Stenochromie nennt O. Radde in Hamburg ein Verfahren, nach Art des lithographischen Mosaikdrucks auf einer für diesen Zweck konstruierten Presse Abzüge in Farben mit einmaligem Druck vermittelst schablonenartig zusammengesetzter pastöser Farbenkörper zu u Csartdttend (S. Farbendruck.) J. Greth in Charlottenburg nennt das von ihm weiter ausgebildete Verfahren Gretho-Stenochromie. In neuester Zeit werden namentlich in England als in Dirarben herg Drucke sobwohl in Wasser⸗ als in Olfarben hergestellt. tenographie (grch., d. i. Engschrift) nennt man jede Schrift, welche durch vereinfachte Lautzeichen und durch Abkürzung der Wörter das Mittel bietet, so schnell zu schreiben, als gesprochen wird. Sie ist zur Aufzeichnung von Reden unentbehrlich, aber auch für Studierende, Beamte, überhaupt für alle, welche viel mit Schreibgeschäften zu thun haben, von so großem Nutzen, daß man in neuerer Zeit die Güte eines Stenographiesystems nicht bloß nach der Kürze der Schrift, sondern auch nach der Leichtigkeit ihrer Erlernung beurteilt. Schon die Römer bedienten sich einer S., welche man nach dem Namen ihres Erfinders, eines Frei-Ttpontf des Cicero, Marcus Tullius Tiro, als ironische Noten bezeichnet. Noch bisjetzt ist der Anfang der Rede Quousque tandem abutere, Oatilina, patientia nostra 29 in stenograph. Zeichen (N für quousque patientia nostra) erhalten geblieben (s. nachstehende Tabelle, Zeile 1); doch pflegte gewöhnlich nicht mit solch kühnen Abbreviaturen geschrieben zu werden, man begnügte sich mit vereinfachten Schriftzeichen für die Stammsilben und Beifügung kleiner Zeichen für Suffixe, wie die Probe «Atkerte domino filii dei, afferte domino filios arietum; afferte domino gloriam (Zeile 1) aus dem 10. Jahrh. zeigt. Die Tironischen Noten gingen mit dem röm. Reiche unter, ihre Kenntnis . 1. sich aber bei Notaren und in manchen Klosterzellen; einzelne Abkürzungen derselben gingen sogar in die Kurrentschrift über wie con, id est u. s. w. (S. Zeile 2.) Die religiös-politischen Kämpfe in England riefen das Bedürfnis nach einer S. wieder hervor und John Willis erfand 1602 ein vereinfachtes Alphabet (Zeile 3), sowie die Bezeichnung der Vokale durch verschiedene Stellung der Konsonanten. Bald folgten andere einfachere Alphabete und die Bezeichnung der Vokale durch Punkte in verschiedener Stellung in der Reihenfolge von oben nach abwärts: a eio u, und John Byrom (1741) stellte Grundsätze für die Auswahl der Zeichen aus den au, waßer Ofe Derbi der Linie und des Kreises auf, wobei die Verbindungsfähigkeit zu beachten war, weshalb er für manche Laute mehrere Zeichen aufstellte. Geile 4.) Samuel Taylor (1786) schuf das einfachste engl. S.⸗System, er ließ den inlautenden Vokal unbezeichnet und gebrauchte für den an⸗ und auslautenden Vokal den Punkt ohne Unterschied. Sein System verbreitete sich über ganz Curopa, bot aber beim Lesen große Schwierigkeiten. Geile 5.) Daher kehrte Isaak Pitman (1837) wieder zur vollen Vokalbezeichnung zurück, er verwendete den Punkt und einen kleinen wagerechten Strich in verschiedener Stellung und Stärke für die Vokale, die Linie und Teile des Kreifes in verschiedener Stärke für die Konsonanten, wobei er eine streng lautliche Bezeichnung durchführte. Er nannte seine S rift daher Phonographie. (Zeile 6 u. S.) Seine Schrift gewann in England und Amerika große Verbreitung. In Frankreich fand Taylors System durch Bertin (1792) Eingang und wurde von Prevost (1820) verbessert. Jetzt ist jedoch das System Duploye (1868) das verbreitetste, da es zum Teil verbindungsfähige Vokalzeichen hat und eine phonetische Vollschrift gestattet. (S. Tabelle, Zeile 7.) Von der Verbindungsart der stenographischen Zeichen dieser Systeme liefern die Zeilen 9—12 Proben. Zeile 9 (Byrom) und 10 (Taylor) haben den gleichen Text: „Our father which art in heaven, hallowed be thy name. Thy kingdom come. Thy will be done on the earth, as it is in heaven.5 Zeile 11 (Pitman): «The advantage of a practical acquaintance with the stenographic art to individuals in all situations of life, but more particularly to literary men, is strikingly shown in the career.„ (Hier sind Abkürzungen angewandt.) Zeile 12 (Duployé): «Monseigneur, mes frères! En reparaissant pour la première fois dans l'une des chaires de cette capitale où il m'avait été.„ In Deutschland fand anfangs Taylors System gleichfalls Nachahmung, 1817 stellte jedoch Fr. X. Gabelsberger in München ein u Charal auf, welches der deutschen S. einen eigenen Charakter gab. Er verwendete die Teilzüge der Kurrentschrift als Lautzeichen und verteilte sie dem Charakter der Laute entsprechend auf diese, er vereinigte dadurch die Einfachheit der engl. Zeichen mit der Schreibflüchtigkeit der Kurrentschrift, wobei es ihm gelang, mehrere Zeichen in einen Zug zu vereinigen (zu verschmelzen); verwandte Laute erhielten verwandte Zeichen (Zeile 13). Die Vokale erhielten ebenfalls verbindungsfähige Zeichen, werden aber auch symbolisch durch verschiedene Stellung der Konsonanten ausgedrückt. Die häufig vorkommenden Formwörter erhielten feststehende Abkürzungen (Sigel), die Begriffswörter werden frei je nach dem Sinne des Satees gekürzt (Satzkürzung). Gabelsbergers System fand bei fast allen deutschen Parlamenten Anwendung und wurde auch in fast alle europ. Sprachen übertragen, insbesondere wurde es in den dän., schwed., ital. griech. und in den slaw. Parlamenten angewendet; in Bayern, Osterreich und Sachsen ist die Gabelsbergersche S. in den Schulen als Unterrichtsgegenstand eingeführt. Das Streben Gabelsbergers, seine Wortbilder möglichst kurz und schreibflüchtig zu gestalten, beeinträchtigte notwendigerweise die konsequente Durchführung der Regeln, der Vokal wird bald im Auslaut, bald im Anlaut, sowie durch verschiedene Merkmale bezeichnet (s. Zeile 17: webe, wabe, bat, mahnen, biegen, dick, bieten, bogen, zog, Bug, Ruhm, läge, Löhne, Lüge, Beil). W. Stolze (1841) suchte eine einheitliche Vokalbezeichnung dadurch zu erreichen, daß er ganze Silben über die Zeile stellte, um hohe Vokale, oder unter die Zeile, um tiefe Vokale auszudrücken, wobei er die starken Vokale durch Schattierung von den schwachen, die Umlaute durchbreite Verbindung unterschied (s. Zeile 18, die gleichen Beispiele wie oben), dies nötigte ihn Ind Nach Aufstellung von Abkürzungen für Vor- und Nachsilben und zur abweichenden Bezeichnung des Vokals in den sog. Nebensilben. Das Streben, Anlaut und Auslaute zu unterscheiden, veranlaßte ihn, für die Hälfte der Zeichen Nebenzeichen aufzustellen (Zeile 14), wodurch die Erlernung erschwert wird. Doch ist seine Schrift regelrechter als die Gabelsbergersche, schreibflüchtig und dank der gut ge-Sphent Abkürzungen auch kurz. Das Stolzesche System ist besonders in Norddeutschland und der Schweiz verbreitet, es wird in den preuß. Kammern, im Deutschen Reichstage (neben dem Gabelsbergerschen System) und im ungar. Parlament angewendet. Eine im J. 1872 vorgenommene Vereinfachung des Systems führte eine Trennung in Alt⸗ und Neustolzener herbei. Im J. 1860 veröffentlichte L. A. Arends eine Stenographie, in welcher die Vokalzeichen (gerade oder gebogene Aufstriche) an die Konsonantenzeichen angefügt werden (Zeile 16 u. 20). Durch Anwen146t von Nebenzeichen und eigenen Verbindungsregeln wird seine Schrift kurz, doch die Erlernung erschwert. Das Arendssche System wurde von Heinrich Roller (1875) teilweise verändert. Unter den übrigen stenographischen Systemen eichnet uch das von K. Faulmann (1883) aufgestellte durch Einfachheit und Kürze der Schrift aus, seine Zeichen schließen sich an die von Gabelsberger und Stolze an, die Vokale werden ausnahmslos im folgenden Konsonanten durch Höher- oder Tieferstellung, Druck oder enge und weitere Verbindung ausgedrückt. (Zeile 15 u. 19.) Die Konsonantenzeichen haben eine große Verbindungsfähigkeit. Faulmanns System, welches zuerst unter dem Titel «Phonographies erschien, gestattet eine stenographische Vollschrift, in welcher keine ½½ angewendet werden, für das Nachschreiben von Reden werden Sigel für Formwörter und eine freie Kürzung auf Grundlage des Klanges bei den Begriffswörtern angewendet. eile 13— 16 zeigt die Alphabete der hier erwähnten vier deutschen S.⸗Systeme, Zeile 17—20 die .—24 den 2 in den gleichen Wörtern, Zeile 21 —24 den Anfang des Vaterunsers bis aauf Erdenv. In der Gabelsbergerschen Zeile kommen 9, in der Stolzeschen 16, in der Arendsschen 7, in der Faulmannschen Vollschrift, wie oben erwähnt, keine Sigel vor. Litteratur. 1 Geschichte: Zeibig, «Geschichte und Litteratur der Geschwindschreibkunsto (2. Aufl., Dresd. 1878); Pitman, «A history of shorthando, (Lond. 1852); Krieg und Zeibig, Panstenographikono (Dresd. 1869). 2) Systeme: Pitman, «4 manuel of phonographies (Lond.); Duployé,«Sténographien (Par.); für Gabelsbergers System: Raetzsch, Lehrbuch der deutschen S.» (46. Aufl., Dresd. 1886; für Stolzes System: Stolze, Lehrbuch der deutschen S.v (Bd. 1: «Anleitung zur deutschen S.y, 46. Aufl., Berl. 1885; Bd. 2: (Schlüssel 60 den Aufgaben in der Anleitungo, 12. Aufl., Berl. 1881; Bd. 3: Ausführlicher Lehrgang der deutschen S.», 9. Aufl., Berl. 1885). Arends System: Arends, «Vollständiger Leitfaden» (15. Aufl., Berl. 1885); Roller, «Vollständiger Leitfadend (8. Aufl., Berl. 1882). Für Faulmanns System: Faulmann, «Phonographische Selbstunterrichtsbriefes (Wien 1884); derselbe, «Anleitung zur phonetischen S.»,‚ (2. Aufl., Wien 1885).