FeedAnna von Ssterreich
GeschichteBrockhaus 1882

Anna von Ssterreich, Königin und Regentin von Frankreich, die älteste Tochter Philipps III. von Spanien, geb. 22. Sept. 1601, wurde bereits 25. Nov. 1615 mit dem nur fünf Tage ältern Ludwig XIII. (s. d.) von Frankreich vermählt. Mit äußern Vorzügen reich ausgestattet, dabei von leidenschaftlicher Gemütsart, liebte sie ihren schwächlichen und mürrischen Gemahl nicht; ihre geheime Verbindung mit dem span. Hofe und ihre Opposition egen Richelieus Regierungssystem machten das Verältnis zwischen den Gatten so gespannt, daß sie völlig getrennt lebten. Erst in seinen letzten Lebensjahren ließ sich Ludwig zu einer Annäherung an seine Gemahlin bestimmen, welche ihm zwei Söhne gebar, von denen der ältere, geb. 1638, als Ludwig XIV. den Thron bestieg, während der zweite, Philipp, geb. 1640, der Stammvater des Hauses Orléans wurde. Ludwig hatte bestimmt, daß nach seinem Tode, während der Minderjährigkeit seines Sohnes ein Regentschaftsrat die Regierung führen sollte. Aber auf A.s Wunsch stieß das Parlament 18. Mai 1643 im Einverständnis mit dem hohen Adel das Testament um und übertrug der Königin selbst die Regentschaft. Wenn das Parlament und der Adel dabei gehofft hatten, unter der Regierung einer Frau Hen durch Richelieu gebrochene Macht wiederherstellen zu können, so erwies 3 das bald als Täuschung. A. wandte vielmehr ihr Vertrauen dem Freunde und Günstling Richelieus, Mazarin (s. d.) zu, dem es durch die glänzenden Erfolge seiner auswärtigen Politik, freilich auch unter schweren und wechselvollen Kämpfen im Innern gegen die Fronde (f. d.) gelang, die ministerielle Allgewalt noch fester als sein Vorgänger zu begründen. Als er sie sterbend in die Hand seines Königs legte, war er und mit ihm A. aller Feinde Meister geworden. A. überlebte ihren Freund um fünf Jahre, die sie ihrer Klosterstiftung Val-de-Grace zubrachte. Sie starb 20. Jan. 1666. Vgl. Freer, „Anne of Austria v (2 Bde., Lond. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 677Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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