Saarbrücken, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Trier, 65 km südsüdöstlich von Trier an der von Saargemünd bis Enzdorf kanalisierten Saar und zählt (1885) mit der am rechten Ufer des Flusses gelegenen, etwas größern Stadt Sankt Johann 24095 E. (davon auf das eigentliche S. 10461). Die Stadt ist Station der Linien S.⸗Conz, S.⸗ Neunkirchen, S.⸗Malstatt, S.⸗Saargemünd und S.⸗Scheidt der Preußischen Staatsbahnen, Sitz eines Landratsamts, eines Land⸗, Schwur⸗ und Amtsgerichts, eines Hauptzollamts und einer königl. Bergwerksdirektion in St. Johann. Das Schloß wurde bis 1793 von den Fürsten von Nassau-S. bewohnt. Außer der Schloßkirche (mit Grabmälern der fürstl. Familie) befinden sich in S. (einschließlich St. Johann) noch zwei evang. und zwei kath. Kirchen, sowie von höhern Unterrichtsanstalten ein Gymnasium (gestiftet 1615), eine Hauptbergschule nebst Markscheiderfachschule, eine Gewerbeschule und eine höhere Töchterschule. Sehenswert ist der von Kaiser Wilhelm gestiftete Rathaussaal, mit Gemälden von A. von Werner. Sowohl in den Städten wie in deren Umgebung liegen bedeutende Fabriketablissements. So haben die Städte eine Drahtseilfabrik, Maschinenfabriken Tabakfabriken und bedeutende Brauereien, au Essigfabrik, Gerberei und Treibriemenfabrik. Namentlich berühmt ist es wegen des ausgedehnten Steinkohlenbergbaues in seiner nächsten Nähe, der für den südl. Teil der Rheinprovinz und die Nachbargebiete, sowie für Süddeutschland, Elsaß-Lothringen und das nordöstl. Frankreich große Wichtigkeit hat. — Im Kreise Saarbrücken, der auf 386 àEm (1885) 124 244 E. zählt, finden sich außerdem noch bedeutende Glashütten, eine Berlinerblaufabrik, eine Cementfabrik, Stahl⸗ und Eisenwerke, chem. Fabriken, Coksöfen, Ziegeleien; ferner Fabriken für Fayence, Strohhüte u. s. w. Nur 4 Em ostsüdöstlich von S. liegt das Pfarrdorf Sankt-Arnual mit 2034 E. und einer im besten got. Stile 1315 erbauten Kirche mit zahlreichen alten Denkmälern des nassau-saarbrückener Fürstenhauses. Im Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 (s. d.) wurde es von den Franzosen (2. Aug.) besetzt, doch durch die Schlacht bei Spicheren (F. d.) 6. Aug. wieder befreit. Im Süden von S., hinter dem Exerzierplatze, liegt das „Ehrenthalo, eine Grabstätte der hier nach dem 2. und 6. Aug. in den Lazaretten gestorbenen Krieger. S. war die Hauptstadt der ehemaligen, zum Oberrheinkreise gehörigen Grafschaft Saarbrücken, die 1381—1793 dem Zweige Nassau-S. aus der Walramschen Linie des Hauses Nassau (s. d.), dann der Linie Nassau-Usingen gehörte, bis sie 1801 an Frankreich kam. Nachdem sie bis 1815 einen Teil des franz. Saar-Departements gebildet, kam sie mit einem großen Teile des letztern an Preußen. Vgl. Köllner, „(Geschichte der Städte S. und St. Johanno (2 Bde., Saarbr. 1865). 1251