Stiota Schreb., Flechtengattung, zu den Laubflechten gehörig. Der Thallus derselben ist flach ausgebreitet, mit grubigen, netzartig angeordneten Vertiefungen versehen und an seinem Rande meist unregelmäßig gelappt. Die rotbraunen Apothecien sitzen gewöhnlich in der Nähe des Randes. Die bekannteste Art ist die an Baumstämmen oft wachsende Lungenflechte, S. Pulmonacea Ach., die fruher offizinell war. (S. Tafel: Flechten, Fig. 16.) Stief . . (altdeutsch stiuf, engl. step; nicht echt, nicht leiblich, nicht vollbürtig), nur in Zusammensetzungen gebräuchlich, um das Affinitätsverhältnis zu bezeichnen, welches (namentlich in auf⸗ und absteigender Linie) bei einer zweiten Ehe zwischen dem einen Ehegatten und den Verwandten des andern Ehegatten stattfindet, so zunächst Stiefvater, Stiefmutter,‚ Stiefsohn u.s. w.; doch auch Stiefgeschwister, Stiefbruder u. s. w. (Val. Halbgeschwister und Schwägerschaft.) Stiefel (frz. botte, corps de pompe; engl. boot, barrel of pump), die bekannte Fußbekleidung, s. unter Schuhwarenfabrikation; auch soviel wie Pumpencylinder, s. unter Pumpen. Stiefmütterchen, Pflanze, s. Pensée. Stiege, eine Anzahl von 20 Stück. Stiegen (Getreidestiegen), s. unter Ernte. Stieglitz, Distelfinkoder Distelzeisiglbringilla carduêlis), ist ein zur Familie der Finken gehöriger, sehr bunter Singvogel, welcher in ganz Europa, aber auch in Syrien, Mittelasien, Sibirien und Nordafrika vorkommt und bis zu den Antillen sich verbreitet hat. Er überwintert und wandert fast gar nicht, teils ist er Strichvogel, aber gegen Kälte nicht empfindlich. Zur Nahrung dienen ihm ölhaltige Samen, besonders die Samen der Disteln und Karden. Das Nest wird auf Bäumen und zwar sehr künstlich gebaut. Das Weibchen legt lährlich zwei⸗ bis dreimal vier bis fünf meergrüne, blaßrot gefleckte oder mit dunkelbraunen Punkten kranzförmig gezeichnete Eier. Der erwachsene Vogel ist auf dem Rücken graubraun, Scheitel und Nackenbinde sind schwarz, Kehle und Stirn blutrot, die Schwing⸗ und Steuerfedern an der Spitze weiß und über die Schwingen zieht eine goldgelbe Binde. Das Männchen singt laut und angenehm und wird deshalb, wie seiner schönen Färbung wegen gern als Zimmervogel in Käfigen gehalten. Äußerlich ist das Weibchen von ihm kaum zu unterscheiden. In der Gefangenschaft erzeugen die S. mit Canarienvögeln schön gezeichnete, aber zärtliche Bastarde. Stieglitz (Heinr.), deutscher Dichter, geb.22. Febr. 1801 zu Arolsen, besuchte das Gymnasium zu Gotha, studierte seit 1820 in Göttingen, nahm jedoch an den polit. Bewegungen teil und war genötigt, nach Leipzig zu gehen, wo er sich der Philologie widmete. Seine Studien setzte er später in Berlin fort, wo er 1828 als Custos der Bibliothek und Gymnasiallehrer angestellt wurde. Im J. 1828 vermählte er sich mit Charlotte Sophie S., geborene Willhöft (geb. 18.Juni 1806 zu Hamburg). Unzufrieden mit seinen Amtern, legte S. dieselben nieder und bereiste 1833 einen Teil von Rußland, ohne daß sich jedoch seine Gemütsstimmung besserte. In der Hoffnung, daß ein tiefer Schmerz heilend und kräftigend auf S. Gemüt einwirken werde, gab sich hierauf 29. Dez. 1834 seine Gattin den Tod. Mundt tammelte ihre Briefe, Tagebuchblätter u. s. w. unter dem Titel Charlotte S., ein Denkmalo (Berl. 1835). Auf den weitern Lebenslauf S.' hatte Charlottes That nicht den von ihr beabsichtigten Erfolg. Er verließ Berlin, lebte erst eine Zeit lang in München, durchwanderte das bayr. Hochland, ging dann nach Rom und endlich nach Venedig, wo er 24. Aug. 1849 an der Cholera starb. Ein bedeutendes poetisches Talent spricht sich in S. Dichtungen allerdings aus; aber Excentricität und Mangel an Vertiefung haben ihn sein Ziel verfehlen lassen. Er machte sich zuerst durch seine mit Ernst Große herausgegebenen Gedichte zum Besten der Griechen » bekannt; später gab er mit mehrern Freunden einen „Berliner Musenalmanach»( erl. 1829) heraus. Am kräftigsten offenbart sich sein dichterischer Geist in den „Bildern des Orientso (4 Bde., Lpz. 1831—33), worin auch mehrere dramatische Arbeiten sich befinden, namentlich die Tragödie KSultan Selim III.„. Auch die Stimmen der Zeit in Liedern » (2. Aufl., Lpz. 1834 enthalten viel tüchtige Zeitanschauungen und begeisterte Worte. Seine lyrische Tragödie «Das Dionysosfest o (Berl. 1836), noch bei Lebzeiten seiner Gattin gedichtet, ist anziehend durch die Tendenz, den Sieg einer jungen gärenden über eine geistig abgelebte Reaktion zu feiern. Seit dem Tode seiner Gattin verfaßte er den Gruß an Berlin, ein Zukunftstraum » (Lpz. 1838) und „Bergesgrüße aus dem salzburg., tirol. und bayr. Gebirge (Münch. 1839). Außerdem schrieb er: «(Gebirgswanderungeno, in Mundts Dioskureno, „Montenegro und Montenegrinero (Stuttg. 1841), Istrien und Dalmatien » (Stuttg. 1845); Erinnerungen an Romv (Münch. 1848). Vgl. L. Curtze, 4Briefe von S. an seine Braut sel zwischen Fr. Jacobs und Heinrich S. v (Lpz. 1863); ferner S.“ «Selbstbiographier (Gotha 1865); (Exinnerungen an Charlotte⸗ (Marb. 1865).