FeedStephenson (George)
VerkehrBrockhaus 1882

Stephenson (George), ein Hauptbegründer des Eisenbahnwesens, war der Sohn armer Eltern und wurde in Wylam bei Neweastle (Northumberland) 8. Juni 1781 geboren. Seine erste Thätigkeit bestand in der Bedienung der Dampfmaschine, die an der Mündung der Kohlengrube gebraucht ward. Hier legte er sein mechan. Talent durch die zweckmäßigere Einrichtung eines Pumpenwerks an den Tag, an welchem gelernte Ingenieure ihre Kunst vergeblich versucht hatten. Er avancierte demnächst zum Rohlen zeichnete sich durch seine Leitung der großen Kohlenwerke Lord Ravensworths bei Darlington aus und baute 1812 für einen bei denselben angelegten Schienenweg die erste Lokomotive. Es war die erste eigentliche Adhäsionsmaschine. Gleichzeitig mit Sir Humphry Davy hatte er das Verdienst, eine Sicherheitslampe für Grubenarbeiter zu erfinden, was ihm einen Ehrenpreis von 1000 Guineen verschaffte. Unter der Leitung S.s wurde die erste für den allgemeinen Verkehr bestimmte Eisenbahn von Stockton nach Darlington erbaut und 1825 vollendet. Für die Liverpool-Manchesterbahn erbot er sich, einen Dampfwagen herzustellen, der die Schnelligkeit von 16 Km in der Stunde erreichen würde. Der Parlamentsausschuß, dem er seinen Plan vorlegte, behandelte ihn als einen Phantasten, aber bei der Probefahrt übertraf er noch seine Versprechungen. Die von ihm gebaute Lokomotive Rocket, die Rakete, zeigte als wichtigste Einrichtunen das Blasrohr, durch welches der verbrauchte ampf in den Schornstein stieg und dadurch den nötigen Zug hervorrief, eine der weittragendsten Erfindungen S.s, und den Röhrenkessel, den vor ihm bereits Seguin in Frankreich angewendet hatte. Die Maschine bewegte sich mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 24 km in der Stunde fort, gewann den Preis und entschied dadurch die größte Umwälzung in der Mechanik, die seit Erfindung der Dampfmaschine durch Watt eingetreten ist. Sein Ruhm war jetzt gesichert, und durch die von ihm in Neweastle in Gemeinschaft mit M. Pease aus Darlington errichtete Maschinenbauanstalt erwarb er bald ein bedeutendes Vermögen. In Verbindung mit seinem —3 brachte er die Dampfwagen zu ihrer heutigen Vollkommenheit, wie er denn auch für jede neuentstehende Eisenbahn in England, Amerika und auf dem europ. Kontinent die ersten Lokomotiven lieferte. Als Zeichen des Danks für die von ihm dem Eisenbahnwesen, sowie der Industrie überhaupt geleisteten Dienste wurde 1845 der Beschluß gefaßt, seine Statue in Neweastle auf der großen Eisenbahnbrücke über den Tyne aufzustellen, welche den Namen Stephenson-Brücke erhielt. Er war zuletzt auch Eigentümer mehrerer Kohlengruben und der großen Eisenwerke von Claycroß und starb zu Tapton-House bei Chesterfield 12. Aug. 1848. Vgl. Smiles, &The life of George S.v (neueste Aufl., Lond. 1881). Robert S., Sohn des vorigen, geb. 16. Okt. 1803 u Wilmington, wurde, als er 15 J. alt war, bei en Killingworther Werken angestellt, von wo er nach dreijähriger Praxis an die Universität Edinburgh zog. Nach vollendeten Studien trat er in die Maschinenfabrik seines Vaters ein. Er untertützte denselben bei dessen Ingenieurarbeiten und nternehmungen, bereiste Amerika, wo er den ins Unglück geratenen Trevethik, den Erfinder der Straßenlokomotive, traf und ihn aus tiefstem Elend . Er gründete dort die Bergwerksgesellschaft zu olumbien. Auch gewann er seinerseits einen auf den Bau einer Lokomotive ausgesetzten Preis von 10000 Mark. Im J. 1832 wurde Wan die Leitung des Baues der Liverpool-Birmingham-Eisenbahn übertragen, welchen er trotz bedeutender Schwierigkeiten zu Stande brachte, worauf noch die Blackwall⸗, Norfolk⸗, Aylesbury⸗ und verschiedene andere Eisenbahnlinien und bedeutende Brücken unter seiner Aufsicht erbaut wurden. Sein Meisterstück war jedoch die Errichtung der Britanniabrücke (s. d.), der Röhrenbrücke über den Menaikanal, zwischen Wales und Anglesea, die 1847 begonnen und 18. Mai 1850 vollendet wurde und als erstes Muster eines ganz neuen Systems des Brückenbaues zu den wunderbarsten Werken des 19. Jahrh. zählt, obgleich später andere, nach demselben Plane gebaute Brücken dies Erstlingswerk an Großartigkeit noch übertrafen. Bald nachher errichtete S. zwei Röhrenbrücken über den Nil, auf der von ihm angelegten Eisenbahn zwischen Alexandria und Kairo. Er ging 1853 nach Canada, um die Arbeiten zu der gewaltigen Röhrenbrücke über den Lorenzstrom bei Montreal einzuleiten, welche in der Kommunikationslinie zwischen Ost⸗ und Westcanada und den Vereinigten Staaten mittels der Grand-Trunk-Eisenbahn als letztes Verbindungsglied fehlte. Die Vollendung dieses, gegenwärtig unter dem Namen der Victoriabrücke bekannten Riesenbaues im Dez. 1859 erlebte er freilich nicht mehr. Bis ans Ende seines Lebens konsultierte man ihn nicht bloß in England, sondern in beinahe sämtlichen Staaten des Kontinents als die höchste Autorität in allen mit dem Plan und dem Bau von Eisenbahnen verknüpften Angelegenheiten, und häufig wurden Zwiste zwischen Eisenbahngesellschaften und Ingenieuren durch seinen schiedsrichterlichen Ausspruch geschlichtet. Schon 1847 war er zum Parlamentsmitglied für Whitby gewählt worden; er schloß sich der konservativen Partei an, doch nahm er an den parlamentarischen Verhandlungen keinen lebhaften Anteil. Er starb, große Summen zu wohlthätigen Zwecken hinterlassend, bald nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Norwegen, 12. Okt. 1859. In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er in der Westminster-Abtei beigesetzt. Vgl. Jeaffreson und Pole, «Life of Robert S.5 (2 Bde., Lond. 1864); Smiles, Lives of George and Robert S.v (S. Aufl., Lond. 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 212Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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