FeedSchwerin
ErdkundeBrockhaus 1882

Schwerin, Haupt⸗ und Residenzstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, liegt in 53 38⁰ der Breite und 29 5 der Länge 98 m hoch in angenehmer Umgebung an dem 22 km langen und 6 Em breiten, fischreichen Schwerinersee und ist durch Zweigbahn (Kleinen-Hagenow) mit der Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Bahn verbunden. Die Stadt ist Sitz der sämtlichen obern Landesbehörden, eines Landgerichts und Amtsgerichts, zählt (1885) 32 031 C. und zerfällt in die Altstadt, die Neustadt, die Vorstadt und die Paulstadt. Besonders in den drei letztern neuern Stadtteilen ist sie schön und modern gebaut. Das neue großherzogl. Residenzschloß, 1845—57 in großartigen Verhältnissen aufgeführt, liegt auf einer Insel des Sees, wo sich schon in grauer Vorzeit eine befestigte Burg der Wendenfürsten erhob. Die angrenzenden schönen Anlagen dienen zu Spaziergängen. Sonst sind von neuern Bauwerken noch hervorzuheben das 1844 erbaute Arsenal, der neue Marstall, das Kollegien-oder Regierungsgebäude (seit dem Brande von 1865 neu aufgeführt), das Schauspielhaus (1884—86 von Daniel erbaut, nachdem das von Demmler erbaute 16. April 1882 abgebrannt war), das Realgymnasium (1883 —84 von Daniel erbaut), die St. Paulskirche (von Krüger erbaut), das Gymnasium, das Museum (1882 vollendet) von Willebrand, die Artilleriekaserne und das Militärlazarett. Vor dem Museum steht das eherne Standbild des Großherzogs Paul Friedrich (von Rauch), gegenüber das Denkmal für die im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und1871gebliebenen Mecklenburger. Der im Anfang des 15. Jahrh. vollendete, neuerdings vollständig restaurierte Dom (99 m lang, 42/½ m breit, 31, m hoch) gehört zu den schönsten Denkmälern des den baltischen Ländern eigentümlichen ernsten got. Stils. Außerdem hat S. noch drei andere prot., eine kath. Kirche und eine Synagoge. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein Gymnasium (das Fridericianum, die ehemalige Domschule), ein Realgymnasium und eine Gewerbeschule. Unter den Sammlungen für Wissenschaft und Kunst sind besonders die großherzogl. Gemäldegalerie (1200 Bilder, besonders sehr viele und ausgezeichnete Niederländer) mit Kupferstichkabinett, das trefflich geordnete Antiquarium (Sammlung des Vereins für mecklenb. Geschichte und Altertumskunde), die Sammlung der Gipsabgüsse und Werke der Kleinkunst, sämtlich im Museum vereinigt, die Regierungs⸗ und die Gymnasialbibliothek hervorzuheben. Ein öffentliches Bibliothekgebäude ist (1886) im Bau. Handel und Industrie sind von keiner hervorragenden Bedeutung. Am stärksten betrieben wird die Tabaksfabrikation. Außerdem bestehen eine Eisengießerei, Bier⸗ und Essigbrauereien, Branntweinbrennereien, sowie Fabriken für Seife, Strohhüte, Wagen, Spiegel, Cement, Parfumerien, Lack, Leim, Chokolade, Konditorwaren, Korkwaren, Watte, Spielkarten, Strumpfwaren u. s. w. Auch hat S. eine Lebensversicherungs⸗ und Sparbank, eine Hypothekenwechselbank, die Mecklenburgische Bank (1878 mit der Bodenkreditanstalt vereinigt) und eine Vorschußvereinsbank. — S. ist ein uralter Ort und wurde 1161 von Heinrich dem Löwen erobert und 1166 zur Stadt erhoben. Vgl. 4Beschreibung von S. v (Wism. 1857); Fromm, «Chronik der Haupt⸗ und Residenzstadt S. » (Schwer. 1863); 4Führer durch S. und Umgebungo (Schwer. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 606Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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