Spontini (Gasparo Luigi Pacifico), berühmter Opernkomponist, geb. 14. Nov. 1774 in dem Dorfe Majolati bei Jesi in der Mark Ancona, erhielt Musikunterricht bei Quintiliani, dem Sänger Ciafolatti, dem Organisten Menghini, dem Kapellmeistern Bartoli zu Jesi und Bonanni zu Masaccio. Er kam 1791 in das Konservatorium della Pieta de' Turchini zu Neapel, wo Sala und Tritto seine Hauptlehrer waren, und schrieb 1796 seine erste Oper (für Rom): &I puntigli delle donne v, die Glück machte. Ihr folgten bis gegen das J. 1800 vierzehn andere Opern, teils ernste, teils komische, die ihm in seinem Vaterlande einen guten Ruf verschafften. Im J. 1803 wandte er sich nach Paris, wo er erst Gesangunterricht gab, dann 1804 eine seiner frühern ital. Opern, La finta filosofav, auf die Bühne brachte, welche auch hier gefiel. Noch in demselben Jahre brachte er die franz. Operette „Julie, ou le pot de fleurs v zur Aufführung, die keinen Erfolg hatte, sowie die kleine Oper La petite maisono (Juli 1804), die nicht einmal zu Ende gespielt wurde. Ein besseres Schicksal erfuhr Ende 1804 die einaktige Oper «Miltono, in welcher er zuerst aus seiner ital. Manier heraustrat und diejenige Transformation seines Talents anbahnte, die nachgehends in der Oper Vestalen glänzend zum Durchbruch kam. Die «Vestalin v, von Jouy gedichtet und zuerst für Boieldieu bestimmt, dann aber von S. mit Sorgfalt komponiert, gelangte nur nach Besiegung großer Schwierigkeiten durch die Intervention der Kaiserin Josephine (deren Musikdirektor er inzwischen geworden) 15. Dez. 1807 auf der Großen Oper zur Aufführung. S. feierte hiermit einen großen Triumph. Auch seine nächste Oper, Ferdinand Cortez o, die 1809 zur Aufführung gelangte, hatte einen glänzenden Erfolg. S. war 1810—12 Direktor der Italienischen Oper. Vielen Beifall fanden die Nummern, welche er 1817 den von der Großen Oper wieder vorgenommenen «Danaiden» Salieris hinzufügte und von denen namentlich das Bacchanal hervorzuheben ist, welches er später in seiner eigenen Oper «Nurmahal » verwendete. Während dieser Zeit war S. eifrig mit Komposition der Oper 4Olympiav beschäftigt, die im Dez. 1819 zur Aufführung kam. Das ausgezeichnete Werk, nach denselben Grundsätzen wie die Vestalin » und 4Cortez gearbeitet, fand nicht den verdienten Beifall, wozu die veränderten pariser Zustände und das schwerfällige Libretto beitrugen. Inzwischen wurde er 1820 als Generalmusikdirektor und erster Hofkapellmeister nach Berlin berufen, welche Stellung er bis 1842 bekleidete, wo er seinen Abschied nahm und wieder nach Paris ging. Sein Aufenthalt in Berlin wurde ihm verbittert durch unwürdige Anfeindungen, die er allerdings zum Teil durch Hochmut und Egoismus hervorrief. Außer den Umarbeitungen der «„Olympia und des «Cortezo sind aus dieser Zeit zu nennen: das Festspiel Lalla Rookho (Winter 1821), die Opern „Nurmahalo (1822, zum Teil aus jenem Festspiel hervorgegangen), «Alcidor (1825), Agnes von Hohenstaufen» (1829, aber 1837 umgearbeitet) und verschiedene Gelegenheitssachen. Auch in Paris vermochte S. keinen Boden mehr zu gewinnen. Er reiste 1850 nach Italien, wo er in seinem Geburtsorte Majolati 24. Jan. 1851 starb, ein bedeutendes Vermögen hinterlassend. S. war dramatischer Komponist von hoher Begabung. In seinen Hauptschöpfungen (Vestalino, Cortezy und Olympiar) hat er einen schönen Gesang mit Einheit des Stils und charakteristischer dramatischer Wahrheit vereinigt und die Oper hauptsächlich auf Gluckscher Grundlage fortgebildet. In der Zeichnung individueller Charaktere blieb er etwas zurück; doch geht durch seine Werke ein großer Zug, und in der Behandlung des Recitativs, sowie der Chöre und des äußerst reich ausgestatteten Orchesters ist er von großer Bedeutung. Vgl. Robert, „Gasparo Luigi Pacifico S.y (Berl. 1883).