Stiehle (Gust. von), preuß. General der Infanterie und Generaladjutant des Kaisers, Chef des Ingenieur⸗ und Pionierkorps und Generalinspekteur der Festungen, wurde 14. Aug. 1823 in Erfurt geboren und trat nach dem Besuch der Gymnasien in Magdeburg und Erfurt, des Pädagogiums in Halle und der Realschule in Meseritz 11. Febr. 1840 in das 21. Infanterieregiment in Pommerisch-Stargard, in welchem er 1841 Offizier wurde. Von 1845 bis 1847 besuchte S. die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, nahm 1848 im 21. Regiment an den Kämpfen in der Provinz Posen teil, war längere Zeit Bataillonsadjutant und Landwehrkompagnieführer, 1852 —55 zur Trigonometrischen Abteilung des Generalstabes kommandiert und wurde Okt. 1855 als Hauptmann in diesen, 1858 aber als Prins.Regente in das 7. Regiment des damaligen Prinz⸗ egenten (das spätere Königs-Grenadierregiment Nr. 7) versetzt. Als Major 1859 wieder in den Generalstab zurückversetzt, organisierte S. als Direktor die neuerrichteten Kriegsschulen in Potsdam und Neisse, übernahm 1860 die Leitung der kriegsgeschi tlichen Abteilung des Großen Generalstabes und hielt Vorlesungen über Taktik an der Kriegsakademie, wie schon 1854 an der Artillerie⸗ und Ingenieurschule. Im J. 1861 wurde S. als Adjutant zum Gouvernement von Berlin kommandiert und nahm 1864 als Generalstabsoffizier im Hauptquartier des Feldmarschalls Graf Wrangel an dem Feldzuge gegen Dänemark teil. Noch während des Kriegs von 1864 zum Oberstlieutenant und Flügeladjutanten des Königs ernannt, wurde er dann zu diplomatischen Sendungen nach London und Wien verwandt und blieb in den nächsten Jahren im Gefolge des Königs. Dem Feldzuge von 1866 wohnte S. teils im Stabe der Elb-Armee, teils im Hauptquartier des Königs bei und leitete für Preußen die militärischen Schlußverhandlungen, die dem Prager Frieden folgten. Nachdem S. 1868 zum Kommandeur des 4. Gardegrenadierregiments Königin in Koblenz ernannt worden war, wurde er Dez. 1869 in die Umgebung des Königs und als Abteilungschef in den Großen Generalstab zurück⸗, sowie als Mitglied in die Studienkommission der Kriegsakademie berufen. Bei Ausbruch des ade E aumOGeneral Kriegs von 1870 und 1871 wurde S. zum Generalmajor und Chef des Generalstabes der Zweiten deutschen Armee (Prinz Friedrich Karl von Preußen) ernannt. S. schloß die Metzer Kapitulation ab, zeichnete sich dann bei Orléeans und Le Mans aus und wurde im Nov. 1871 aus dem Generalstabe in das Kriegsministerium versetzt, wo er, unter Belassung in seinem Verhältnis als General à la suite des Kaisers und Königs, die Leitung des Allgemeinen Kriegsdepartements übernahm. April 1873 erfolgte seine Ernennung zum Inspekteur der Jäger und Schützen, und Okt. 1875 zum Kommandeur der 7. Division in Magdeburg, sowie Nov. 1875 die Beförderung zum Generallieutenant. S. wurde Nov. 1881 kommandierender General des 5. Armeekorps in Posen und März 1886 Chef des Ingenieur-⸗ und Pionierkorps und Generalinspekteur der Festungen. In dieser Stellung ist er dazu berufen, die von seinem Amtsvorgänger begonnene Reorganisation des Geniewesens zu vollenden.