Station der Linie München-Peissenberg der Bayrischen Staatsbahnen, mit 1774 E., deren Zahl sich im Sommer durch die Eigentümer und Gäste der schmucken Villen und Pensionen verdreifacht, hat eine kath. und eine prot. Kirche, eine Fortbildungsschule und eine Badeanstalt im See. S. kommt als Burg schon im 13. Jahrh. vor und war im 17. Jahrh. Zeuge glänzender Feste der Bayernfürsten. Im alten chlosse ist der Sitz des Amtsgerichts, Forst⸗ und Rentamtes, auf dem gegenüberliegenden Hügel die Grabeshalle des Prinzen Karl von Bayern. Der Starnbergersee, auch Würmsee genannt, liegt 579 müber dem Meere, ist 20 Kkm lang, 5 kmbreit, bis zu 250 m tief, umfaßt eine Fläche von 55 qkm, und wird von drei Dampfbooten, worunter zwei elegante Salondampfer, befahren. In fast ununterbrochener Kette reihen sich die anmutigen Landhäuser von S. an jene von Pöcking (dort auch ein Besitztum des Ministerpräsidenten von Lutz), Possenhofen (s. d.), gabeth von (Lieblingsaufenthalt der Kaiserin Elisabeth von Osterreich, mit dem schönsten Ausblick über den See in die ganze bayr. Alpenkette von der Zugseite bis zum Watzmann und Untersberg), Garatshausen, wo die Schwestern der Kaiserin, die Erbprinzessin Helene von Thurn und Taxis und die Königin Marie von Neapel, ihre Sommerfrische halten, und Tutzing (s. d.). Der sog. Karpfenwinkel bildet hier eine starke Ausbuchtung, welche Tutzing von Bernried, dem Gutssitze des Freiherrn von Wendland, trennt, wo der städtische Charakter der bisher genannten Orte dem ländlichen weicht. Ein ausgedehnter Park mit herrlichen alten Eichen und Buchen führt nach dem vormals von der Pfordtenschen Gute Seeseiten. Die Südspitze des Sees ist von dem Dorfe Seeshaupt am Einflusse der Würm umbaut, von wo das waldige Ostufer nach der Wallfahrt Sankt Heinrich, dem Fischerdorfe Ambach, dem gräfl. Poccischen Landgute Amerland, dem gräfl. Rambaldischen Almannshausen und dem kleinen Leo ni führt, über welchem die Rottmannshöhe, ein Lieblingsplatz des Landschaftmalers Rottmann, jetzt ein gutes Gasthaus, thront, dessen weite und reizende Umschau mit jener des gegenüberliegenden Feldafing wetteifert. Nahe an Leoni liegt das kleine Dorf Berg und das stille Schlößchen Berg mit schönem Park, das König Ludwig II. in den ersten Sommerwochen oft bewohnte und in dessen Nähe er 13. Juni 1886 den Tod im See suchte und fand; unfern der Nordspitze und des Ausflusses der Würm liegt Leutstetten, die Musterwirtschaft des Prinzen Ludwig von Bayern mit prächtigem Viehstand, Mol-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV. kerei, Brennerei etc. Der See bildet die Grenzscheide zwischen dem Erzbistum München-Freising und dem Bistum Augsburg und ist im Sommer von Fahrzeugen aller Arten ungemein belebt, im Winter häufig vollständig mit Eis bedeckt, auf dem die „Schlittschuhläufer aus München und Augsburg sich zum fröhlichen Wettlaufe einigen. Unter den vielen Fischen mannigfaltiger Gattung sind die Renken am zahlreichsten vertreten. Bei Tutzing liegt die einzige Insel des Sees, die Roseninsel mit kleinem Schlosse, prächtigen Rosengärten und vielfachen Pfahlbauspuren. Vgl. Westenrieder, Beschreibung des Würm⸗ oder Stahrenbergerseesv (Münch. 1783), „Beschreibung des Starenberger Sees, seiner Ufer und Umgebungen» (Münch. 1837); Horst, „Der Starnberger Seer (Münch. 1877); Schab, „Die Pfahlbauten im Würmseer (Münch. 1876). Starobjelsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, am Aidar, mit (1883) 7913 E., treibt ansehnlichen Handel mit Weizen, Roggen und Talg. Auf den drei Jahrmärkten werden durchschnittlich für 150000 Rubel Rinder verkauft. Starodub, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tschernigow, 190 km nordöstlich von Tschernigow, mit (1880) 23 889 E., darunter 4000 Juden, hat ausgedehnten Gartenbau und bedeutenden Handel mit Flachs und Getreide. Starokonstantinow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Volhynien am Slutsch, mit (1884) 17978 E., darunter 9100 Juden, treibt bedeutenden Handel. Nach Odessa und über die österreichische Grenze gehen große Quantitäten Getreide; nach Polen und Preußen Rinder⸗ und Schweineherden; außerdem setzt S. jährlich 5—600000 Pud Salz um. Starosta (Uaw.), der Alteste, Senior, das Haupt der Familie; in Böhmen der Bürgermeister, Vorstand von Vereinen; in Polen s. Starosten. Starosten (d. i. Alteste, lat. Capitanei) hießen in Polen Edelleute, welche zu den Landeswürdenträgern gehörten und vom Könige eins der königl. Güter, die in den frühern Zeiten den Königen zu ihrem Unterhalt (zur mensa regia) angewiesen worden waren, durch Schenkung, Verkauf oder Verpfändung, zum Teil auch für Verdienste um den Staat auf Lebenszeit in Lehn erhalten hatten. Diese Güter waren die Starosteien, die der König auch beim Absterben des zeitigen Inhabers nicht einziehen durfte, sondern einem andern verleihen mußte. Viele S. hatten die Gerichtsbarkeit in einem gewissen Kreise und konnten über peinliche Sachen und persönliche Klagen der Edelleute entscheiden (Starosteigerichte); andere genossen bloß die Einkünfte der ihnen verliehenen Güter. Staro-Tscherkask, s. u. Nowo-Tscherkask. Starowerzen, soviel wie Raskolniken Starrkrampf oder Tetänus (lat.) ist ein tonischer, d. h. andauernder Krampf der Muskeln, bedingt durch krankhaft gesteigerte Reflexerregbarkeit des Rückenmarks und nicht mit der Starrsucht (s. d.) zu verwechseln. Er erhält nach den von ihm ergriffenen Muskelpartien verschiedene Namen: er heißt Trismus (Kinnbackenkrampf, Mundklemme), wenn der Unterkiefer fest an den Oberkiefer angezogen wird; Pleurothotonus, wenn die Muskeln einer Seite des Körpers, davon befallen, denselben nach dieser Seite krümmen; Opisthotonus, wenn die Rückenmuskeln Kopf und Rumpf nach hinten, Emprosthotonus, wenn die Bauch⸗ und Halsmuskeln ihn nach vorn zusammenziehen, und endlich Letanus universalis, wenn alle Muskeln davon ergriffen sind. Letzterer verbreitet sich gewöhnlich von oben nach unten, zuerst über die Hals⸗ und Gesichtsmuskeln, dann über die des Rumpfes und der Extremitäten und endlich das Zwerchfell und das Herz. Die kontrahierten Muskeln sind dabei gespannt, brettartig hart und der Sitz äußerst heftiger Schmerzen, welche denjenigen beim Wadenkrampf zu vergleichen sind. Das Bewußtsein bleibt dabei meist ungetrübt, alle andern Funktionen (Hunger, Durst) gehen ungestört von statten. Der S. kann anhaltend sein, aber auch wieder nachlassen und in erneuten Anfällen zurückkehren. Letztere hängen besonders von äußern Reizungen der Empfindungsnerven ab, sodaß manchmal schon das bloße Anrühren oder Anfächeln, das Anreden des Kranken, ein kalter Tropfen, der Versuch zu schlucken u. dgl. den Anfall hervorruft. Die Dauer der Krankheit, ehe sie in Genesung oder Tod übergeht, kann sich von nur wenigen Minuten bis auf mehr als einen Monat belaufen, weshalb man auch eine akute und eine chronische Form unterscheidet. Bei den Leichenöffnungen hat man Blutüberfüllung, entzündliche Vorgänge und Bindegewebswucherungen im Rückenmark gefunden. Am meisten findet sich das Übel bei neugeborenen Kindern vom ersten bis zum siebenten Tage nach dem Abfallen der Nabelschnur (trismus neonatorum) und bei kräftig konstituierten Männern im reifern Alter, in Heiben Gegenden, nach Verwundungen (Aiß⸗ und Quetschwunden), besonders wo Flechsen und Nerven verletzt sind (Wundstarrkrampf), nach heftiger Erkältung, besonders Nachtlagern im Freien (rheumatischer S.), bei Vergiftung mit Strychnin (Brechnuß, Upasgift), Brucin und andern sog. Rückenmarksgiften (toxischer S.), in bösartigen Wechsel- und Nervenfiebern u. s. w. In den meisten Fällen von S. erfolgt der Tod. Hinwegräumung der Ursachen ist das erste Erfordernis der Behandlung, und bei einer der häufigsten, bei Verwundungen, kann durch zweckmäßiges Verbinden. entsprechende chirurgische Operationen und sonstige Pflege viel zur Verhütung von S. gethan werden. Für die Linderung und Verhütung der Anfälle sind narkotische und anästhetische Mittel (besonders Opiate, Morphium, Chloral, Chloroform) fast unentbehrlich, auch warme Bäder oft von Vorteil. Daneben sucht man jeden Sinnesreiz (Licht, Schall), jede Bewegung, jede Gemütserregung, fast jede Berührung von dem Kranken entfernt zu halten. Neuerdings hat man wiederholt mit Erfolg Einspritzungen von Curare (s. d.) unter die Haut und die Anwendung des galvanischen Stroms versucht. „Starrkrampf (Hirschkrankheit) bei Haustieren, ein allgemein über den Körper verbreiteter Krampf der meisten willkürlichen Muskeln (TLetanus), oder ein solcher, der mehr auf die des Kopfes und Halses sich erstrect Trismus, Kinnbackenkrampf, Maulsperre), kommt am häufigsten bei Pferd und Schaf vor. Verwundung (Vernagelung, Abbinden von Neubildungen, rohes Castrieren, Mißhandlung aller Art, fehlerhafte Wundbehandlung) erzeugt den Wundstarrkrampf, Erkältung den rheumatischen Starrkrampf. In neuester Zeit will man eine Bacterie als am Erzeugen des S. beteiligt beobachtet haben. Die Kennzeichen sind: leichte Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit des kranken Tieres, schwere Beweglichkeit, steife Stellung, unbeweglicher Rücken, steif gehobener Schweif, Nichtvermögen sich hinzulegen, wenn allgemeiner S. vorhanden, da die Muskeln des ganzen Körpers stark angespannt, stark hervortretend, steinhart erscheinen; sonst trifft die Veränderung nur die Muskeln des Kopfes und Halses, wodurch mehr oder weniger geschlossenes Maul und Unbeweglichkeit der Kiefer, Geifern, Freß⸗ und Schluckbehinderung, Verdrehen der Augäpfel, Vortreten der Blinzknorpel, Steifstehen der Ohren, Erweiterung der Nasenlöcher, geradeaus gestreckter oder nach dem Rücken gebogener Hals u. s. w. hervorgerufen werden. 80—90 Proz. der erkrankten Tiere sind verloren. Die Behandlung erfordert: die Patienten sind im verdunkelten Stall zu halten, vor Erkältung und jeder Aufregung zu behüten, Einreibung längs der Wirbelsäule von 1 Teil Ather und 3 Teilen Chloroform, täglich einmal, sind zu machen. Bei großen Haustieren haben Klystiere von 11 Leinsamenschleim mit 20 Gramm Chloralhydrat, ferner Einspritzung von 0,3 Gramm gelöstem essigsauren Morphium, täglich zweimal, sich nützlich erwiesen. Nehmen die Patienten noch Schlappfutter und Gesöff auf, ist es zu raten, diesem Salicylsäure (für Pferde 15 Gramm pro Tag) zuzusetzen. Ist die Aufnahme von Nahrung nicht mehr dem Kranken möglich, dann sind Klystiere von Milch mit eingequirlten Ciern, Warmbier mit Ei (lauwarm zu applizieren) zweckmäßig.