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ErdkundeBrockhaus 1882

Stendal, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, an der Uchte, Knotenpunkt der Linien Magdeburg-ilzen, S.⸗Wittenberge, Berlin-Lehrte und S.⸗Tangermünde der Preußischen Staatsbahnen, früher die Hauptstadt der brandenb. Altmark, ist Sitz eines Landratsamts, Landgerichts, Amtsgerichts und Hauptsteueramts, und zählt (1885) 16186 E. Unter den sechs Kirchen der Stadt zeichnet sich die Marienkirche und besonders der 1188 gestiftete Dom durch seine schönen Backsteinverzierungen und Glasmalereien aus. Auch besitzt die Stadt eine Rolandsäule und ein von Wichmann modelliertes, 18. Okt. 1859 aufgestelltes Denkmal Winckelmanns, der hier 9. Dez. 1717 geboren ist. Von höhern Unterrichtsanstalten sind ein Gymnasium und eine höhere Töchterschule vorhanden. Bemerkenswert ist das Tangermünder Thor und das zu dem schönsten mittelalterlichen Profanbauten zu 2 dedeut Unglinger Thor. In S. befindet sich eine bedeutende Reparaturwerkstätte der königl. Eisenbahnen, welche mehrere hundert Arbeiter beschäftigt. Bei der 1258 erfolgten Teilung der Mark Brandenburg ward S. Regierungssitz der ältern oder Stendalschen Linie des Hauses Askanien, welche Johann J. stiftete, die aber schon 1320 wieder erlosch. Unter Kurfürst Johann Cicero wurde zu S. eine Buchdruckerei angelegt, aus welcher 1488 das erste nicht nur in der Altmark, sondern der Mark Brandenburg gedruckte Buch (eine Ausgabe des Sachsenspiegelsoy) hervorging. Des Kurfürsten ohn, Joachim I., verweilte gern zu S., wo er auch 1535 starb. In dem 5 km von S. entfernten Dorfe Eichstedt wurde der Afrikareisende Nachtigal geboren, dem in S. ein Denkmal gesetzt werden soll. Vgl. Götze, «Urkundliche Geschichte der Stadt S.» (Stendal 1873). — Der Kreis Stendal zählt auf 897,7 qkm (1885) 58 113 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 205Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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