FeedStieglitz (Ludw., Baron von)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Stieglitz (Ludw., Baron von), Begründer des berühmten Handels-und Bankhauses dieses Namens in Petersburg, wurde 1778 zu Arolsen geboren, widmete sich dem Handelstand und ging dann ohne Vermögen nach Rußland. Doch gelang es ihm hier bald, durch sein kommerzielles Genie und seine rastlose Thätigkeit das allgemeine Zutrauen in einem solchen Grade zu gewinnen, daß seine Vermögensumstände und sein Ansehen sich schnell und glänzend hoben und sein Einfluß auf Rußlands Handel und Industrie nicht ohne Bedeutung wurde. Ihm hauptsächlich verdankt Rußland die Einführung der ungemein wichtigen Dampfschiffahrt zwischen Petersburg und Lübeck. Nicht minder machte sich sein wohlthätiger Einfluß bei allen größern Kredit⸗ und Finanzoperationen Rußlands unter dem Ministerium Cancrins bemerklich. Vom Kaiser wurde ihm 1825 die erbliche Würde eines Reichsbarons verliehen. Er starb zu Petersburg 18. März 1843. —Auch Ludwigs Bruder, Nikolai von „geb. 1772, hatte sich in Rußland ansässig gemacht, wo es ihm gelang, durch K andelsunternehmungen sich ein ansehnliches Vermögen zu erwerben und durch Kenntnisse und gewandte und redliche Geschäftsthätigkeit zur Förderung des russ. Handels beizutragen. Er wurde zum Hofrat und Direktor der Schuldentilgungskommission in Petersburg ernannt und in den russ. Adel erhoben und starb 1824 zu Petersburg kinderlos. Seine großen Güter (über 100000 ba) diesseit und jenseit des Dnjepr im südl. Rußland erbte sein Bruder Ludwig, der sie durch wirtschaftliche Einrichtungen sehr hob. Ein anderer Bruder, Bernhard von S., geb. 1774, betrieb früher ebenfalls ansehnliche Handelsgeschäfte zu Krementschuck im südl. Rußland, wo er, nachdem ihn Kaiser Nikolaus zum Hofrat ernannt, 1846 starb. — Ludwigs Sohn, Baron Alexander von S., führte das väterliche Bankhaus fort, bis er dasselbe 1858 auflöste, und trat dann als Chef der neubegründeten Reichsbank in russ. Staatsdienst, aus dem er jedoch 1866 wieder ausschied. Er erbaute die Eisenbahn über Peterhof nach Oranienbaum mit einer Zweigbahn nach Krasnoje-Sselo und starb 5. Nov. (24. Okt.) 1884 in Petersburg. — Von den beiden Söhnen Bernhard von S. war Nikolai von S. Mitglied des Conseil im Ministerium des Innern, Fedor von S. Gutsbesitzer in Kiew.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 236Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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