FeedStilicho (Flavius)
GeschichteBrockhaus 1882

Stilicho (Flavius), röm. Feldherr und Staatsmann, ein romanisierter Vandale (aus einer unter Konstantin d. Gr. in Pannonien aufgenommenen vandalischen Kolonie), wahrscheinlich 359 n. Chr. geboren, diente von Jugend auf im röm. Heer und erstieg seit 385 die höchsten militärischen Rangstufen. Kaiser Theodosius d. Gr. schickte ihn als Gesandten nach Persien, vermählte ihn 388 mit seiner Nichte und Adoptivtochter Serena und übertrug ihm auf dem Sterbebett (17. Jan. 395) die Fürsorge für seine Söhne. Seitdem stand S. dem Kaiser des Weströmischen Reichs, Honorius, als Vormund, Kronfeldherr, und seit 398 auch als Schwiegervater, zur Seite. Dagegen gelang es ihm nicht, im Oströmischen (Byzantinischen) Reich Einfluß zu gewinnen, obwohl sein dort waltender ursprünglicher Hauptgegner Rufinus 27. Nov. 395 ermordet wurde. Als S. 396 die Oströmer im Peloponnes gegen den westgot. König Alarich mit großem Erfolg unterstützt hatte, entstanden so gespannte Verhältnisse, daß S. den eingeschlossenen Alarich zuletzt nach Epirus entkommen ließ. Seitdem galt er in Konstantinopel dauernd als Reichsfeind. S. überwand 398 den maurischen Fürsten Gildo, der, von Konstantinopel her aufgereizt, sich unabhängig zu machen versuchte. Als Alarich 401 in Oberitalien einfiel, rief S. die Legionen aus Gallien und von der Donau herbei, um das Kernland des Reichs zu verteidigen. Nach zwei blutigen Schlachten bei Pollentia 29. März 403 und bei Verona sah Alarich im Herbst 493 sich zum Rückzug nach Illyrien genötigt. Unmittelbar darauf drohte eine neue Gefahr. Massen von Germanen, namentlich Ostgoten, wandten sich unter Radagais von der Donau her gegen Italien 404 und 405 und richteten hier furchtbare Verwüstung an. Aber sie unterlagen der die Weimite f der freilich zur Rettung Italiens die heinlinie hatte preisgeben müssen. Während Radagais Florenz belagerte, ward er von röm. Truppen umzingelt. Viele kamen durch das Schwert oder Hungersnot um, die übrigen ergaben sich, ein Teil trat in röm. Dienste oder wurde als Sklaven verkauft, der Häuptling selbst ward enthauptet. So hatte S. zum zweiten mal Italien gerettet; nun aber überfluteten (406) Vandalen, Alanen und Sueven das zur Zeit ungeschützte Gallien. Am kaiserl. Hofe, wo der griech. Kammerherr Olympius jetzt den größten Einfluß gewann, ward man deshalb gegen S. verstimmt. Er galt jetzt als Verräter; seine wesentlich auf spätere Wiedergewinnung des Westens berechnete Verbindung (406) mit Alarich wurde ihm sehr schlimm ausgelegt. Honorius selbst wurde mehr und mehr gegen S. eingenommen, gegen den auch eine Reaktion des national-röm. Elements sich regte. Zu Pavia brach eine Meuterei röm. Truppen los, in der derd und Anhänger niedergemacht wurden. S., der sich scheute, mit seinen treuen deutschen Truppen Krieg gegen des Theodosius Sohn zu führen, floh nach Ravenna und suchte Zuflucht in einer Kirche. Man gelobte ihm eidlich Sicherheit, aber als er das Asyl verließ, wurde er 23. Aug. 408 enthauptet, dazu die milien der deutschen Soldtruppen ermordet. kit S. verlor das Weströmische Reich für lange seine kräftigste Stütze, und die von ihm angeknüpften Verbindungen mit den Westgoten lösten sich auf, sodaß Italien nunmehr schutzlos den Angriffen Alarichs preisgegeben war.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 241Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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