FeedSprachgebrauch
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sprachgebrauch ist der populäre Ausdruck für das, was die Wissenschaft Sprachregel oder besser „Sprachgesetz nennt. Da die Bildung der Laute und Formen einer Sprache und deren Verwendung Lim Satze nicht von der Willkür eines Einzelnen abhängt, sondern nach bestimmten, in einer größern Gemeinschaft oder einem ganzen Volke diesem selbst „unbewußt wirkenden Gesetzen vor sich geht, so fällt, wo ohne Bewußtsein grammatischer Regeln gesprochen wird, z. B. bei Völkern, die keine Litteratur besitzen, der S. mit den natürlichen Entwickelungsgesetzen zusammen. Wo aber mit Bewußtsein Anwendung der in ihr vorhandenen Analogien „Formen und Gebrauchsweisen gebildet werden, die zwar den natürlichen Gesetzen der Sprache zuwiderlaufen, jedoch, z. B. durch die Autorität eines vielgelesenen Schriftstellers, in den allgemeinen Gebrauch übergehen; oder es werden Formen und Aussprachsweisen, die in einem Dialekt richtig sind, einen andern herübergenommen, dessen Gesetzen sie widersprechen, z. B. niederdeutsche Worte ins Hochdeutsche, und umgekehrt. Sagt man von solchen Fällen, der S. habe sie sanktioniert, so bezeichnet dies nur eine Gewohnheit aller oder vieler.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 102Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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