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ErdkundeBrockhaus 1882

Spandau, Stadt, Festung und Citadelle im Osthavelländischen Kreise im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, an der Mündung der Spree in die Havel, 12 km westlich von Berlin, Station der Linien Berlin-Hamburg und Berlin-⸗Lehrte der Preußischen Staatsbahnen, zählt (1885) 31 463 E., darunter über 4000 Militärpersonen, ist der Sitz eines Amtsgerichts, eines Domänenrentamtes und hat zwei evang. und eine kath. Kirche, unter erstern die sehenswerte Nikolaikirche aus dem 16. Jahrh., ein Gymnasium, eine höhere und mittlere Töchterschule, eine Knabenmittelschule, ein Militärlazarett und neun Kasernen. In der starken Citadelle befindet sich der Juliusturm mit dem Reichskriegsschatz (120 Mill. Mark). Die großartigen Werkstätten der Militäretablissements umfassen 85 ha; sie beschäftigen 4000 Arbeiter, haben über 20 massive Arbeitshäuser und eine Gasanstalt. Ausgedehnte Privatindustrie hat die Stadt nicht. Eine hervorragende Stelle nimmt der Holzhandel ein; außerdem hat die Stadt Schiffbau, Fischerei, Schiffahrt und Pferdemärkte. S. ist eine der ältesten Städte der Mittelmark, erhielt 1232 Stadtrecht, wurde 1319 mit Mauern und Wällen umgeben und seit 1324 mit Festungswerken versehen, die indes öfters der Veränderung unterlagen. Die Stadt war mehrfach die Residenz der ersten Kurfürsten aus dem Hohenzollernschen Hause. Joachim II. trat hier 1. Nov. 1539 zur Reformation über. Am 6. Mai 1631 räumte Georg Wilhelm die Festung den Schweden ein, die sie bis 1634 besetzt hielten. Am 25. Okt. 1806 ergab sich dieselbe unter Major von Beneckendorf auf die erste Aufforderung des franz. Marschalls Lannes. Nachdem sie 1. April 1813 von den Preußen und Russen unter General von Thümen eingeschlossen worden, wurde sie 27. April von den Franzosen übergeben. Vgl. Zech und Günther, Geschichtliche Beschreibung der Stadt und Festung S.» (Spand. 1847); Krüger, „Chronik der Stadt und Festung S.v (Spand. 1867); «Urkundliche Geschichte der Stadt und Festung S., bearbeitet von Kuntzemüllerd (Spand. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 4Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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