Staubgefäße stehen. Besonders häufig kommen S. in den weiblichen Blüten dikliner, d. h. eingeschlechtiger Pflanzen vor, wo sie dann zwischen den Perianthblättern und den Fruchtknoten oder Griffeln sitzen, aber durch ihren Mangel an Pollen keine Befruchtung bewirken können. Stamm nennt man in der Botanik jedes Organ der höhern Pflanzen, welches Blätter trägt oder doch wenigstens die Fähigkeit besitzt, an seinem fortwachsenden Scheitel, dem sog. Vegetationspunkte, Blattorgane zu bilden. Im gewöhnlichen Leben bezeichnet man mit dem Worte S. meist nur die dicken Hauptachsen der baumartigen Gewächse im Gegensatze zu den Zweigen und Asten. Im botan. Sinne gehören die letztern beiden natürlich Soden ua unter den Begriff S., ebenso wie die im zoden wachsenden Achsenorgane, die sog. Rhizome. Stamm heißt in der Sprachwissenschaft der Teil des Wortes, welcher übrigbleibt, wenn man (von einem Namen) die Deklinations⸗(Casus⸗) Endungen, (von einem Verbum) die Personalendungen abschneidet, z. B. im lat. lectus (gelesen) — älterm lectos ist lecto- der S., s die Nominativendung des Masculinums, in est ist es- der S., t das Suffix der dritten Person des Singular. Der S. ist entweder gleich der Wurzel, z. B. es- in est, oder aus der Wurzel durch ein Suffix (s. d.) gebildet, z. B. im S. lecto- ist leg. die Wurzel (vgl. lego ich lese), ⸗to-das Suffix des Participii perfecti passivi. Ist ein S. unmittelbar aus der Wurzel abgeleitet, so heißt er primär, wird aus einem primären S. durch Hinzufügung weiterer Suffixe ein neuer S. abgeleitet, so heißt dieser sekundär, z. B. lat. lectita- (S. des Verbums lectitare wiederholt lesen) abgeleitet von lecto-. Gleichbedeutend mit S. wird Themay gebraucht. Die Lehre von den Stämmen und ihrer Bildung nennt man Stammbildungs⸗ (weniger richtig Wortbildungs— Lehre. Stammaktien, s. unter Aktie und Aktiengesellschaft. Stammbaum (stemma) ist die bildliche Darstellung des zwischen verschiedenen Personen bestehenden verwandtschaftlichen Verhältnisses. (S. unter Genealogie.) Sie ist nach röm. Weise so zu fertigen, da man die Personen in kleine Kreise ein fügt, den gemeinschaftlichen Stammvater obenan, die Abkömmlinge je nach der Entfernung in erster, zweiter, dritter Stufe u. s. f. unter ihn stellt und diese auf⸗, resp. abwärts durch kleine, nur die unmittelbare kindschaftliche Beziel ung andeutende Linien miteinander verbindet. Vei einer künstle-l rischen Ausführung wird dieser Aufriß umgekehrt und dergestalt in die Zeichnung eines Baumes (daher der Name S.) eingetragen, daß der Ahnherr als truncus an die Wurzel des Stammes zu sitzen kommt, und seine Descendenten, deren Namen oder Abbilder die Aste des Baumes in parallelen Horizontallinien einnehmen, bis zur Krone hinaufreichen. (S. Stammtafel.) Iregister. Stammbäume der Juden, s. Geschlechts— Stammbildung, s. Ableitung (grammat.). Stammbuch oder auch Album (s. d.) wird ein Buch genannt, welches dazu bestimmt ist, daß Freunde oder Bekannte des Besitzers ihren Namen in dasselbe eigenhändig einschreiben, nunter Hinzufügung eines Denkspruchs, oder au reiner Handzeichnung, eines Wappens oder andern Erinnerungszeichens. Die Sitte, Stammbücher zu führen, nahm besonders seit dem Anfange des 16. Jahrh. überhand. Im 16. und 17. Jahrh. pflegten namentlich auch reisende Gelehrte und Edelleute ihre Stammbücher oder „Gesellenbücherv den Fach⸗ und Standesgenossen, sowie Studenten ihren Professoren und Kommilitonen zur Einzeichnung vorzulegen, sodaß Stammbücher aus jener Zeit (wie z. B. das S. des Herzogs Philipp II. von Pommern) häufig einen bedeutendern Wert für Autographensammler, Heraldiker und zuweilen wegen ihrer Miniaturen selbst für Kunstfreunde haben. Auch für Kultur⸗ und Litteraturgeschichte gewähren Stammbücher einige Ausbeute. Eine reiche Sammlung von Stammbüchern besitzt die großherzogl. Bibliothek zu Weimar. Vgl. Rich. und Rob. Keil, «Geschichte des Jenaischen Studentenlebenso (Lpz. 1858); Friedländer, Von Stammbüchern und Rebus » (Berl. 1855); Radicz, «über drei alte Stammbücher des Laybacher Museumso (Wien 1861). Stammeln und Stottern sind Ausdrücke, welche im gemeinen Leben häufig irrtümlich als gleichbedeutend gebraucht werden, aber zwei wohl unterschiedene Klassen von Sprachfehlern bezeichnen. Stammeln (balbuties, dysarthria literalis) Ipen das Unvermögen, einzelne oder mehrere zuammenhängende Laute richtig auszusprechen oder zu artikulieren. Je größer die Anzahl dieser Laute ist, desto mehr leidet die Sprache dabei, und während der niedrigste Grad des Stammelns, das sog. Anstoßen mit der Zunge, kaum auffällt, ist der höchste, das Lallen (lallatio), kaum noch Sprechen zu nennen. In vielen dieser Fälle können namentlich die Konsonanten und unter diesen wieder das sir undl gar nicht oder nur mit Anstrengung richtig ausgesprochen werden. Die Ursache dieses Sprachfehlers liegt häufig in organischen Abnormitäten der Sprachwerkzeuge, z. B. Hasenscharte, Zapschens, eileun der im Gaumen, Mangel des Jungeubän Fehlern der Zähne, der Zunge, des Zungenhändchens oder Geschwüren und Geschwülsten in der Mund⸗ und Rachenhöhle, bisweilen auch in unrichtigem Gebrauche der genannten Organe, durch Schwäche, Lähmung und Krampf infolge allgemeiner Nervenkrankheiten, Anomalien im Gehirn oder Rückenmark, oder lediglich durch Nachahmung und daraus folgender Angewöhnung bedingt. Dazu geneigt ist das Kindes⸗ und Greisen-H aus leicht begreiflichen Gründen, allein auch à9weres Gehör und Geistesschwäche geben eine Disposition dazu. Überhaupt aber üben die Ausbildung der Sprachorgane, soweit sie von dem Menschen selbst abhängt, das Temperament, die Verschiedenheit des geistigen Lebens und das Beispiel der Eltern und Erzieher einen sehr bedeutenden Einfluß auf die Entwickelung der Sprache aus. Je nach der Möglichkeit, die entferntern Ursachen des