertrümmerung der span. Macht zur Befriedigung fremder Rivalitäten, setzte in einem neuen Testament den zweiten Sohn des Dauphin, Philipp von Anjou, zum Erben der ungeteilten Monarchie ein (3. Okt. 1700). Am 1. Nov. 1700 starb Karl II., am 12. beschloß Ludwig die Annahme der Testamentsbestimmung, am 23. Jan. 1701 überschritt König Philipp die Grenze, am 18. Febr. 1701 ward er in Madrid jubelnd empfangen. Der Krieg war jetzt nicht mehr zu vermeiden. Ssterreich schritt sofort zu Rüstungen, zu denen es Hannover und Kurbrandenburg schon gewonnen hatte. England und Holland wurden, nachdem anfangs die Tories dem Frieden das Wort geredet, durch Wilhelm III. in den Krieg geführt, der ganz populär wurde, als sich Ludwig XIV. bewegen ließ, nach dem Tode Jakobs II. dessen Sohn als König Jakob III. zu begrüßen. So ward am 7. Sept. 1701 eine Tripleallianz im Haag abgeschlossen, zum Zweck der Erhebung des Erzherzogs Karl auf den span. Thron. Preuen, das Deutsche Reich und Portugal traten diesem Bunde bei. Dagegen gelang es Ludwig XIV., wei deutsche Reichsfursten auf seine Seite zu ziehen, en Kurfürsten Maximilian II. von Bayern, dem man Aussichten auf die span. Niederlande und die Rheinpfalz eröffnete, und dessen Bruder, den Kurfürsten Joseph Clemens von Köln. Außerdem gewann er den Herzog Karl IV. Gonzaga von Mantua und den Herzog Victor Amadeus II. von Savoyen, welcher letztere jedoch 25. Okt. 1703 auf die österr. Seite übertrat. Der Tod des Königs Wilhelm III. (19. März 1702) änderte nichts an der Sachlage, da die neue Königin Anna unter dem Einfluß des Herzogs von Marlborough und seiner Gemahlin, sowie auch der dirigierende Ratspensionär der Niederländischen Republik, Heinsius, an der bisherigen Politik festhielten. Ebenso setzte, als Sohn Leopold I. 5. Mai 1705 starb, dessen ältester Sohn und Nachfolger, Kaiser Joseph I., den Kampf zu Gunsten seines Bruders Karl eifrig fort. Im ganzen dauerte der Krieg über zwölf Jahre und breitete sich nicht nur über ganz Westeuropa, sondern auch über den Ocean und die Kolonien aus. Gleichzeitig wütete im nordöstl. Europa der große Nordische Krieg, und nur das zwischen den Seemächten, Kaiser und Reich, Preußen, Hannover etc. abgeschlossene sog. Haager Konzert vom 31. März 1710, welches die Neutralität Norddeutschlands wenigstens zeitweilig sicherstellte, konnte verhindern, daß die allgemeine Kriegsflamme auf deutschem Boden zusammenschlug. Der Spanische Erbfolgekrieg begann in Italien, wo im Sommer 1701 der kaiserl. 9 senre Prinz Eugen von Savoyen, schnell und siegreich vordrang und die Herzogtümer Mailand und Mantua größtenteils eroberte. Aber 1702 erhielt er einen ebenbürtigen Gegner an dem franz. Marschall Vendöme, und dieser gewann vollends die Oberhand, als Eugen wegen des von Franz II. Rakocʒi 1703 in Ungarn erregten Aufstandes aus Italien abberufen wurde. In Deutschland befehligte Markraf Ludwig Wilhelm I. von Baden-Baden die aiserl. und Reichsarmee, welcher Sept. 1702 die franz. Festung Landau zur vonAan zwang. Daegen eroberte der Kurfürst von Bayern die Reichsillars über den Rhein vordrang. Der hier kommandierende Markgraf von Baden konnte trotz ge⸗ —7 und tapferer Gegenwehr ni t verhindern, 6 die Franzosen und Bayern si vereinigten. Doch trennte sich der Kurfürst Juni 1703 wieder von Villars und drang in Tirol ein, um mit dem aus Oberitalien gegen Trient vorrückenden Marschall Vendöome Verbindung anzuknüpfen. Der heldenhafte Widerstand des tiroler Landvolks rettete Osterreich aus der drohendsten Gefahr. Aber in