Sprache, die jedoch keine Töne, sondern nur tonlose Geräusche sind. Bei ihrer Bildung sind die Stimmbänder unbeteiligt; sie entstehen nur im Schallraume (der Mund⸗ und der Nasenhöhle), und ihre Mannigfaltigkeit wird erzeugt durch die gegenseitige Stellung des Gaumens, der Zunge und der Zähne. Man kann demnach die Sprache als ein musikalisches Verständigungsmittel auffassen. Eine Verständigung durch Töne ist auch den Tieren möglich; während aber der Mensch gewissen musikalichen Figuren einen ganz bestimmten Begriff untert, hält sich die durch Laute erzielte Verständigung bei den Tieren nur ganz allgemein. Die Sprache im eigentlichen Sinne ist somit ausschließlich Eigentum des Menschen. Fehlerhafte Bildung der S., abnorme Innervation der betreffenden Muskulatur, sowie Mangel an Intelligenz oder Willenskraft sind die Ursachen der verschiedenen Sprach9677 unter denen das Stammeln und Stottern s. d.) am häufigsten sind. Hochgradige Verstümmelung der artikulierenden S., angeborener oder frühzeitig erworbener Defekt des Gehörs und gewisse Erkrankungen des nervösen Centralorgans hren zur Sprachlosigkeit oder Stummheit Alalie), welche nur selten heilbar ist. Als häufigste orm der Stummheit ist die auf angeborener Taubeit beruhende Taubstummheit (s. unter Taubumm) zu bezeichnen. Vgl. Merkel, Anatomie und Physiologie des menschlichen Stimm⸗ und S. v 2. Aufl., Lpz. 1863); derselbe, „Physiologie der menschlichen Sprache » (Lpz. 1866); Brücke, «Phy-Bien 1 und Systematik der Sprachlautes (2. Aufl., ien 1876); Kußmaul,«Die Störungen der Spracher G. Aufl., Lpz. 1885). artiger und auch fehlerhafter Beimischungen aus der Sprache und das Bestreben, diese durch einheimische und regelrechte Bestandteile zu ersetzen. Solches ganz gerechtfertigte, selbst notwendige Bemühen erfordert gründliche Sprachkenntnis, gesundes Urteil und geläuterten Geschmack, wenn es nicht in Übertreibung verfallen und zum Purismus werden soll. Von den heimischen Ausdrücken sind nur die Mißbildungen unbedingt zu verwerfen, welche gegen die Sprachgesetze oder den Sprachgebrauch verstoßen, während man gegen landschaftliche und veraltete Ausdrücke (Provinzialismen oder Idiotismen und Archaismen), die nicht an sich fehlerhaft sind, mit großer Vorsicht verfahren muß, da diese, mit Einsicht und Geschick verwendet, sogar zur Bereicherung und Erfrischung der gebildeten Umgangs⸗ und der Schriftsprache dienen können. Von den Fremdwörtern (s. d.) sind diejenigen als vollberechtigt zu erachten, welche in die Laut⸗ und Bildungsgesetze der einheimischen Sprache eingegangen (z. B. Meister (magister!, Pforte, Fenster, Schule, Pfund u. dgl.). Geduldet aber müssen dieienigen Fremdwörter werden, für deren Begriffe in dem einheimischen Sprachschatze geeignete Ausdrücke weder vorhanden sind, noch aus demselben zweckmäßig gebildet werden können (3. B. Organismus, Kultur, Religion u. dgl.). Mit bewußter Absicht begann in Deutschland zuerst die S. im Anfange des 17. Jahrh., als im Zusammendie e mit den polit. und konfessionellen Zuständen ie Kraft des Volks gesunken und das nationale Bewußtsein erschlafft war, sodaß Ausländerei und Modesucht die Oberhand gewannen und auch eine klägliche Versumpfung und widerliche Entstellung der Sprache nach sich zogen. Der Aufgabe unterzogen sich sowohl Gesellschaften als einzelne Männer. Unter jenen stand nach Alter und Wirksamkeit obenan die 1617 gestiftete Fruchtbringende Ge-Rüldaft, und ihre beiden Hauptvertreter in dieser ichtung waren der hallesche Rektor Christian Gueinz (1592— 1650) und der braunschw. Rat Just Georg Schottel (1612—76), beide durch Schriften erfolgreich wirkend, jener mehr für das Bedürfnis der Schule, dieser mehr durch Werke gelehrter Forschung. Unter den Einzelnen zeichnete sich besonders aus Philipp von Zesen, 1619—89, der bei umfassenden Kenntnissen durch Gewandtheit und große Fruchtbarkeit eine verhältnismäßig bedeutende Wirksamkeit erreichte. Vermochte aber dieser selbst schon Übertreibung nicht zu vermeiden, so verfielen seine Nachahmer und die Deutschgesinnte Genossenschaft oder Rosengesellschaft, eine für den Hauptzweck der S. 1643 von ihm zu Hamburg gestiftete Sprachgesellschaft, in tadelnswerten Purismus. Leibniz, der ein klares Bewußtsein hatte von der Fülle, Macht und Fähigkeit der deutschen Sprache, erkannte zuerst den Grund, weshalb alle jene gutgemeinten Bestrebungen im wesentlichen doch nur so wenig fruchteten. (Vgl. seine «Unvorgreiflichen Gedanken, betreffend die Ausübung und Verbesserung der deutschen Sprachev, geschrieben 1697, zuerst gedruckt 1717, und seine „Ermahnung an die Teutschen, ihren Verstand und Sprache besser zu übeno, herausg. von Grotefend, Hannov. 1846.) Es fehlten nämlich Werke, die mit Streben nach einer reinen und edeln Form auch gediegenen Inhalt verbanden. Sobald solche auf den religiösen und wissenschaftlichen Gebieten erschienen, erhob sich auch die Sprache, zwar langsam, aber sicher, aus ihrer tiefen Erniedrigung und gedieh gegen Ende des 18. Jahrh. zu ihrer höchsten Vollendung. Die großen Schriftsteller waren es, welche die Erhebung und mit dieser zugleich auch die Reinigun der Sprache bewirkt hatten. Gleichwohl war au neben ihnen eine besondere, ausdrücklich auf S. gerichtete Thätigkeit nicht überflüssig und wurde am tüchtigsten durch Campe und K. W. Kolbe geübt, während Wolke wieder übertreibend in Purismus verfiel. In neuester Zeit verfolgte Max Moltke in seiner Zeitschrift Deutscher Sprachwarte (1857 fg.) auf Reinhaltung der Sprache gerichtete Tendenzen. Zu erwähnen ist noch das Bestreben des deutschen Generalpostmeisters von Stephan, den größten Teil der auf postalischem Gebiete gebräuchlichen Fremdwörter durch deutsche Ausdrücke zu ersetzen.