Thugut (Franz Maria, Freiherr von!, österr. Staatsmann, geb. zu Linz 8. März 1739, Sohn eines Kameral⸗ und Kriegszahlassessors daselbst. Er trat 1752 in die orient. Akademie, kam 1754 nach Konstantinopel, wurde dort 1757 Dolmetscher, 1769 Geschäftsträger bei der Pforte, 1770 Resident und 1771 Wirkl. Internuntius und bevollmächtigter Minister. Im J. 1772 ward er baronisiert. er zeine diplomatische Sendung nach Neapel und Versailles. Später 315 er die Verhandlungen von Braunau. Im J. 1780 wurde er österr. Gesandter in Warschau, 1787 in Neapel, 1788 beim Ausbruche des Türkenkriegs Bevollmächtigter bei dem Heere des Prinzen von Sachsen-Coburg und Suworows, mit der Bestimmung, die Verwaltung der Moldau und Walachei zu übernehmen, ebenso 1790 bei den Friedensverhandlungen zu Szistowo. Nach dem Abgange der Minister Graf Cobenzl und Baron Spielmann ward ihm das Generaldirektoriat der Staatskanzlei unter Kaunitz übertragen, nach dem bald darauf erfolgten Tode des Fürsten Kaunitz (27. Juni 1794) wurde er zum Wirkl. Minister des Auswärtigen erhoben. Seine Erhebung bedeutete einen Wechsel in Osterreichs Politik, die damit von den vorsichtigen, auf Freundschaft mit Preußen gerichteten Wegen Leopolds ab in die Bahnen Josephinischer Politik zurückstrebte. Freundschaft mit England und Rußland war die Basis, die Ziele auf Gewinn in der poln. Frage, wie in der französischen gerichtet: Bayern gegen Belgien einzutauschen, in Elsaß-Lothringen Tauschobjekte, in Italien neue Provinzen zu gewinnen, dahin ging Tis Ehrgeiz. So betrieb er bis Sommer 1794 den Krieg gegen Frankreich. Der Verlust Belgiens durch Jourdans Sieg bei Fleurus (26. Juni) und die ihm folgenden franz. Siege machten aber den Kampfan der deutschen Grenze immer aussichtsloser, während die poln. Frage die österr. Politik immer mehr anlockte. Indem T. dann besonders auf Machterwerb in Italien bedacht war, wandelten die Siege Napoleons 1796 und 1797 auch hier alles zu Gunsten Frankreichs um. Der Friede von Campo-Formio, in dem T. das linke Rheinufer seinen ital. Plänen opferte, erschütterte seine Stellung. Er ging als bevollmächtigter Minister in die neuerworbenen ital. und Küstenprovinzen, wurde aber bald in das Ministerium wieder zurückberufen. Doch schied er schon im Dez. 1800 ganz aus und lebte teils in Preßburg, teils in Wien den Wissenschaften, vorzüglich aber der orient. Litteratur. Er starb zu Wien 29. Mai 1818. Vivenot veröffentlichte mehrere auf I.5 Leben und staatsmännisches Wirken bezügliche Dokumente, wie (T., Clairfait und Wurmserv (Wien 1869), «T. und sein polit. Systemy (2 Bde., Wien 1870), «Vertrauliche Briefe des Freiherrn von T.o (2 Bde., Wien 1871) und „Quellen zur Geschichte der deutschen Kaiserpolitike (fortgesetzt von Zeißberg, Bd. 1—4, Wien 1873—-84). zu gehen. Nun folgten größere Reisen, auf welchen er England, Frankreich, die Niederlande und Osterreich besuchte. Im Anfange war T. als Historienmaler aufgetreten, sein großes Bild, die Teutoburgerschlacht, bewies jedoch, daß sein Talent mehr für das Gemütvolle und Innige als für das Pathos geeignet sei. Dies trat in mehrern Luther-Bildern (fünf Scenen aus dem Leben des Reformators, 1871 für die Verbindung für histor. Kunst gemalt) bereits in erfreulicher Weise durch Betonen des Genrehaften zu Tage, ganz besonders aber im Illustrationsfach, wo T. wahre Volkstümlichkeit und Wärme des Gefühls bekundet. So in den Zeichnungen zu Goethes Dichtung und Wahrheite, Auerbachs Kalender «Gevattersmann, Tennysons Enoch Ardenv, G. Scherers «Deutschen Volksliederno u. v. a. Auch im Bildnisfache versuchte er sich.