Stickstoff (chem. Zeichen N; Atomgewicht ⸗14), ein chem. Grundstoff, der als farbloses Gas ohne Geruch und Geschmack auftritt, ein spezifisches Gewicht von 0,972 besitzt, sich in Wasser sehr wenig löst. Pictet in Genf und Cailletet in Paris ist es gelungen, den S. bei großem Kältegrad und hohem Druck in den flüssigen Zustand überzuführen. Der S. findet sich in der atmosphärischen Luft gemengt mit Sauerstoffgas und zwar in der Menge von 79 Volumen oder 76,6 Gewichtsteilen, außerdem findet er sich in der Steinkohle (zu etwa 0/,5 Proz.), in dem Ammoniak und der Salpetersäure, ferner macht er einen Bestandteil aus des Eiweißes, Caseins, Blutes, der Wolle und aller organischer Gebilde des Tier⸗ und Pflanzenreichs; in besonders großer Menge ist er im Harnstoff, im Caffein und Theobromin, sowie in namhafter Quantität in den im Pflanzenreiche vorkommenden Alkaloiden (Chinin, Morphin, Strychnin, Brucin, Atropin u. s. w.) enthalten. Der S. kann weder das Atmen, noch die Verbrennung unterhalten, mit andern Elementen kann er nur schwierig sich verbinden und fast nie direkt. Man kann den S. aus der Luft gewinnen, indem man ein abgeschlossenes Volumen derselben mit brennendem Phosphor zusammenbringt, wodurch der Sauerstoffentferntwird. Rein erhält man ihn, wenn man Chlorgas durch eine wässerige Ammoniaklösung leitet oder besser durch Kochen einer konzentrierten Lösung von salpetrigsaurem Ammoniak, das dabei in Wasser und Stickstoffgas zerfällt. Die wichtigsten Verbindungen des S. sind 1) mit Sauerstoff: das Stickoxydul, das Stickoxyd, die salpetrige Säure, die Untersalpetersäure (welche die organischen Nitrokörper, z. B. Pikrinsäure, Nitrobenzol, Nitroglyzerin, Schießbaumwolle bildet) und die Salpetersäure (s. d.); 2) mit Wasserstoff: das Ammoniak (und die davon abgeleiteten organischen Basen, z. B. das Anilin) und das Hydroxylamin; 3) mit Kohlenstoff: das Cyan (s. d.).