Steyr, auch Steier oder Steyer, Stadt in Oberösterreich, früher Kreisstadt des Traunviertels, jetzt ein selbständiger polit. Bezirk, liegt in einem reizenden Thale an der Einmündung der Steier in die Enns, an der Linie St. Valentin-Tarvis der Osterreichischen Staatsbahnen, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, und zählt (1880) 17 199 CE. Die Stadt hat eine schone Stadtpfarrkirche, 1545—1630 im got. Stil aufgeführt, ein ansehnliches Rathaus mit zierlichem Turm, einen hübschen Stadtplatz und Promenadenanlagen. Auf einem Felsen am Zusammenfluß der Steier und Enns liegt das schöne gräfl. Lambergsche Schloß. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen eine Oberrealschule, eine Knaben⸗ und eine Mädchenbürgerschule, eine und emn. Fortbildungsschule, eine Handelsschule und eine Fachschule und Versuchsanstalt für Eisenindustrie mit interessanter Messersammlung. S. ist eine der wichtigsten und reichsten Fabrikstädte Esterreichs, der Sitz der lebhaftesten Eisenindustrie, mit großen Messerfabriken, einer Drahtgießerei, Feilenhauern, Fabriken für Ahlen, Angelhaken, Nadel⸗ und Blechwaren, Werkzeuge, sowie einer Papiermühle, zwei Kattundruckereien, Maschinennägelfabriken u. s. w. Die österr. Waffenfabrik, gegründet von Joseph Werndl, jetzt im Besitz einer Aktiengefellschaft, ist die bedeutendste der Monarchie, seit 1882 ist damit ein Etablissement für elektrische Beleuchtung verzunden. — S. war ehemals Hauptstadt der Grafschaft S. oder Styre und gehörte früher zu Steiermark (s.d.), bis der Herzog Ottokar VI. sein Herzogtum 1183 dem Herzog Leopold V. von Ssterreich überließ; 1245 kam die Herrschaft Steyr zu Oberösterreich. S. ist der Geburtsort Blumauers und Redtenbachers und historisch merkwürdig durch den Tod des Herzogs Johann Friedrich II. von Sachsen 9. Mai 1595) und den hier 25. Dez. 1800 abgeschlossenen Waffenstillstand zwischen Osterreich und Trankreich. Vgl. Widmann, «Fremdenführer für S. und Umgebungo (Steyr 1884); Wörl, «Führer durch S. und Umgebunge (2. Aufl., Würzb. 1885).