FeedMüller (Joh. Friedr. Wilh.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Müller (Joh. Friedr. Wilh.), ausgezeichneter Kupferstecher, Sohn des vorigen, geb. zu Stuttgart 11. Dez. 1782, besuchte das dortige Gymnasium und wurde des Vaters Schüler in der Kupferstechkunst. Im J. 1802 ging er nach Paris, wo er für das Musée frangais die Vénus d'Arles und eine Statue La jeunesse stach, bei welcher letztern er die Manier erfand, das Eigentümliche des Marmors in Kupfer nachzuahmen. Im J. 1805 stach er das von ihm selbst gemalte Bildnis des Königs Wilhelm J. von Württemberg, dann den Johannes von Domenichino; hierauf zeichnete er die heil. Cäcilia nach Domenichino, die nachher sein Vater in Kupfer ausführte. Ehe er an die Ausführung der Rafaelschen Madonna di San Sisto, seines berühmtesten Werks, ging, die ihn bis ans Ende seines Lebens beschäftigte, reiste er nach Italien, von wo er 1809 zurückkehrte. In diese Zeit fallen viele herrliche Arbeiten, wie die Bildnisse Jacobis, Schillers (nach Danneckers Kolossalbüste), Hebels (nach dem Leben) und das größere Blatt: Adam und Eva, nach einem Rafaelschen Deckengemälde in den vatikanischen Stanzen. Bisher Hofkupferstecher in Stuttgart, folgte er 1814 dem Rufe als Professor an die Kunstakademie nach Dresden. Hier wurde er jedoch geisteskrank und starb auf dem Sonnenstein bei Pirna 3. Mai 1816.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 917Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6