FeedSpeckstein
NaturlehreBrockhaus 1882

Speckstein, Seifenstein oder Steatit ist eine kryptokrystalline Varietät des Talk genannten Minerals, welche sich sehr fett anfühlt. Diese Varietät bildet nicht ihr eigentümliche Krystalle, sehr häufig dagegen Pseudomorphosen nach Feldspat, Quarz, Kalkspat, Braunspat und noch vielen andern Mineralien. Außerdem findet sie sich in derben Massen, Knollen oder Nieren und Nestern. Die Farbe des S. ist gewöhnlich weiß, gelblich oder graulichweiß, variiert aber auch ins Rote, Graue u. s. w. Sein Bruch ist matt, wird aber glänzend, wenn man ihn mit einem harten Körper schabt, oder mit dem süich Gewi ritzt. Seine Härte ist 1,5, das spezifische Gewicht = 2,8 bis 2,7. Er besteht wesentlich aus Magnesia, Kieselerde und Wasser und ist mithin ein Magnesiahydrosilicat, H. Mg, Si, O12. Man findet ihn besonders schön im Granitgebiet bei Göpfersgrün im Fichtelgebirge, überhaupt aber sehr häufig, z. B. auf Erz⸗ und andern Gängen in Sachsen, Ungarn, Bayern, Piemont, England, Schottland u. s. w. Der S. wird benutzt zum Fleckausmachen aus Tuch und Zeugen, radiertes Papier wieder beschreibbar zu machen, ferner zum Putzen der Tressen, zum Polieren des Gipses, Serpentins, Marmors und, mit Ol abgerieben, zur Politur der Spiegelgläser und Metallspiegel, auch als Poliermittel der Haut. Schwach gebrannt und fein gepulvert macht er die Basis einiger Schminken aus. Auch bestreicht man mit ihm hölzerne und metallene Schrauben, um sie luftdicht zu machen, und bedient sich seiner, um die Friktion metallener Maschinenteile zu vermindern. Auch schneidet man ihn zum Zeichnen in längliche Stücke oder Stifte, welche spanische, Brianconer oder venetianische Kreide genannt werden. Auf der Drehbank läßt er sich leicht verarbeiten und man verfertigt aus ihm allerhand Bildwerke, Medaillons, Spielwaren, Pfeifenköpfe und Schreibzeuge, welche größtenteils hart gebrannt werden; auch dient er als Material für Gasbrenner. Da der S. für sich sehr schwer schmelzbar ist, so gibt er vorzügliche Schmelztiegel, welche durch den Gebrauch immer besser werden. Auf frischgefärbtes Leder aufgepudert und nach dem Trocknen desselben oft mit Horn überstrichen, gibt er dem Leder einen ungemeinen Glanz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 57Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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