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ErdkundeBrockhaus 1882

Goslar, ehemals Freie Reichsstadt, jetzt zur Landdrostei Hildesheim der preuß. nöndd Hannover, Kreis Liebenburg, gehörig, am nördl. Fuße des Rammelsbergs und an der Gose gelegen, durch die Zweigbahn Vienenburg-G. mit der Braunschweigischen Eisenbahn verbunden, ist altertümlich gebaut, zählt (1880) 10 791 meist prot. E., ist Sitz eines Amtsgerichts und einer Handelskammer und hat ein Realgymnasium. Zu ihren Merkwürdigkeiten gehören: die 1844 abgebrannte, seitdem aber völlig wiederhergestellte Marktkirche mit dem reichen städtischen Archiv und einer bel das Reformationszeitalter wichtigen Bibliothek; das Rathaus mit dem Huldigungssaale und verschiedenen Altertümern; die Kaiserworth mit acht Standbildern deutscher Kaiser; der feste Zwingerturm mit 6m dicken Mauern, die von Heinrich III. erbaute, jetzt in würdiger Weise restaurierte und mit Raffenal Wandgemälden von Wislicenus gezierte aiserpfalz, nebst der Doppelkapelle zu St. Ulrici; die Kirche des Klosters Neuwerk, ein hervorragendes Denkmal des roman. Baustils mit höchst wertvollen Malereien, sowie die neuerdings restaurierte Frankenberger Kirche. Der ehrwürdige Dom des 1040 durch Heinrich III. von der Harzburg hierher verlegten Simon-Judasstifts wurde 1820 bis auf eine Kapelle abgebrochen, in der sich unter andern Altertümern der angebliche Altar des Krodo befindet. Die Bevölkerung betreibt Bergbau im Rammelsberge, ert silberreiche Erze in den Hüttenwerken an der Oker und Graue verarbeitet werden, beutet ergiebige Schieferbrüche aus und unterhält außerdem Fruchthandel und Fabriken für Marmorwaren, Zündhölzer, Chemikalien, Spielkarten, Hüte, Stärke, Leim, Watte, Cigarren. An Stelle der früher zu G. gebrauten berühmten Gose ist in neuerer Zeit ein geschätztes Lagerbier getreten. Die von dem 1866 verstorbenen Naturarzt Lampe gegründete Kräuterheilanstalt wird noch immer ziemlich zahlreich besucht. Seinen Ursprung verdankt G. Heinrich I. um 920; unter Otto I. wurde 968 der Bergbau begonnen und mit solchem Erfolg durch eine fränk. Kolonie betrieben, daß die Stadt rasch emporblühte. Die sächs. und fränk. Kaiser weilten oft in G. und hielten hier (so w1009 und 1015) glänzende Reichstage. Heinrich III. und der hier geborene Heinrich IV. hegten für die Stadt eine besondere Vorliebe. Bei des letztern Anwesenheit 1063 kam es zwischen dem Bischof von Hildesheim und dem Abt von Fulda wegen Rangstreitigkeiten zu dem sog. Goslarschen Blutbade, dem selbst der Kaiser nicht zu wehren vermochte. Die Goslarschen Statuten (herausg. von Göschen, Berl. 1840), um 1350 entworfen, erlangten vielerorten Geltung, und die Bedeutung der Stadt wuchs noch, als sie um dieselbe Zeit dem Hansabunde beitrat. Nachdem die Reformation bereits 1521 Eingang gefunden, wurde bald darauf die Stadt wegen Zerstörung des Georgenklosters und des Petersstifts (1527) in die Reichsacht erklärt und von Herzog Heinrich dem Jüngern von Braunschweig, der dieselbe zu vollstrecken beauftragt war, 1552 zu einem höchtt nachteiligen Vergleiche gezwungen. Im Dreißigjährigen Kriege wurde G. 1625 erfolglos belagert, 1632 aber von den Schweden besetzt und stark gebrandschatzt. Durch öftere Feuersbrünste, namentlich 1728 und 1780, sowie durch eine schlechte Verwaltung des Stadtwesens von ihrer frühern Höhe ganz herabgekommen, fiel sie 1802 an Preußen, 1807 an das Königreich Westfalen und 1816 an Hannover. Vgl. Crusius, «Geschichte von G.v (Gosl. 1842 —43); „Die vormals kaiserl. Freie Reichsstadt G. am Harz sonst und jetzto (Gosl. 1863); Mithoff, „(Kunstdenkmale und Altertümer im Hannöverschen v (Bd. 3, Hannov. 1874). Goflawski (Maurycy), poln. Dichter, geb. 1805 in Podolien, erhielt seine Bildung in Krzemieniec, trat in das russ, Heer und machte unter Diebitsch den Feldzug nach der Türkei mit, dann begab er sich nach Warschau und verfaßte das beschreibende Gedicht Podoles (Warsch. 1828), in dem er seine Heimat Podolien in schwunghaften Versen schilderte. Im J. 1830 trat er ins poln. Heer, wurde mit einer Abteilung desselben in Zamosc eingeschlossen und gefangen, entfloh jedoch und ging nach Paris, wo er 1833 die Poezye ulana polskiego v herausgab. Unter Zaliwskys Führung versuchte er 1833 mit andern Emigranten einen neuen Aufstand in Polen zu erregen, wurde aber in Galizien gefangen genommen und starb 17. Aug. 1834 in Stanislawow im Gefängnisse. Gesammelt erschienen seine Poezyes als Bd. 26 der Biblioteca pisarzy polskicho (Lpz. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 215Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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