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Bildende KunstBrockhaus 1882

Stetuld s. unter Chrysosplenium. Steinla or.), eigentlich Müller, vorzüglicher Kupferstecher, geb. 1791 zu Steinla bei Hildesheim, machte seine ersten Studien an der Akademie in Dresden und begab sich sodann nach Italien, wo er — Florenz unter Morghen und zu Mailand unter Longhi bald eine hohe Stufe der Vollendung erreichte. Dort beendete er 1829 seinen Stich nach Tizians berühmtem sterbaf mit dem Zinsgroschen, der sich durch meisterhafte Durchführung auszeichnet. Nach seiner er n nach Dresden wurde er zum Professor an der Akademie ernannt. Er stach nun Fra Bartolommeos Pieta aus dem Palast Pitti in Florenz (1830), dann den Kindermord nach Rafaels Zeichnung, im Kabinett zu Dresden Krtol die Madonna della Misericordia nach Fra Bartolommeo (1838), endlich 1841 die sog. Holbeinsche Madonna der dresdener Galerie, eins der besten Werke des Grabstichels, das ihm von der pariser Akademie die große goldene Medaille erwarb. Nicht minder vorzüglich in treuer Wiedergabe des Originals ist der 1848 vollendete große Stich nach Rafgels Sixtinischer Madonna. an P5. ⸗WVerke folgte eine Nachbildung der Rafaelschen Madonna mit dem Fische, deren Zeichnung er 1852 nach dem Original in Madrid ausführte und deren Übertragung in den Stich seine letzte Arbeit war. S. starb zu Dresden 21. Sept. 1858. Steinle (Jakob Eduard), einer der namhaftesten Vertreter der neuern religiösen Malerei in Deutschland, wurde 2. Juli 1810 in Wien als Sohn eines Graveurs geboren und dort an der Akademie gebildet. Er neigte schon früh der ernst-sinnigen Richtung zu, in welcher er durch Overbeck und Cornelius, die er in Rom kennen lernte, bestärkt wurde. Fra J. 1834 aus Italien heimkehrend, besuchte er rankfurt a. M. und erhielt unter anderm den Auftrag zur Ausmalung der Schloßkapelle auf Rheineck für Bethmann-Hollweg. Unter Cornelius arbeitete er für die münchener Ludwigskirche. Im 1843 begann er Fresken im hohen Chor des oms zu Köln, die Engelchöre auf Goldgrunde darstellend, Schöpfungen von großartigem Ausdruck. Seit 1844 malte er im Kaisersaal zu Frankfurt das Urteil des Salomo und erhielt w1850 am dortigen Städelschen Institut die Professur der Historienmalerei. Seine hauptsächlichsten Schöpfungen seit dieser Zeit sind: die tiburtinische Sibylle, für das Städelsche Institut; die Erwartung des Weltgerichts, Entwurf für das Dombild in Berlin (1846 in Konkurrenz mit Cornelius und Veit komponiert, jetzt in der Nationalgalerie); Christus am Olberge, für eine Kirche zu Kristiania; Erweckung von Jairis Tochter, für den König von Preußen. An monumentalen Werken sind zu nennen die 1859 begonnenen vier Fresken im kölner Museum, welche die wichtigsten Momente der kölner Kunstgeschichteveranschaulichen; ferner die Ausschmückung der Agidienkirche in Münster seit w1857. In den J. 1860—63 entstanden die Kartons für Gemälde im Treppenhause des kölner Museums, 1865 und 1866 malte S. die sieben Chornischen in der neuen Marienkirche zu Aachen aus; darauf arbeitete er seit 1875 an Monumentalbildern für den Münster zu Straßburg. Sis geistvolle Zeichnungen behandeln die verschiedensten Stoffe mit Glück, die Dramen Shakspeares (unter anderm: Was ihr wollt, Aquarellzeichnung in der Nationalalerie zu Berlin, und den Sommernachtstraum). Zu seinen letzten, bedeutendsten Schöpfungen ge75 Entwürfe, nach welchen die großen Glasenster der Votivkirche in Wien ausgeführt wurden. Steinmarder, s. unter Marder. Steinmark, sächsische Wundererde, ein weiches, fettig anzufühlendes, nicht abfärbendes, an der Zunge klebendes Mineral von weißlicher, 7 u. s. w. Farbe, das sich besonders bei Rochitz in Sachsen, am Harz, bei Schmiedeberg in Schlesien u. s. w. findet. Steinmasse oder künstliche Steine nennt man, meist mit Ausschluß der gewöhnlichen Mauersteine, verschiedenartig I3 Subrogateber in Formen gepreßte Massen, die als Surrogate der natürlichen Steine benutzt werden. Hierher gehören die Kalk- oder Kalksandziegel, die durch Mischen von Kalkmilch und Sand, Formen unter starkem Druck und Trocknen an freier Luft hergestellt werden. Sehr gute S. liefert eine Mischung von Steinbrocken, Cement und Wasser, welche in Formen gestampft wird. Die engl. Victoriasteine werden aus Granitbruchstückchen und Cement geformt und in eine Wasserglaslösung gelegt. Zur Herstellung marmorartiger und, bei Zusatz von Quarzstückchen und Eisenoxyd, auch granitartiger Steine, die zu Mauerwerk, Trottoirplatten und zu Ornamenten Verwendung finden und vom Steinmetz bearbeitet, auch gut poliert werden können, wird Cement, Schlämmkreide, feiner Sand und Infusorienerde mit Wasserglas zu einem dicken Brei angemacht, dieser in Formen gegossen, die erhärtete Masse in eine Chlorcalciumlösung und schließlich in Wasser gebracht. Die zum Belegen von Fußböden dienenden Marmor-Mosaikplatten von Oberalm bestehen aus Marmorabfällen, welche durch eine Mischung von Cement und Marmorpulver zu einer Masse verbunden werden, die man in eiserne Formen preßt und nach dem Erhärten schleift und poliert. In Nordamerika finden in steinarmen Küstenstädten Platten aus Schieferpulver, mit einem geringen Zusatz von Cement gepreßt, ausgedehnte Verwendung. Der Bietigheimer Sandstein besteht aus Sandkörnern, die durch ein gesintertes alkalisches Silicat (Feldspat, Glaspulver und Thon) verbunden sind. Ein vortreffliches Material zur Herstellung künstlicher Steine bilden namentlich die Hohofenschlacken; auch Gips, Kiserit u. s. w. sowie eine Mischung von Sodarückständen und geröstetem Schwefelkies mit konzentrierter Wasserglaslösung, ferner Mischungen aus Steintrümmern und harzigen Bindemitteln werden für diesen Zweck verarbeitet. Steinmerle, s. unter Drossel. Steinmetz (Karl Friedr. von), preuß. Generalfeldmarschall, geb. 25. Dez. 1796 zu Eisenach, wurde in den Kadettenhäusern zu Kulm, Stolp und Berlin erzogen und 5. März 1813 dem 1. ostpreuß. Infanterieregiment als Sekondelieutenant zugeteilt, mit welchem er den Feldzügen von 1813 und 1814 beiwohnte. Er wurde bei Merseburg, Königswartha und Wartenburg verwundet und erhielt für Auszeichnung bei Laon und Paris das eiserne Kreuz. Im J. 1815 rückte sein Regiment der Armee nur nach, und gelangte so nach Paris, das er 1814 wegen seiner Het⸗ das Reeh nicht betreten hatte. Im J. 1816 kehrte das Regiment nach Königsberg urück. Im 8. 1818 wurde S. zur Dienstleistung eim Gardekorps kommandiert, im Mai zum 2. Garderegiment versetzt, stieg April 1829 zum Hauptmann und März 1839 zum Major auf zucht dem er 1821/23 die Allgemeine Kriegsschule besu t und 1824/26 im Topographischen Bureau gearbeitet hatte. Er führte 1839 das düsseldorser Gardelandwehr-Bataillon und 1841½¼48einBataillon Saperfamdie in Berlin mit welchem er an dem Straßenkampfe in Berlin teilnahm. Beim Ausbruch des dän. Kriegs erhielt er die Führung des Königsregiments (Nr. 2), focht bei Schleswig und Düppel und empfing den Orden pour le merite. Seine interessante Korrespondenz aus dieser Zeit wurde 1878 im Militär-Wochenblatto (3.—6. Beiheft) veröffentlicht. Im Nov. 1848 wurde S. Kommandeur des 32. Infanterieregiments, Mai 1849 Oberstlieutenant und übernahm ein gemischtes Detachement, das an der dessauischen Grenze zum Schutz des herzogl. Hofs aufgestellt wurde. Im J. 1849 wurde er mit der Entwaffnung des berliner Landwehrregiments, das wegen verübter Excesse vom Rhein nach der Mark zurückgezogen wurde, beauftragt und vollzog dieselbe in der Gegend von Pon Kassel Im J. 1850 war er Kommandant von Kassel und verhinderte die Abführung des Staatsschatzes und der Waffen aus dem Zeughause. Darauf wurde S., seit Jan. 1851 Oberst, im April desselben Jahres Kommandeur des Kadettenkorps und wirkte hier drei Jahre unter mancherlei Schwierigkeiten mit Energie und zugleich mit väterlichem Wohlwollen. Im April 1854 wurde er zum Kommandanten von Magdeburg ernannt. Im Frühjahr 1857 erhielt er das Kommando der Iigres das der 1. Divi und Dezember desselben Jahres das der 1. Division in Königsberg; Mai 1858 wurde S. Generallieutenant und Jan. 1863 kommandierender General des 2. Armeekorps, welches er 18. Mai 1864 mit dem 5., in Posen, vertauschte. Bald darauf wurde S. General der Infanterie. Mit diesem Korps zog er 1866 in den Krieg gegen Osterreich und besiegte in Böhmen an drei aufeinander folgenden Tagen, 27. und 28. Juni in den Schlachten bei Nachod und Skalitz, 29. in dem Gefecht bei Schweinschädel, drei feindliche Armeekorps. Bei Königgrätz blieb sein Korps in der Reserve. S. hatte sich im Kriege durch klaren Blick, Besonnenheit und entschlossenes Handeln Bevalterm Ruhm erworben und war auch bei der Bevölkerung sehr beliebt geworden. Der Schwarze Adlerorden und eine bedeutende Dotation ehrten seine Verdienste. Im J. 1867 wurde er sowohl in den Konstituierenden als den ersten ordentlichen Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs übernahm S. 18. Juli 1870 den Oberbefehl über die Erste Armee (1., 7. und 8. Armeekorps, 1. und 3.Kavalleriedivision, später auch Division Kummer), mit welcher er von der Bayrischen Pfalz an die Saar vorrückte und an den Schlachten von Spicheren, von ColombeyNouilly und von Gravelotte— St.⸗Privat, sowie an der Einschließung von Metz teilnahm. Am 12. Sept. wurde S. zum Generalgouverneur der Provinz Posen und Schlesien ernannt, April 1871 unter Verleihung des Charakters als Generalfeldmarschall zu den Offizieren von der Armee versetzt und 1872 als lebenslängliches Mit-Late in das preuß. Herrenhaus berufen. S. veregte seinen Wohnsitz nach Görlitz und starb 2. Aug. 1877 zu Bad Landeck. Er war von ernstem, verschlossenem Charakter und von schroffem Wesen, hohe Anforderungen an seine Untergebenen stellend, aber auch selbst Bedeutendes leistend. Vgl. von Schell, Die Operationen der Ersten Armee unter General S.» (Berl. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 194Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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