FeedStereotypie
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Stereotypie (arch.) nennt man das Verfahren, mittels dessen man den ganzen Schriftsatz in eine einzige Platte umgewandelt zum Abdruck in der Buchdruckerpresse darstellt. Da man später gefundene kleine Buchstabenfehler in den Platten verbessern kann, so erhält man möglichst fehlerfreie Abdrücke. Außerdem gewährt die S. den großen Vorteil, daß der Verleger bei einem Buche, dessen Absatz sicher, aber langsam stattfindet, von seinen Stereotypplatten anfangs nur eine geringere Anzahl und dann jederzeit mehr Abdrücke machen lassen kann. Schon zu Ende des 17. Jahrh. versuchten van der Mey und ein Deutscher, der Prediger Johannes Müller in Leiden, dann 1725 Ged in Edinburgh und Tilloch und Foulis in Glasgow das Stereotypieren; doch beschränkte sich ihr Verfahren darauf, daß die Lettern zusammengelötet wurden. Die Hauptverbesserung aber und die heutige Gestalt hat die Gipsstereotypie durch den Grafen Stanhope in England 1804 erfahren, nachdem Andreas Wilson, Professor in London, bereits einige wichtige Verbesserungen erdacht hatte. Auch in Frankreich wurden Ende des 18. Jahrh. erfolgreiche Versuche mit der S., freilich meist auf andere Weise, gemacht. So z. B. ließ Firmin Didot in Paris Typen aus Hartmetall gießen und unter kräftigem Druck in weiche Bleiplatten abdrücken, diese dann als Matrize für den Guß der erhabenen Platte benutzend. Das Resultat war jedoch ein durchaus unbefriedigendes. Man vervielfältigt durch die S. auch Holzstöcke und andere Gravuren. Bei der Gipsstereotypie wird die für den Abguß bestimmte Druckform in der Gießerei mit einem metallenen Rahmen umgeben, dessen Dicke die Stärke der Matrize und dessen Stellung die Stärke der Platte bedingt. Hierauf ölt man die Form ein und gießt eine dünne Schicht mit Wasser angemachten Gips darauf, welche man mit einem steifen Pinsel gehörig in alle Vertiefungen der Form bringt, damit dort keine Lücke oder Luftblase entstehe, worauf man die Form selbst ganz mit Gipsbrei füllt und mit einem Streichbrett, nach Angabe der Höhe des Rahmens, abgleicht; dieser Gipsabguß erhärtet schnell und nach einer Viertelstunde kann man denselben von der Form abheben; er bildet dann die Matrize, enthält die Lettern vertieft und die Ausschließungen erhaben, und wird erst in gelinder, später aber in stärkerer Hitze vollkommen ausgetrocknet, da Feuchtigkeit beim Gusse eine Explosion, mindestens aber die Matrize unbrauchbar machen würde. Die ausgetrocknete Matrize wird nun in eine gußeiserne Pfanne gelegt, in welcher sich eine lose Eisenplatte (Schwimmer) befindet, und dann durch einen Deckel mit vier abgestumpften Ecken bedeckt, welche die Offnungen zum Eingießen des Metalls bilden; das Ganze aber wird durch die Deckplatte und durch Klammern mittels Schrauben in seiner Lage festgehalten. Dieser Apparat wird mittels Krans in den mit geschmolzenem Schriftmetall gefüllten Kessel von Gußeisen gebracht und dort untergetaucht, bis alle Räume mit dem Metall ausgefüllt sind. Hierauf hebt man den Gießkessel aus dem Metall und läßt ihn erkalten, worauf man ihn öffnet, den Guß herausnimmt, die Eingüsse abschlägt und die Matrize abhebt und abbricht. Dann wird die nun erhaltene Platte, welche einen scharfen Abguß des Letternsatzes zeigt, mit Wasser und einer scharfen Bürste gereinigt, verputzt und endlich auf einer besondern Maschine auf der hintern Seite abgehobelt oder abgedreht und dadurch vollkommen eben auf die vorschriftsmäßige Dicke gebracht; zum Druck befestigt man sie auf metallene oder hölzerne Unterlagen. Statt der erwähnten Gießpfanne, in welcher die Matrize liegt, hatte man vor Erfindung der Papierstereotypie auch das französische (Daulesche) Verfahren unter Benutzung von eisernen Gießkästen eingeführt, welche sich mittels eines Scharniers öffnen und schließen lassen und bei dem der Guß mit dem Löffel geschieht. In neuerer Zeit wendet man statt der Gipsmatrizen nach der Erfindung von Genoux in Paris meist solche von Papier an (Papierstereotypie), wozu man mehrere Bogen Seidenpapier und ungeleimtes Druckpapier mit einer besonders präparierten Kleistermasse aufeinander klebt und in die so gebildete dunne Pappe, während sie noch ehörig feucht und weich ist, den Typensatz durch Klopfen mit einer Bürste hineinschlägt oder ihn in einer Presse gleich in eine präparierte Papierplatte einpreßt. Das Abgießen dieser vorher getrockneten Matrizen in Metall geschieht in einem eigenen Gießinstrument. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, daß sich die Matrizen lange aufbewahren und mehrmals zum Guß benutzen lassen; dasselbe ist von besonderer Wichtigkeit geworden durch das Bedürfnis cylindrisch gebogener Druckplatten für den Druck auf Rotationsmaschinen, welchervom Schriftsatz nicht ausgeführt werden kann. (S. Schnellpresse.) Zur Herstellung von Matrizen feinerer Holzschnitte eignet sich die neuerdings durch einige wichtige Verbesserungen erleichterte Papierstereotypie nicht. Neuerdings bedient man sich anstatt der S. zur Vervielfältigung von Holzschnitten, kleinern Schriftsätzen, ja auch von ganzen Bogen der Galvanoplastik (s. d.). Vgl. Isermann, «Anleitung zur S.y (Lpz. 1869); Röder, Die S.y (Lpz. 1885), Böck, «Die Papierstereotypies (Lpz. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 215Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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