Alärich I., erster König der Westgoten, geb. um 376 n. Chr. auf der an der südl. Donaumündung gelegenen Insel Peuke, gehörte dem Geschlechte der Balthen an. Als 300 0 d. Gr. 395 starb, erhoben die im Römischen Reiche angesiedelten Westgoten den 19jährigen A., der schon unter Theodosius ihr Führer gewesen war, zum König. Nach vergeblichem Angriff auf Konstantinopel durch 0 er verheerend Macedonien und Thessalien und drang durch den unbewachten Engpaß von Thermopylä in Griechenland ein. Athen erkaufte seine Rettung durch ein hohes Lösegeld; Korinth, Argos, Sparta erlagen dem wilden Feldher Endlich nahm sich Stilicho (s. d.), der eldherr des weström. Kaisers Honorius, des bedrängten Ostrom an. Er landete mit einem Heere in der Nähe von Korinth und schloß⸗ nach einigen weifelhaften Gefechten in Arkadien, in Elis den ein, und nur mit Mühe gelang es diesem, den Rückzug nach Epirus zu bewerkstelligen. Aber eifersüchtig auf die Einmischung des Stilicho, schloß nun der oström. Kaiser Arcadius mit A. Frieden und ernannte ihn zum Statthalter des östl. Illyrien. A., von allen Stämmen seines Volks als König anerkannt, jetzt der dritte Machthaber im Römischen Reiche, entschloß sich (400) zu einem Einfall in Italien. Die Belagerung einiger Städte, wie Aquileja, scheinen ihn längere Zeit beschäftigt zu haben, sodaß Stilicho Zeit gewann, aus entfernten Provinzen Legionen an sich zu ziehen und barbarische Hilfstruppen anzuwerben. Kaiser Honorius, der bei Annäherung der Feinde vor Mailand hatte nach Gallien fliehen wollen, mußte sich in die kleine Festung Asta am Tanarus werfen. Erst die Ankunft Stilichos befreite ihn aus seiner gefährlichen Lage. Bald darauf kam es (6. April 402) bei Pollentia (südwestlich von Asti) zur Schlacht. A. mußte sich zurückziehen und nach einer zweiten Niederlage, bei Verona, im Herbst den Rückweg nach cho, u antreten. Einige Jahre nachher schloß Stilicho, um ihn von Italien fernzuhalten und für seine Pläne gegen das östl. Reich u gewinnen, einen Vertrag mit ihm ab, kraft essen A. auch zum Statthalter des westl. Illyrien erhoben und ihm die jährliche Zahlung von 4000 Pfd. Gold bewilligt wurde. Da nach Stifuhru Ermordung die röm. Regierung die Ausführung des geschlossenen Vertrags verweigerte fiel A. 408 abermals in Italien ein. Ohne si mit Belagerung des festen Ravenna, der Residenz des Honorius, aufzuhalten, zog er der Küste entlang und drang dann von Ariminum aus auf der laminischen Straße gegen Rom vor. Von aller ufuhr abgeschnitten, a sich die Stadt bald durch ngel und Krankheiten zu Unterhandlungen genötigt. Da aber der Hof von Ravenna die angebotenen Friedensbedingungen zurückwies, zog er 409 zum zweitenmal vor Rom. Durch Wegnahme des Hafens Ostia brachte er schnell die Stadt aufs Außerste und nötigte sie, den Stadtpräfekten Attalus als Augustus, ihn selbst als mei. Aslein der röm. Heere des Westens anzuerkennen. Allein bald veruneinigte er sich mit Attalus und entsetzte ihn wieder seiner Würde. Als der Hof von Ravenna, durch das Eintreffen einer Verstärkung ermutigt, die Vor-U A.s abermals zurückwies, zog dieser zum rittenmal vor die Mauern der Hauptstadt. Der Senat war zu verzweifelter Gegenwehr entschlossen, aber durch den Verrat einiger Sklaven, welche zur Nachtzeit das Salarische Thor öffneten, bekam A. (24. Aug. 410) die Stadt in seine Gewalt. Nach mehrtägiger Plünderung wandte er sich nach Unteritalien und schickte sich an, die Kornländer Sicilien und Afrika zu besetzen, aber ein Sturm, der 1. al5 Schiffe versenkte, vereitelte das Unternehmen. Bald darauf starb A. Die Leiche wurde wie Jordanes erzählt, mit vielen Schätzen im Bett des lusses Busento versenkt und die bei der Arbeit gebrauchmten Gefangenen ermordet, damit niemand erfahre, wo er begraben sei. An seiner Statt wurde sein Schwager Athaulf zum Könige erwählt. Vgl. Simonis, «Kritische 1555% über die Geschichte A.8» (Gött. 1858); Pallmann, „Geschichte der Völkerwanderung » (Bd. 1, Gotha 1863); Rosenstein in Forschungen zur deutschen Geschichte » (Bd. 3, Gött. 1863); von Eicken, «Der Kampf der Westgoten und Römer unter A.» (Ipz. 1876).