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HeilkundeBrockhaus 1882

Blatt ist im gewöhnlichen Leben die Bezeichnung für jede seitliche, an Stämmen, Asten oder Zweigen angeheftet erscheinende Auszweigung, welche flächenförmig ausgebildet und dabei meist grün gefärbt ist. In der wissenschaftlichen Botanik genügt jedoch eine derartige oberflächliche Definition nicht, denn nicht die flächenförmige Ausbildung, noch auch die grüne Farbe können entscheidende Merkmale für die Zuzechnung eines Organs zu dem Begriffe B. sein. Da zwischen B. und Stamm sowohl anatomisch wie physiologisch alle nur denkbaren Übergänge vorkommen, so muß man die charakteristischen Merkmale, welche es ermöglichen sollen, beide Begriffe auseinander zu halten, auf einem andern Gebiete uchen. Die rein wissenschaftliche Definition des Begriffes Blatt bietet deshalb manche Schwierigzeiten dar, und es ist selbst in neuester Zeit noch oft als eine Streitfrage unter den Botanikern angesehen worden, ob irgend ein Organ als B. oder als etwas anderes zu betrachten sei. Es ist aber trotzdem wohl möglich, eine vollständige befriedigende und auch gerechtfertigte Definition des Begriffes B. zu geben, wenn man gänzlich von anatom. und ph fiol Eigenschaften der betreffenden Organe ab10 und nur Rücksicht auf die Beziehungen nimmt, in denen die seitlichen Auszweigungen zu den Achsen, an welche sie angeheftet sind, stehen. Demnach sind nur solche Organe als Blätter zu bezeichnen, welche stets seitlich an den zugehörigen Achsen stehen und nicht im Stande sind, wiederum Auszweigungen, außer — (. Haare), zu erzeugen. Zu den Blättern in diesem Sinne Lehen nun viele Organe, die man im gewöhnlichen Leben nicht zu den Blättern rechnet, so unter andern die Staubgefäße, die Stempel. Blätter besitzen die Moose, Gefäßkryptogamen und sämtliche Phanerogamen; auch unter den Algen gibt es eine Familie, denen, gemäß der obigen Definition, Blätter zukommen, es sind dies die Florideen. (Das Nähere hierüber s. unter dem Artikel Florideen.) Je nach der Stellung der Blätter unterscheidet man zunächst Niederblätter, Laubblätter und Hochblätter. Unter Niederblättern versteht man solche, die an unterirdischen oder Inehreschnppe Achsen auftreten und gewöhnlich mehr schuppenförmig ausgebildet sind; als Laubblätter bezeichnet man Achsen set Blattorgane, welche an oberirdischen Achsen stehen und eine vorzugsweise flächenförmige Gestalt besitzen, mit Ausnahme derjenigen, welche an der Zusammensetzung der Blüten und Blütenstände teilnehmen; die letztern faßt man unter dem Namen Hochblätter zusammen. Demgemäß spricht man bei einer blättertragenden Pflanze auch oft von einer Niederblatt⸗, Laubblatt⸗ und Hochblattregion. (Das Nähere über Hochblätter s. unter Blüten und Blütenstände.) Für die Ernä rung und somit für das ganze Leben der Pflanze haben die Laubblätter die größte Wichtigkeit, zu ihnen sind auch fast alle diejenigen Bildungen zu rechnen, die man im gewöhnlichen Leben als Blätter bezeich net. Die Laubblätter sind in den meisten Fällen grün gefürbt, sie führen also Chlorophyll (s. d.), und sind infolge dessen m Waf zu assimilieren, d. h. aus Kohlensäure und Wasser die für die Vflanze notwendigen ssoblentosfverbindungen zu bilden. (S. unter Assimilation, physiologisch.) Sie sind deshakb auch bei den meisten Pflanzen als der eigentliche Assimi ationsherd anzusehen; ihre flächenförmige Gestalt bietet zudem den Vorteil, möglichst viele grüngefärbte Zellen dem Lichte auszusetzen, und dies it für die Pflanze von Bebeuch ichtigkeit, da nur bei ziemlich kräftiger Beleuchtung eine lebhafte Assimilation erzielt werden kann. Nur in Funktion der Laubblätter, die Ausbildung der letztern ist dann nur eine beschränkte oder sie unterbleibt ganz, wie z. B. bei den Kaktusarten. Umgekehrt übernehmen auch in manchen —— Gebilde, die morphologisch als Blätter zu bezeichnen sind, Funktionen, welche sonst den Stammachsen überlassen werden; so finden sich z. B. bei einigen Pflanzen Ranken, welche in den Stellungsverhältnissen vollständig mit den Blättern übereinstimmen und folglich auch zu diesen zu rechnen sind, obwohl ihre Gestalt eine ganz andere 1 (S. Blattranken.) Die Blätter werden stets an den jüngsten Partien der Stammachsen, an den sog. Vegetationskegeln, angelegt, als wenig zellige seitliche n Blattunlanen und zwar stets so, daß die jüngsten Blattanlagen dem Scheitel des Vegetationskegels am nächsten liegen. Man bezeichnet als Reihenfolge der Entstehung seitlicher Organe als akropetale; es 15 gerade für die Blattorgane Smmnhet daß sie stets streng akropetal an den Stammachsen hervortreten. Das weitere Wachstum der Blätter findet in der Weise statt, daß durch lebhafte Zellteilungen allmählich die künftige Form des B.s erzeugt wird, worauf dann zuerst, wenigstens bei den Phanerogamen, das Wachstum an der Spitze erlischt, während die der Anheftungsstelle zugekehrten Teile noch lange Zeit unen an den N. bleiben. Am besten ist dies zu erkennen an den Monokotylen, z. B. an den lilienartigen Gewächsen; hier sind die Spitzen der Blätter bereits vollkommen fertig ausgebildet, während die Basalteile sich noch im meristematischen Zustande befinden. Anders ist es bei den höhern Kryptogamen; hier erlischt das Wachstum zuerst an der Basis und dauert an der Spitze so lne noch fort, bis das Blatt vollständig ausgebildet ist. „Die Stellung der Blätter an den Stammachsen ist eine sehr mannigfaltige, aber in den meisten Fällen eine regelmäßige. an unterscheidet dabei verschiedene Typen; wenn zwei Blätter auf derselben Höhe des Stengels gegenüberstehen, so heißen sie gegenständig (folia opposita), wenn zwei solcher olgen, sich kreuzen (folia decussata), so bezeichnet man diese Blattstellung als dekussiert, wenn mehrere Blätter auf derselben Höhe des Stengels stehen, so e man von einer Quirl-oder Wirtelstellung (olia verticillata). Zwei aufeinander folgende Blätter, welche einander gegenüberstehen, aber nicht in derselben Höhe des Stengels inseriert sind, heißen wechselständig (folia alterna); ist keine dieser eben aufgezählten Beziehungen zwischen den einzelnen Blättern vorhanden, so spricht man von zerstreuter (folia sparsa) oder auch spiraliger Anordnung, mit der letztern hat sich hauptsächlich die Lehre von Blattstellung oder die Phyllotaxie beschäftigt. (Räheres s. unter Blattsteblun 9 „An jedem Blatte unterscheidet man einen fachenförmig ausgebreiteten Teil als Blattspreite und einen stilartig zusammengezogenen Teil, mit dem das Blatt an der Stammachse festsitzt, als Blattstiel. Ist der letztere so ausgebildet, daß er auf eine längere oder kürzere Strecke den Stengel Biatticher umschließt, so spricht man von einer lattscheide. Die meisten Laubblätter besitzen einen Blattstiel und eine Blattspreite, doch ist auch in vielen Fällen, hauptsächlich in der Rer 8 der Monokotylen, eine ue gchen ha ausgebildet. Blattstiel und Blattspreite gehen sehr oft allmahlich ineinander über, sodaß man eine genaue Grenze bei-Blattteile nicht angeben kann. Fehlt der Blattiel gänzlich, so wird das B. sitzend (sessile), ist er agegen vorhanden, gestielt (petiolatum) genannt. Ebenso wie der Blattstiel fehlen kann, ist auch ein Fehlen der Blattspreite möglich; in diesem Falle ist dann nur der Blattstiel vorhanden und gewöhnlich flächenartig ausgebreitet, wie z. B. bei manchen Acacia-Arten. Solche blattspreitenartig ausgebildete Blattstiele bezeichnet man mit Phyllodien. Ist das B. ein sitzendes, so kann es entweder einfach angewachsen sein, oder es kann mit den Lappen des eingeschnittenen Blattrandes den Stengel umschließen und wird dann umfassend (amplexicaule) genannt, oder es kann den Stengel völlig umgeben, und heißt dann durchwachsen (perfoliatum), oder — kann es flügelartig eine Strecke am Stengel herablaufen, in welchem Falle es als herablaufend (decurrens) bezeichnet wird. Die Form der Blätter und die Art und Weise, wie sie am Stengel ansitzen, sind für die systematische Unterscheidung der einzelnen Pflanzenarten von großer Wichtigkeit und es hat sich infolge dessen in der Botanik betreffs der Blattformen eine sehr reichhaltige Terminologie eingebürgert, von deren zahlreichen Benennungen hier nur die wichtigsten Platz finden können. Die Blattspreite wird einfach (simplex) genannt, wenn alle Teile derselben zufammenhängen und etwaige Einschnitte nicht ganz bis zum Mittelnerven oder an den Blattgrund gehen, es heißt dagegen zusammengesetzt (compositum), wenn die gesamte Blattspreite in einzelne Teile zerfällt, die nur durch stielartige Partien zusammengehalten werden, die einzelnen Teile nennt man in diesem Falle Blättchen (koliola). Die einfachen Blätter werden nun wiederum nach der Ausbildung des Blattrandes in zahlreiche Formen eingeteilt. Sie sind entweder ganzrandig (integerrimum, s. Tafel: Blatt, Fig. 1), gesägt (serratum, Fig. 2), gezähnt (dentatum, Fig. 3), gekerbt (erenatum, Fig. 4), ausgeschweift (repandum, Fig. 5), buchtig (sinuatum, Fig. 6), ausgefressen (erosum, Fig. 7), oder es können Kombinationen zwischen zweien dieser Formen auftreten, wie z. B. 845 8.8 wiode (dentato-serratum), wo jeder Zacken des B.s wiederum auf irgend eine Weise seicht ein⸗ . ist, oder es kann ferner auch jeder einzelne Zacken wiederum auf dieselbe Weise wie der 9. lattrand eingeschnitten sein, man spricht dann von doppelt gezähnt (duplicato-dentatum), oppelt gesägt (duplicato-serratum, Fig. 8) u. s. w. Whesehen von dieser äußerst mannigfaltigen Ausbildung des Blattrandes werden die einfachen Blätter noch nach den äußern Umrissen ihrer Blattspreite charakterisiert; man unterscheidet lineale (ineare, Fig. 9), + — anceolatum, Fig. 10), spatelförmige (spathulatum, Fig. 11), Cennornms, LCordatum, Fig. 12), nierenförmige (reniforme, Fig. 13), eiförmige (oratum, Fig. 14), umgekehrt eiförmige (obovatum, Fig. 15), pfeilförmige (sagittatum, Fig. 16), spießförmige (hastatum, Fig. 17), schildförmige (peltatum, Fig. 18), schrotsägeförmige (runcinatum, 19). Wenn die Einschnitte nicht sehr weit in die Blattspreite hineingehen, so werden die Blätter gelappt (lobatum) genannt, und zwar ie nach der Anzahl der Lappen dreilappig (Fig. 20), vierlappig, fünflappig u. s. w. Gehen die Einschnitte dagegen tiefer in das B. hinein, fast bis an den Mittelnerven oder an den Blattgrund, so heißen sie geteilt (partitum) und man unterscheidet dann fiederförmige (pinnati-partitum, Fig. 21⁴). Pbenige upee (palmati-partitum, Fig. 21b), fußörmige (pedati-partitum, Fig. 216), leierförmige (Iyrati-partitum, Fig. 21d) Teilung. Bei den zusammengesetzten Blättern herrscht ebenfalls eine große en irahng von e in den Formen ehen die Blättchen strahlig von einem Punkte aus, o nennt man die Blätter je nach der Anzahl und der Anordnung der Blättchen zweizählig (binatum), dreizählig (ternatum, Fig. 24), vierzählig (auaternatum), gefingert (digitatum), handförmig (palmatum, Fig. 25) oder fußförmig (pedatum, Fig. 26 eteilt. Stehen dagegen die Blättchen nicht krahig, sondern der Länge nach an einer Spindel, und war beiderseits, entweder gegenständig oder wechselständig, so nennt man das B. gefiedert (pinnatum) und unterscheidet wieder, je nachdem am Ende der Spindel ein Blättchen vorhanden ist oder nicht, unpaarig gefiederte (impari-pinnatum, Fig. 23 und paarig gefiederte (pari-pinnatum, Fig. 22 Blätter, oft ist das endständige Blättchen an einer Ranke ausgebildet und man spricht dann von einem rankig gefiederten (eirrhose-pinnatum) B. Zwischen den verschiedenen Arten der einfach zusammengesetzten Blätter kommen nun die verschiedenartigsten Kombinationen vor; denn wenn mehrere mele usammengesetzte Blätter an einem Blattstiele 1When, so sind sie als ein einziges und zwar als ein doppelt zusammengesetztes B. (decompositum) anzusehen; in demselben Sinne kann man ferner von einer dreifachen (upradecompositum u. s. w. Zusammensetzung sprechen. Man hat demnach zu unterscheiden doppelt, dreifach u. s. w. zweizählige (bi- trigeminatum), dreizählige (bi- triternatum) u. s. w. Blätter, doppelt, 1. 300 u. s. w. efiederte (bi- tripinnatum) Blätter. Fig. 27—29 tellen einige Formen doppelt zusammengesetzter Blätter dar. Es ist aus diesen wenigen Angaben fal ersichtlich, welche außerordentliche Mannigaltigkeit in der Ausbildung der Blätter herrschen kann und in der Natur auch wirklich vorhanden ist. Außerdem gibt es nun noch eine 98105 Reihe Blattformen von ganz eigenartiger Ausbildung, zunächst die stielrunden, pfriemförmigen u. a., an denen eine Grenze zwischen Blattspreite und Blattstiel nicht zu ziehen ist, sodann Blätter mit gitterartiger Durchlöcherung, wie z. B. bei Philodendron pertusum, Ouvirandra fenestralis. Ferner die Blätter mancher sog. fleischfressender Pflanzen, die kannenförmig ausgebildet sind, so diejenigen der Gattunen Sarracenia, Darlingtonia, Nepenthes, die schlauchförmigen untergetauchten Blätter von Otricularia. (S. Fleischfressende Pflanzen.) An der Stelle, wo die Blätter am Stengel ansitzen, kommen oft noch Gebilde vor, die ebenfalls für die Hlichtrakeitf Unterscheidung der Arten von großer Wichtigkeit sind. Es sind dies sog. Scheiden (Vagina) oder auch Tuten (Ochrea) und die Nebenblätter (Stipulae). In den meisten Fällen geht der Blattstiel von dem Punkte seiner Insertion aus frei von dem Stamme ab, oft aber schließt er auch erst den Stengel — längere oder kürzere Strecken vollständig cylindrisch ein und bildet erst dann die eigentliche Blattspreite. So ist es bei sehr vielen Monokotylen, z. B. bei den Gräsern, wo in jugendlichen Zuständen der Stengel vollkommen von jenen cylindrisch ausgebildeten Blattstielen, die man als Scheiden ber den eingehüllt ist. Bei einigen Pflanzen, z. B. bei den Arten der Gattung Polygonum erhebt sich ein ähnliches cylindrisches Gebilde über der Insertionsstelle des Blattes, ebenfalls auf eine kürzere Strecke den Stengel umschließend (Fig. 32 u. 33); ein solches scheidenartiges Gebilde, das ebenfalls als ein Teil des Blattes nier 2 ist, nennt man Blatt-Tute. Unter Nebenblättern versteht man kleine blattartige Anhängsel, die an der Insertionsstelle der Blätter am Stengel bei manchen Pflanzen auftreten, sie stehen gewöhnlich paarig zu der Mittellinie des betreffenden Blattes und sind von sehr ver-Ihten von mer Form. In Fig. 30 u. 31 sind zwei Arten von Nebenblättern dargestellt. Solche Nebenblätter kommen oft vor in der Familie der Schmetterlingsblütler, z. B. bei den Wicken. Hinsichtlich ihrer Lebensdauer sind die Blätter entweder einjährig, wenn sie nach der alljährlichen Wachstumsperiode abfallen, wie dies bei den meisten in den kältern Teilen der Erde einheimischen Pflanzen geschieht, oder sie sind ausdauernd und immergrün wie z. B. diejenigen des Epheu, der meisten Nadelhölzer und sehr vieler, den wärmern Gegenden angehörigen Pflanzen. er anatomische Bau der Blätter ist je nach den Pflanzenfamilien ein sehr verschiedener. Bei den Moosen, wo die Differenzierung von B. und Stamm überhaupt erst beginnt, ist die Ausbildung der Blätter eine sehr einfache, sie bestehen meist aus einer einzigen Zellschicht, deren Zellen Chlorophyll I Ahnlich ist es auch noch bei einigen Gefäßkryptogamen, z. B. bei vielen Hymenophylleen (. d.); bei den höhern Gefäßkryptogamen dagegen bestehen die Blätter stets aus mehrern Zellschichten, sie besitzen auf beiden Seiten eine wohl ausgeprägte Cpidermis (s. d.) und in der Mitte mehrere Schich-Ebenso sind die Blätter der Phanerogamen aus mehrern Zellschichten zusammengesetzt, von denen die am weitesten nach außen liegenden als Epidermis ausgebildet sind und in den allermeisten Fällen kein Chlorophyll enthalten. Im Innern der Blätter liegen die assimilierenden Zellen, die ewöhnlich nach ihrer Gestalt in zwei Gruppen aerfallen, die einen bilden das sog. Palissadenparenchym (Fig. 34), weil ihre Form eine prismatische ist und sie ziem 1 dicht aneinander schließen, die andern daegen lassen große Lufträume zwischen sich, sog. Intercellularräume, und haben eine mehr herklü tete Gestalt; die Gewebepartie, welche sich aus diesen letztern Zellen zusammensetzt, heißt das Schwammnarenchym (Fig. 348). ann man an einem B. Ober⸗ und Unterseite unterscheiden, d. h. ist die eine dem Licht zugekehrte Seite anders ausgebildet wie die andere dem Lichte abgewendete, so liegt stets das Palissadenparenchym direkt unter der Epidermis der Oberseite, das Schwammparenchym dagegen unter derjenigen der Unterseite. Dies hat darin seinen Grund, weil das Palissadenparenchym als der Hauptherd der Assimilationsthätigkeit dient und somit der günstigsten Beleuchtung ausgesetzt sein muß, während das Schwammparenchym, das viambge seines Chlorophyllgehalts immerhin'noch als assimilierendes Gewebe zu betrachten ist, außerdem aber auch in hervorragender Weise für andere Zwecke in Anspruch genommen wird, bei weniger intensiver Beleuchtung fungieren kann. Dazu kommt noch, daß bei derartigen Blättern, wo Ober- und Unterseite unterschieden ist, die sog. Spaltöffnungen (s. d.), welche vorzugsweise der Atmung und Transpiration dienen, fast ausschließlich auf der Unterseite 4 finden und somit in unmittelbarer Nähe des Schwammparenchyms mit seinen großen Beifpiel des anatan liegen. In Fig. 34 ist als Beispiel des anatomischen Baues as B. der Buche im Querschnitt dargestellt; die Schicht p ist das Palissadenparenchym, s das Schwammparenchym, o und u die obere und untere Epidermis, a eine in der letztern befindliche Spaltöffnung. Außer diesen beiden grünen Geweben durchziehen nun die Blattfläche noch sog. Gefäß⸗ oder Leitbündel, die für die Zuleitung der zur Funktion des B.s nötigen Stoffe und Atön auch für die Ableitung der durch die Assimilation gebildeten Stoffe sorgen. Mit diesen Leitbündeln zusammen verlaufen in den meisten Fällen auch diejenigen Stränge von Bastzellen oder mechan. Zellen, welche dem B. die nötige Festigkeit geben und gewissermaßen als das Skelett derselben anzusehen +* Da diese kombinierten Leit⸗ und Bastbündel kein Chlorophyll führen, so ist das B. an den Stellen, wo jene liegen, mehr durchscheinend wie an den übrigen Stellen, und da außerdem jene Bündel etwas dicker sind als die Blattfläche, so treten sie als sog. Nerven oder Adern deutlich hervor. Das ganze System dieser Bündel bezeichnet man als die Nervatur des B.s, die verschiedenartige Ausbildung derselben bei den einzelnen Pflanzenfamilien ist oft von großer Wichtigkeit bei systematischen Unterscheidungen, die sich auf Blattabdrücke in den Gesteinen beziehen, da an derartigen Abdrücken die Nervatur meist sehr deutlich erhalten ist. (Das Nähere über die Anordnung der Nerven s. unter Blattnervatur.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 132Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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